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Morgan’s 3-Wheeler Das gewisse Nichts

Drei Räder, zwei Sitze, ein V-Motor, null Ausstattung - Morgan baut wieder einen 3-Wheeler. Verrückter geht es nicht. Cooler auch nicht.

© Michael Stirm Vergrößern Die britischen Meister des Verzichts haben doch tatsächlich ihr Dreirad wiederbelebt, und es sieht noch immer so aus wie 1909, als es zur Keimzelle von Morgan wurde

Am schlimmsten sind die Hunde. Nicht die Schäferhunde oder Doggen, die schauen majestätisch von oben herab ins Cockpit und denken sich: So ein verrückter Kerl. Aber die Dackel, die sind auf Augenhöhe mit dem Fahrer, der mangels Scheiben ungeschützt dem wilden Gekläffe ausgesetzt ist. Anzugreifen trauen sich die Tierchen dann aber doch nicht, schließlich knattert das grüne Monster irgendwie bedrohlich, und es sieht auch so aus.

Wir reden da noch gar nicht von der Kriegsbemalung mit der Folie „Einschusslöcher“, die zu 140 Euro in der Aufpreisliste steht und ein Muss ist. „Pin-up-Girl“ kostet geklebt übrigens 250 Euro, was ein echtes verlangen würde, wissen wir nicht. Vermutlich würde die freizügige Dame freiwillig einschwingen in das engste aller uns bekannten Cockpits, Tuch- und Nylonfühlung ließen sich nicht vermeiden, ach, so ein Morgan hat wirklich unschätzbare Vorteile. Und die Hunde sind schon vergessen.

Zurück aus dem Jahr 1909

Die britischen Meister des Verzichts haben doch tatsächlich ihr Dreirad wiederbelebt, und es sieht noch immer so aus wie 1909, als es zur Keimzelle von Morgan wurde. Erst 1936 montierten die Kerle ein viertes Rad an ihre Autos und ließen sie fortan nur noch in dieser doch sehr gewöhnlichen Bauart aus den Hallen rollen. Doch jetzt kehrt er zurück, der Morgan 3-Wheeler.

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Das Auto, wenn man es denn so nennen will, hat das gewisse Nichts: Es gibt keine Türen (was beim Zustieg Gelenkigkeit erfordert) und kein Dach (was beim Zustieg wiederum hilft). Es gibt keine Kopfstützen (aber immerhin Überrollbügel), keine Seitenfenster und nur zwei wischerlose Scheibchen an der Front, die bei Außentemperaturen um den Nullpunkt die Hände etwa drei Minuten lang vor dem Erfrierungstod bewahren. Es gibt kein ABS oder ASR, keine Heizung, eine Klimaanlage fehlt natürlich sowieso, und Stauraum, ach, wofür? Außenspiegel sind vorhanden, aber sie verzerren wild vibrierend jeden Blick zurück. Sichtbare Dämpfer und Federn künden vom Versuch, ein Fahrwerk mit Restkomfort einzubauen, man darf ihn zufrieden als gescheitert registrieren.

Vier Kippschalter und der Starterknopf „Bomb release“

Exakt vier Kippschalter für Licht, Nebelscheinwerfer, Hupe und Warnblinker teilen sich das Armaturenbrett mit zwei Anzeigen für Geschwindigkeit und Drehzahl und einem Starterknopf mit der deeskalierenden Bezeichnung „Bomb release“. Das muss als Luxus-Accessoires genügen.

Letzterer hat nicht zufällig etwas von Jagdflugzeug, und wenn der Pilot Glück hat, setzt sich das S&S-Triebwerk nach ein paar Stößen in Bewegung. Wenn nicht, versucht er es eben noch einmal, irgendwann meldet sich der vorn unverhüllt angepflanzte, luft- und ölgekühlte Zwei-Liter-V2 brüllend, schüttelnd, zerrend, krachend zum Dienst.

Über dessen Leistung herrscht gewisse Uneinigkeit unter den Morgan-Leuten, einige sprechen von (85 kW) 115 PS, andere von 60 kW (82 PS), man kann ja vor der Auslieferung nicht alles wissen, und so eine läppische Abweichung von 40 Prozent ist nun wirklich nichts, worüber es sich zu erregen lohnte. „Schauen Sie doch noch mal auf der Homepage von Morgan nach“, empfiehlt der fröhliche Hamburger Händler Robert Kasten, oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Mit dem Mann lassen sich recht nette Dialoge führen, zum Beispiel: „Was passiert, wenn es regnet und ich die Abdeckplane vergessen habe?“ „Lenzpumpe.“

In 5 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Wir fuhren dem Vernehmen nach mit etwa 82 PS oder ein bisschen mehr, was für raketenähnliche Beschleunigung des 550-Kilogramm-Federgewichts in fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h genügt, sofern der angetriebene 195er-Hinterreifen Bereitschaft erklärt, die Haftung zu übernehmen.

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