Home
http://www.faz.net/-gya-t3ee
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Motorrad-Airbag „Meilenstein in der Geschichte der Motorradsicherheit“

24.08.2006 ·  Die Honda Gold Wing mit Airbag? Coole Biker werden die Nase rümpfen. Aber das Luftkissen könnte ihnen das Leben retten. Der ADAC hat den ersten serienmäßigen Airbag für Motorräder getestet. Das Ergebnis ist eindeutig.

Artikel Bilder (4) Video (1) Lesermeinungen (1)

Es kracht, Glas splittert: Das Motorrad rast mit 72 Stundenkilometern senkrecht auf ein quer stehendes Auto. Der Fahrer fliegt über den Lenker und mit dem Kopf frontal gegen das Auto. Im Echtfall hätte der Biker mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent tödliche Kopfverletzungen sowie einen Genickbruch erlitten. Ein Airbag soll das verhindern.

Erstmals gibt es ein Motorrad mit dem lebensrettenden Luftkissen-Crashtests des ADAC erbrachten: Der Fahrer hätte den Unfall bis auf einen doppelten Schienbeinbruch unverletzt überstehen können. „Das ist ein fast unfaßbar positives Ergebnis“, sagte der Leiter des ADAC-Technikzentrums in Landsberg, Wilfried Klanner, bei der Vorstellung der Ergebnisse in München. Die Entwicklung sei ein „Meilenstein in der Geschichte der Motorradsicherheit“.

Honda hat als erster Hersteller weltweit seinen Luxustourer Gold Wing mit einem Airbag ausgerüstet. „Der Airbag legt sich wangenförmig um den Kopf, das ist wirklich vertrauenswürdig“, beschreibt Klanner die Wirkung. Auch wenn der Aufprallwinkel etwas von 90 Grad abweicht und das Motorrad nicht genau senkrecht auftrifft, biete das Luftkissen noch Schutz.

Tödliche Unfälle rückläufig

Zwar sind auch bei den Motorradfahrern die tödlichen Unfälle seit Jahren rückläufig, jedoch ist der Rückgang bei weitem nicht so deutlich wie bei den Autounfällen. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl sogar noch einmal an: Bundesweit starben 875 Biker, das waren 2 Prozent mehr als im Vorjahr. „Das sind absolut gesehenerschreckend hohe Zahlen angesichts der wesentlich geringeren Gesamtfahrleistung der Motorräder im Vergleich zu den Autos“, sagte der ADAC-Vizepräsident Technik, Werner von Scheven. Bei Autounfällen starben 2005 hingegen „nur“ gut 2800 Insassen - obwohl zehn Mal mehr Autos als Motorräder unterwegs sind und die Saison für die Biker lediglich ein halbes Jahr dauert.

Bereits der Crash-Test mit dem Motorrad an sich war für die Autoforscher eine Herausforderung. „Der Dummy muß in einer Position stabil sein, in der auch ein Mensch auf der Maschine sitzen würde“, erläutert ADAC-Sprecher Maximilian Maurer. Zugleich muss sich sein gesamter Körper so verhalten wie der eines Menschen. Der Biker-Dummy sei deshalb anders als die bei Autotests verwendeten Puppen mit einer
weit mehr dem Menschen nachempfundenen Anatomie ausgerüstet. Er verfügt über Wirbelsäule, Becken und „Knochen“, die auch brechen können.

Die „riesige“ Messetechnik ist - anders als beim Auto-Crashtest - in den Dummy selbst eingebaut. Gemessen wird beim Aufprall im Kopf-, Nacken-, Schulter-, Becken- Oberschenkel- und Schienbeinbereich. Für Maurer ist der Motorrad-Airbag „die Geburtsstunde einer völlig neuen Entwicklung“.

Jeder fünfte Todesfall kann verhindert werden

Etwa jeder fünfte Todesfall bei Biker-Unfällen könnte nach einer ersten Schätzung mit dem Airbag verhindert werden, wenn jedes Motorrad damit ausgestattet werden könnte, sagt Klanner. „Es ist aber noch offen, ob das möglich ist.“ Denn die Ausrüstung eines Motorrads mit dem lebensrettenden Luftkissen sei ungleich schwieriger als beim Auto. Unter anderem wegen des Tanks und der Sitzposition sei bei vielen Motorrädern sehr wenig Platz für einen möglichen Airbag. „Das Ganze steckt noch in den Kinderschuhen.“

Der ADAC-Vizepräsident Technik ist dennoch zuversichtlich: „Warum sollte sich ein System, das im Auto seit Jahren bestens funktioniert, nicht auch beim Motorrad wirkungsvoll einsetzen lassen.“ Es sei durchaus möglich, daß der Motorrad-Airbag in der Zukunft genauso selbstverständlich werde wie der Auto-Airbag.

Quelle: FAZ.NET mit Material von DPA, AP
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Mit Mazda ein Romeo

Von Wolfgang Peters

Wenn sich zwei leidlich gesunde Automarken, ohne eine Hochzeit im Himmel zu zelebrieren, miteinander ins Bett legen, dann kommt ein Roadster dabei heraus. Alfa Romeo und Mazda haben genau diese Autoform im Sinn. Mehr