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MMI Navigation Plus Volles Programm mit unaufdringlicher Sachlichkeit

26.12.2008 ·  Das neue MMI Navigation Plus von Audi für Navigation, Telefonie und Unterhaltung: Wer das Alte kennt, kommt mit dem neuen sofort zurecht. Zwar wartet der Hersteller mit neuer Technik auf, ist aber noch nicht am Ziel aller Wünsche.

Von Michael Spehr
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Eine Wachablösung steht an: Audi und BMW modernisieren ihre Navigations- und Kommunikationssysteme, und beide präsentieren die verbesserte Technik zunächst in ihrer Oberklasse. Wir haben im Audi A8 das neue MMI Navigation Plus zwei Wochen lang ausprobiert. Es wartet mit vielen behutsamen Verbesserungen auf und hat zum Glück seine alten Stärken behalten, vor allem die einfache Bedienung und unaufdringliche Sachlichkeit.

Auf den ersten Blick scheint nicht viel neu zu sein. Wer das alte MMI kennt, kommt mit dem neuen sofort zurecht. Ein Controller in der Mittelkonsole ist für die wichtigsten Bedienschritte zuständig, eindeutig beschriftete Tasten links und rechts führen in die Hauptmenüs, und vier Softkeys rund um den mechanisch präzise einrastenden Drehsteller übernehmen kontextabhängig bestimmte Funktionen. Dass man häufig den Blick nach unten werfen muss, hatten wir schon beim alten System kritisiert, und diesen Minuspunkt bekommt auch das neue.

Wir vermissten bei der Routenführung nur zwei Dinge

Aber es gibt auch schnell die ersten Aha-Erlebnisse: Besonders spektakulär ist in der Navigationsabteilung die dreidimensionale Kartendarstellung, die Gelände mitsamt Höheninformationen und Großstädte plastisch in Szene setzt. Wie bei Google Earth sind etliche Sehenswürdigkeiten als Computermodelle nachgebildet. Das alles ist zwar für die Navigation nicht erforderlich - man könnte auch sagen: überflüssig -, macht aber viel her, und damit die ganze Pracht möglichst toll auf dem elektrisch ausfahrbaren Display ankommt, hat dieses nun eine auf 800 x 480 Pixel erhöhte Auflösung, eine LED-Hintergrundbeleuchtung und wird von einer Nvidia-Grafikkarte angesteuert. Die Darstellung ist scharf und präzise, also kein Anlass zur Kritik.

Auch in den Details hat Audi nachgebessert, etwa eine Minikarte für Kreuzungen und Fahrspurassistenten hinzugefügt. Bei Bedarf lassen sich vor Beginn der Fahrt drei verschiedene Strecken berechnen, eine davon soll besonders verbrauchsgünstig sein. Wir vermissten bei der Routenführung nur zwei Dinge: erstens die deutlich besseren Verkehrsinformationen des TMC-Pro-Systems (TMC ist vorhanden) und zweitens Hinweise zum gerade geltenden Tempolimit. Beides sind Funktionen, die jedes bessere Nachrüst-Navi für 500 Euro mittlerweile beherrscht, da kann man sich nur wundern.

Sende- und Empfangseigenschaften waren erstklassig

Vollends zufrieden stellt hingegen die abermals verbesserte Telefonanlage, die nun mit einem Adressbuch für 5000 Einträge ausgestattet ist und die Handy-Anbindung wahlweise über das Sim-Access- oder Handsfree-Profil von Bluetooth erlaubt. Ersteres ist die aufwendigere Technik: Das Handy wird während der Fahrt schlafen gelegt, und eine eigene Mobilfunkeinheit übernimmt die Kommunikation. So gibt es keine „Strahlenbelastung“ im Innenraum, und die Sende- und Empfangseigenschaften in dem von uns gefahrenen Audi A8 waren erstklassig: An jenen Stellen, an denen mit anderen Freisprechanlagen die Gespräche regelmäßig abbrechen, gab es zwar die eine oder andere Störung, aber keine Unterbrechung.

