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Motor Show Im kalten Detroit herrscht eitel Sonnenschein

 ·  Die Messe in Detroit hat schon dunklere Tage gesehen. Zum Jahresauftakt sonnen sich alle Autohersteller in den guten Zahlen. Amerika ist weiterhin der größte Markt der Welt.

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© Schmidt Vergrößern Chevrolet Corvette Stingray mit 6,2-Liter-V8

Der amerikanische Automobilmarkt hat im vergangenen Jahr um gut 13 Prozent auf 14,492 Millionen verkaufte Einheiten zugelegt. Die Vereinigten Staaten sind weiterhin der größte Markt der Welt, China muss noch warten. Entsprechend gut ist die Stimmung auf der Detroit Auto-Show, der ersten wichtigen Messe des Jahres, die noch bis zum Sonntag, dem 27. Januar, andauert. Wer über die Ausstellung schlendert, staunt über große, aufwendig gemachte Stände; keiner lässt sich lumpen, wenn er den Weg nach Michigan gefunden hat. Es fehlen nur wenige bekannte Namen, Mitsubishi oder Suzuki zum Beispiel, Rolls-Royce und Lamborghini haben Detroit ebenfalls nicht auf ihrem Kalender, wohl aber Ferrari, Maserati (neuer Quattroporte) und Bentley. Auch Volvo und Jaguar/Land Rover tragen dick auf, obwohl sie keine Neuheiten parat haben.

Dennoch gibt es selbstverständlich genügend Novitäten. Die Messegesellschaft hat 50 gezählt, allen voran die brandneue Chevrolet Corvette Stingray, die siebte Generation der amerikanischen Sportwagen-Ikone. Alle drei amerikanischen Hersteller zeigen, wer das Hausrecht hat, und sie belegen ungewöhnlich große Flächen, dazu wird wesentlich aufwendigerer Messebau betrieben als noch vor Jahren - und etwas weniger Show gemacht. Die Produkte sollen für sich sprechen. Bei GM macht das nicht nur die Corvette, Cadillac zeigt den ELR, eine seriennahe Studie mit der Technik des Chevrolet Volt (Opel Ampera). Ford wagt sich gar an die Erneuerung einer Ikone. Der F-150 ist seit 31 Jahren das meistverkaufte „Auto“ in den Vereinigten Staaten, die Studie Atlas soll einen Vorgeschmack geben, was dereinst noch kommen kann. Es wird etwas kantiger, aber keine Angst: Die Ladefläche ist noch da, und kleiner wird der große Ford auch nicht. Aus europäischer Sicht erstaunt ohnehin, wie viele große und riesige Pickups und Geländewagen immer noch in Detroit gezeigt werden. Sogar welche mit E-Antrieb gibt es, von Via, einem Startup-Unternehmen, bei dem Branchengröße Bob Lutz (80) seine Finger im Spiel hat.

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© Schmidt Vergrößern Die Studie Acura NSX

Bei Chrysler und Jeep wird der Einfluss von Fiat schon dadurch deutlich, dass der 500 und der 500 L, die jetzt beide in Amerika vermarktet werden, in unmittelbarer Nachbarschaft von der Fahrzeuge von Chrysler, Jeep und Dodge stehen. Das Comeback von Alfa Romeo in den Staaten ist abermals verschoben worden. Das Wichtigste bei Jeep ist der neue Grand Cherokee, der jetzt in Amerika mit einem neuen Drei-Liter-Diesel-V6 bestellt werden kann, kombiniert mit einer Achtgang-Automatik von ZF. Der große Jeep wurde innerlich und äußerlich gründlich überarbeitet. Für Fans: Den 5,7-Liter-V8 wird es weiterhin geben.

Auch die deutschen Hersteller und Marken profitieren von der guten Situation in den Staaten, alle fünf feiern Absatzrekorde und haben Neues mit nach Detroit gebracht. Audi zeigt den RS7 sowie den SQ5 (eine scharfe Variante des Q5), BMW lässt in Detroit den 4er debütieren und klärt auf: Es gibt künftig kein 3er-Coupé und Cabriolet mehr, sondern diese Bauformen laufen nun als Vierer. Der Grund sei der nun doch größere Unterschied zur 3er-Reihe. Wenn ein neuer M3 kommt, wird es ein M4 werden. Außerdem hat BMW den aufgefrischten Z4-Roadster dabei.

Porsche feiert die Premiere des Cayenne Turbo S, und bei Mercedes-Benz gib es gleich mehrere Neuheiten. Die aufgefrischte E-Klasse ist in allen Varianten zu sehen, in Stahlblau erstrahlt eine elektrische B-Klasse (als Concept), der CLA, das (viertürige) Coupé der A-Klasse, wird der erste frontgetriebene Benz für Amerika, er war in Detroit aber nur für ein ausgewähltes Publikum zu sehen.

VW brilliert mit der Studie Crossblue, einem Fünf-Meter-SUV-Trumm mit Hybrid-Antrieb nebst Lademöglichkeit über Kabel (Plug-in). Gleich drei Motoren sind an Bord, zwei E-Maschinen und ein Diesel. VW verspricht einen Normverbrauch von 2,1 Liter und eine elektrische Reichweite von gut 30 Kilometer.

Auch die asiatischen Hersteller treten sehr selbstbewusst auf und zeigen, wie gut sie sich in Amerika etabliert haben, was besonders für Kia und Hyundai gilt. Etliche Studien sind zu sehen (siehe Bilder links), manche wie Honda/Acura haben sogar mehr als zwei dabei. Hyundai will offenbar ganz hoch hinaus und zeigt mit dem Genesis ein futuristisches Oberklasse-Fahrzeug. Kia bringt den Cadenza, als realitätsnäherer Beitrag zur Oberklasse. Das E-Auto interessiert Detroit allenfalls am Rande, sieht man von Tesla ab. Der Hersteller wird nicht müde, für sein Modell S zu trommeln, das 300 Meilen Reichweite haben soll.

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23.01.2013, 18:00 Uhr

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