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Mindset Ein Stromer aus der Schweiz

09.12.2008 ·  Die Welt verbessern und auch noch Spaß dabei haben? Am Vierwaldstätter See arbeitet der ehemalige VW-Chefdesigner Murat Günak an einem Elektroauto mit bestechendem Design, dass so viel kostet wie ein gut ausgestatteter Mittelklasse-Kombi.

Von Thomas Geiger
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Die Welt verbessern und auch noch Spaß dabei haben? Wer darin einen Widerspruch sieht, der hat die Botschaft von Murat Günak, Lorenzo Schmid und Paolo Tumminelli nicht verstanden. Denn mit Verzicht und Selbstkasteiung, so die Überzeugung des ehemaligen VW-Designchefs, des Schweizer Unternehmers und des Kölner Design-Professors, kommen wir auf Dauer nicht weiter. Heilig oder zumindest selig kann man damit vielleicht werden, doch wirtschaftlichen Erfolg in der Automobilindustrie verspricht diese Geisteshaltung nicht. „Daran sind schließlich bislang alle Fahrzeuge mit einem wirklich alternativen Antriebskonzept gescheitert“, sagt Schmid mit Blick auf die ersten in Kleinserie gebauten Elektrofahrzeuge: „Das waren alles super Konzepte, sparsam, sauber, innovativ - nur leider weitgehend spaßfrei“, sagt Schmid. „Aber ohne Sexappeal kann man ein Auto einfach nicht gut verkaufen.“

Deshalb will es Schmid gemeinsam mit seinen beiden Mitstreitern jetzt besser machen und ähnlich wie die Kollegen von Tesla mit einem Elektroauto tatsächlich Begehrlichkeiten wecken. Nur dass es anders als bei den Amerikanern kein Sportwagen für zwei Personen, sondern ein alltagstauglicher Viersitzer werden soll, der den Namen „Mindset“ trägt und so viel kostet wie ein gut ausgestatteter Mittelklasse-Kombi von Audi, Mercedes oder BMW.

Modern, ohne futuristisch zu sein

Für die Begehrlichkeit steht zum einen das Design aus der Feder von Murat Günak, der in seinem „ersten Leben“ unter anderen den Mercedes SLK gezeichnet und nun einen ganz neuen Entwurf auf die Räder gestellt hat. Schlicht, klar, unkonventionell und trotzdem so, dass man sich auf Anhieb daran gewöhnen kann, steht das erste 3D-Modell des 4,20 Meter langen Viersitzers in einem Glaskasten oberhalb des Vierwaldstätter Sees. Das silberne Coupé mit dem eigenwillig in die Länge gezogenen Heck hat einen entschlossenen Blick fernab jeder Niedlichkeit, sieht modern aus, ohne futuristisch zu sein, und ist vor allem mit seinen hohen, schlanken und hinten frei stehenden 22-Zoll-Rädern auf Anhieb wiederzuerkennen.

Zu der aufs Wesentliche reduzierten Karosserie ohne Schnörkel passt auch der schlichte und trotzdem edle Innenraum, der mit warmem, weichem Leder ausgeschlagen ist. Wo andere Autos ein aufwendiges Cockpit haben, trägt der Mindset nur einen großen Bildschirm, der ein wenig an die Computer von Apple erinnert. Und wo andere Entwickler in ihre Sparkonzepte dünne, unbequeme Sitze montieren, empfängt der Mindset seine Passagiere mit einer breiten, durchgehenden Lederbank, die schon auf den ersten Blick so einladend wirkt, dass man gleich nach Sizilien durchstarten möchte.

Gespeist wird der Motor aus Lithium-Ionen-Akkus

Ebenfalls Begehrlichkeit weckt der Antrieb. Er glänzt bei entsprechend umweltfreundlicher Stromproduktion nicht nur mit einer grünen Weste, sondern lockt auch mit respektablen Fahrleistungen. Der Elektromotor leistet 95 PS und hat bei 220 Nm buchstäblich leichtes Spiel mit dem Viersitzer, dessen Kunststoffkarosserie über einen Alurahmen gezogen wird und das Gewicht so unter 900 Kilogramm drückt. Keine sieben Sekunden vergehen, bis der Mindset auf Tempo 100 ist, und nur weil man in der Schweiz ohnehin nicht schneller als 120 fahren darf, wird der Wagen vorerst auf 140 km/h limitiert. Gespeist wird der Motor aus Lithium-Ionen-Akkus, die einen Aktionsradius von etwa 100 Kilometern ermöglichen sollen und danach für nur zwei Stunden an die Steckdose müssen. Soll der Mindset weiter fahren, springt ein sogenannter Range Extender ein. Dafür nutzen die Entwickler einen 24 PS starken Zweizylinder, der einen Generator treibt und mit 30 Litern Sprit genug Strom für weitere 700 Kilometer erzeugt.

Zwar gibt es erst seit wenigen Wochen einen fahrfähigen Prototypen, so dass die drei den Sommer über mit einem unförmigen Erprobungsträger arbeiten mussten. Doch schon diese blankpolierte Badewanne auf Rädern löst das Fahrspaßversprechen eindrucksvoll ein: Kaum streichelt Schmid sanft das Gaspedal, schon schießt das rustikale Cabrio so schnell und vor allem so leise davon wie ein Pfeil aus der Armbrust von Wilhelm Tell.

„Mögliche Fabriken, die unser Auto bauen könnten, gibt es viele“

Sprechen die drei über den Mindset, klingen sie so einnehmend und überzeugend, dass Besucher strahlen, als kämen sie von einer Privataudienz ihres Lieblingsgurus. Und vielleicht sieht die Welt danach tatsächlich ein bisschen besser aus. Doch bis in die Finanzwelt will die Strahlkraft der Überzeugungstäter noch nicht so recht reichen. Ein paar Partner sind schon im Boot, seit Mitte November gibt es einen von Heuliez in Frankreich gebauten Prototypen, und für den Service verhandeln die Schweizer gerade mit der Werkstattkette ATU. Doch der Schritt zur Industrialisierung des Autos steht noch aus.

„Mögliche Fabriken, die unser Auto bauen könnten, gibt es viele“, sagt Günak und denkt dabei an Unternehmen wie Karmann, Valmet oder Pininfarina, er hält mittelfristig eine Jahresproduktion von 10.000 Fahrzeugen für möglich. Auch ein Wunschpartner ist gefunden und die Absichtserklärung unterschrieben. Doch der finale Produktionsauftrag steht noch aus. Dafür allerdings wird es langsam Zeit. Schließlich soll der Mindset schon Ende nächsten Jahres auf die Straße kommen.

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