Dass die Kontaktaufnahme mit einem Nokia E71 ohne jede Schwierigkeit erfolgte und nicht nur die Telefonnummern der Simkarte, sondern auch die des Telefonspeichers flink importiert wurden, war ein weiterer Pluspunkt im Testprotokoll. Für die Experten: Letzteres funktioniert mit SyncML und ganz ohne Fummelei. Die ausgefeilte Sprachbedienung, die auch in allen anderen Abteilungen zum Einsatz kommt, erlaubt übrigens bei der Navigation das Vorsprechen von Straße und Ort und bietet beim Telefonieren den schönen Komfort, dass man nur „Anrufen bei Ralf Schmidt, privat Festnetz“ sagt, und schon hat man die Rufnummer auf dem Display. Für uns ist die Telefonanlage die wichtigste Verbesserung des neuen MMI, sie macht aus dem Fahrzeug ein rollendes Büro.

Hübsch gemacht, aber weitgehend sinnfrei

E-Mail und Internet sind freilich bei Audi nicht zu haben, und wer es gewohnt ist, unterwegs stets einen Blick auf die neue Post zu werfen, sollte wissen, dass ein mit Sim-Access angebundenes Handy oder Smartphone auch den Datenverkehr zum Erliegen bringt. Vielleicht haben die Entwickler deshalb einen SimkartenSchacht im Handschuhfach verstaut, damit man im Fahrzeug nötigenfalls eine Twincard oder Ähnliches einsetzt.

Zu den kleineren Änderungen des MMI-Systems gehören Überblendungen auf dem Display, wenn man etwa Einstellungen an der Klimaanlage vornimmt und der Monitor die Telefonabteilung zeigt. Hübsch gemacht, aber weitgehend sinnfrei ist der Mini-Joystick auf dem Controller, der sich in alle Himmelsrichtungen verschieben lässt. Man braucht ihn so gut wie nie, nur beim Verschieben der Landkarte ist er hilfreich.

In Sachen Unterhaltung ist das neue MMI Navigation Plus nun für die Wiedergabe von Video-DVDs gerüstet, allerdings mit Bildwiedergabe nur im stehenden Fahrzeug. Zwei Speicherkartenleser für Secure-Digital-Medien runden die Ausstattung ab. Mit dem „Music Interface“ gelingt die Anbindung verschiedener portabler MP3-Spieler, darunter auch des iPod. Mit der simplen, aber teuren Schnittstelle kann man allerdings noch viel mehr anfangen: zum Beispiel eine externe USB-Festplatte anschließen, um mit kleinstem Aufwand sämtliche Musik vom PC ins Auto zu holen. Dass von MMI aus der Zugriff auf einzelne Ordner möglich ist, sei nur am Rande erwähnt. Wer die externe Festplatte nicht mag, nimmt einfach die Jukebox von MMI: Hier stehen zwar nur 10 Gigabyte zur Verfügung, aber sie soll sich während der Fahrt mit eigenen Audio-Quellen bestücken lassen, und das sogar von SD-Karte oder USB-Massenspeicher. Bei uns klappte es allerdings nicht.

Insgesamt spielt das neue MMI auf höchstem Niveau

Dass verschiedene Musikanlagen zur Verfügung stehen, versteht sich von selbst, das Bang & Olufsen-System können wir sehr empfehlen, es ist aber verflixt teuer. Und das ist gleich das nächste Stichwort: Unser Testwagen mit dem 4,2-Liter TDI-Motor kostet in der Basisausstattung knapp 86.000 Euro. Aber mitsamt der Kommunikationstechnik und etlicher anderer Extras kletterte der Preis auf mehr als 125.000 Euro. Insgesamt spielt das neue MMI auf höchstem Niveau, wie es sich für die Oberklasse gehört. Es ist eine Weiterentwicklung in die richtige Richtung und mit seiner Zurückhaltung eine Wohltat gegenüber den verspielten Systemen asiatischer Provenienz.

Preise: MMI Navigation Plus: 2280 Euro, Serienausstattung der Zwölfzylindermodelle und des S8. DAB-Radioempfänger: 450 Euro. 6fach CD-Wechsler: 420 Euro, Serienausstattung der Zwölfzylindermodelle und des S8. Music Interface: 245 Euro. Bose-Soundsystem: 1120 Euro, Serienausstattung der Zwölfzylindermodelle und des S8. Bang & Olufsen-Soundsystem: 5130 bis 6155 Euro. TV-Empfänger: 1280 Euro. Rear-Seat-Entertainment: 5080 bis 5640 Euro. Handyvorbereitung: 555 Euro. Bluetooth-Autotelefonanlage: 870 bis 1465 Euro. Sprachsteuerung: 450 Euro, Serienausstattung der Zwölfzylindermodelle und des S8.

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