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Motormarkt Erlebniszentren im automobilen Süden

02.06.2005 ·  Nachdem Erfolg der Autostadt von Volkswagen bauen nun auch Mercedes-Benz, BMW und Porsche neue Markentempel.

Von Thomas Geiger
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Die Autoindustrie investiert Millionen in den schönen Schein. Denn offensichtlich animiert vom Erfolg der Wolfsburger Autostadt, lassen nun auch die süddeutschen Fahrzeughersteller Bagger und Bautrupps anrücken, um ihren Marken neue "Welten" zu bauen. Derzeit wachsen beinahe im Gleichklang in München wie in Stuttgart neue Glaspaläste in die Höhe, in denen BMW und Mercedes-Benz pünktlich zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Sommer ihre Tradition und ihre Zukunft präsentieren wollen. Und weil Porsche dabei natürlich nicht hintanstehen möchte, laufen auch in Zuffenhausen bereits - zwei Nummern kleiner - die Planungen für ein neues Werksmuseum.

Am weitesten fortgeschritten sind die Bauarbeiten in Stuttgart. Denn schon im März haben die Schwaben Richtfest für die von Mercedes-Benz-Chef Eckhard Cordes zur "Landschaft der Mobilität" erklärte Anlage vor den Toren des Stammwerks Untertürkheim gefeiert. Bis zur Eröffnung am 19. Mai 2006 soll dort für grob geschätzte 250 Millionen Euro aus insgesamt 11000 Tonnen Stahl und 45000 Kubikmetern Beton ein 48 Meter hoher Komplex entstehen, der aus der Luft an ein dreiblättriges Kleeblatt erinnern soll. Innen verteilt sich die Fläche von 16000 Quadratmetern vor allem auf zwei gegenläufige Spiralen, für die Mercedes-Benz bereits einen festen Ausstellungsplan hat: Die eine Spirale zeige die Legende, die andere die Vielfalt der Marke, stellt Cordes in Aussicht. Insgesamt bietet das Museum deshalb Raum für 95 Autos und jeweils 40 Rennwagen und Nutzfahrzeuge, die zum Teil sehr aufwendig präsentiert werden sollen. Es ist geplant, auf der Etage "Rennen und Rekorde" eigens eine riesige Steilkurve zu bauen, auf der dann die Silberpfeile drapiert sind. Weil man jedoch die Ausstellungsstücke in aller Regel weder probefahren noch kaufen kann, schlagen die Schwaben mit einer neuen Niederlassung auf dem gleichen, insgesamt 53000 Quadratmeter großen Gelände architektonisch wie geschäftlich die Brücke ins Hier und Jetzt.

Eine neue „BMW Welt“

200 Kilometer weiter südöstlich wird ebenfalls heftig gebaggert und gewerkelt. Denn auch die neue "BMW Welt" im Stadtteil Milbertshofen soll pünktlich zum Eröffnungsspiel der WM in der bayerischen Landeshauptstadt fertig werden. Dafür investiert BMW nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen Euro, für die jetzt ein riesiges Areal umgegraben und zu einem "neuen Portal der Marke BMW" umgestaltet wird. Im Zentrum der Arbeiten steht ein sogenannter Doppel-kegel, der später 28 Meter in den Münchner Himmel ragen soll. Von ihm aus spannt sich in sechs bis acht Meter Höhe ein wellenförmiges Glasdach mit 3200 Tonnen Stahlfachwerk, das an den weitesten Stellen bis zu 50 Meter Freiraum überbrücken muß. Darunter schaffen die Bayern Platz für jährlich 850000 Besucher und nach rund 20 Jahren wieder für eine Direktabholung von Kundenfahrzeugen. Außerdem gibt es Shops und Restaurants sowie Räume für Events und Kongresse. Und natürlich genügend Stellflächen für die aktuelle Modellpalette - die Oldtimer allerdings werden auch weiterhin im Werksmuseum ausgestellt.

Museum am Porsche-Platz

Nicht ganz so groß wie Mercedes-Benz und BMW, dafür aber sehr viel lebendiger soll das neue Porsche-Museum in Stuttgart-Zuffenhausen werden, dessen Eröffnung allerdings erst für Mitte 2007 angekündigt ist. Zwar bietet der betont kantige Bau, der nach dem jetzt ausgewählten Entwurf wie ein eckiges Ufo über dem Zuffenhausener Porsche-Platz schweben wird, nach aktuellen Informationen auf rund 5000 Quadratmetern nur Platz für etwa 80 Fahrzeuge. Doch soll es dazu auch eine neue Werkstatt geben, in der betagte Kundenfahrzeuge detailgenau restauriert werden können. Außerdem hat Porsche-Chef Wendelin Wiedeking in einigen Interviews für das etwa 50 Millionen Euro teure Projekt bereits reichlich Bewegung angekündigt: "Wir wären schlecht beraten, wenn wir unsere Oldtimer im Museum festnageln würden", sagt der Porsche-Chef, "denn wir brauchen unsere Klassiker für Einsätze rund um den Globus."

Vorbild: Autostadt von VW

Inoffizielles Vorbild der süddeutschen Baumeister ist die Autostadt in Wolfsburg. Dieser Erlebnispark des Volkswagen-Konzerns war zunächst noch als eine Investitionsruine belächelt worden, mit der sich der damals scheidende VW-Chef Ferdinand Piech ein Denkmal habe setzen wollen. Doch viereinhalb Jahre nach der Eröffnung macht sich die etwa eine halbe Milliarde Euro, die in Markentempel, Museum, Veranstaltungsflächen und Kundenabholzentrum investiert wurden, offenbar mehr als bezahlt. Schließlich haben die Wolfsburger vor wenigen Wochen stolz zehn Millionen Besucher gemeldet und bereits 600000 Kunden vor Ort ihren neuen Wagen ausgehändigt. Drei Nummern kleiner funktioniert dieses Modell augenscheinlich auch in Ingolstadt, wo im Dezember 2000 das Audi-Forum eröffnet worden ist. Auch dort warten auf die Kunden nicht nur ihre neuen Wagen, sondern ein Restaurant, ein "Eventzentrum" und eine kleine, aber feine Sammlung von Oldtimern und Showcars.

Doch nicht immer sind solche Konzepte von Erfolg gekrönt. So mußte in Rüsselsheim das vor rund sechs Jahren mit großen Erwartungen als automobiler Freizeitpark eröffnete Veranstaltungszentrum "Opel Live" mangels Zuspruch peu a peu wieder abgebaut werden. Statt Achterbahn und Crashtest-Simulation warten auf die Besucher zwischen Neuwagen und Prospektständern deshalb heute nur noch ein paar vereinzelte Oldtimer des Herstellers.

Quelle: F.A.Z., 28.05.2005, Nr. 121 / Seite 50
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