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Mercedes-Benz R-Klasse Vorzüglicher Reisewagen

 ·  Der Mercedes-Benz R 300 hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch wenn dem Crossover-Modell Talente fehlen. Die R-Klasse will kein Sportler sein. Ihre Stärken liegen im Transportvolumen.

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Zu den Bestsellern gehört sie nicht unbedingt, die Mercedes-Benz R-Klasse. Die in der gestreckten Version 5,16 Meter Länge messende Crossover-Baureihe, die formal zwischen Minivan und Geländewagen oder SUV positioniert ist, fristet trotz umfangreicher Renovierung im vergangenen Jahr auf deutschen Straßen ein Schattendasein.

Dabei hat der mächtige Wagen erstaunliche Langstrecken-Qualitäten: Selten waren wir auf weiten Reisen so entspannt und wohlbehütet unterwegs. Selten aber auch mit einem Benzinverbrauch, der trotz moderater Fahrweise auf dem Niveau einer hochmotorisierten Sportlimousine lag. 52 479 Euro kostet der R 300 in der langen Ausführung, damit weite Distanzen jedoch wirklich komfortabel überbrückt werden können, bedarf es noch einer ganzen Reihe extra zu bezahlender Sonderausstattungen.

Angetrieben wird der unbeladen 2100 Kilogramm wiegende R 300 von einem Drei-Liter-V6-Motor mit 170 kW (231 PS) Leistung. Die Kombination mit einem siebenstufigen Automatikgetriebe ist obligatorisch, es schaltet sanft und stets der Situation angemessen. Wer die maximale Zuladungsmöglichkeit von 765 Kilogramm jedoch ausnutzt und alle sieben Sitze belegt, merkt bald, dass 300 Newtonmeter als Drehmomentspitze insbesondere an Steigungen ihre Last mit fast 2,9 Tonnen Gesamtgewicht haben. Dann schaltet der Automat früh in eine kürzere Übersetzung, wogegen die Verbrauchsanzeige mehr als nur einen Zahn zulegt. Nur in der Ebene und bei strenger Tempozurückhaltung bleibt der Konsum des V6-Motors knapp unter zehn Liter Benzin für 100 Kilometer. Im Stadtverkehr oder bei besonders flinker Gangart klettert der Durchschnitt auf 14 Liter, als Höchstwert notierten wir 17,3 Liter auf 100 Kilometer nach einer Expressfahrt auf der A3 (Höchstgeschwindigkeit 222 km/h, das Tankvolumen beträgt 80 Liter).

Parkhaus ist nicht der natürliche Lebensraum des R 300

Aber die R-Klasse will kein Sportler sein, auch wenn sich ihr Gesicht nach der Überarbeitung deutlicher an der im gleichen amerikanischen Daimler-Werk Tuscaloosa montierten ML-Klasse orientiert, was dem Wagen optische Dynamik verleiht. Ihre Stärken liegen im Transportvolumen, in den Kofferraum passen wenigstens 414 Liter, wenn die Sitzplatzkapazität voll ausgeschöpft wird. Sind nur fünf Passagiere unterwegs, können 633 Liter Gepäck an Bord verladen werden, und wer beide hinteren Sitzreihen umklappt, kann rekordverdächtige 2385 Liter Ladevolumen ins Kalkül ziehen.

Das Parkhaus ist nicht der natürliche Lebensraum des R 300, muss aber aufgrund der ausladenden Abmessung und mangels geeigneter Parkplätze am Straßenrand meist notgedrungen aufgesucht werden. Der lange Radstand (3,26 Meter) bedingt den hinderlich großen Wendekreis von 12,60 Metern. Das Zurücksetzen an der Ein- oder Ausfahrschranke wird zum Ritual, aber von der optionalen Rückfahrkamera (476 Euro) erleichtert. Bei Fernfahrten wiederum steigert die Luftfederung für 1416 Euro den Komfort erheblich, die adaptive Tempo- und Abstandregelung Distronic für 1844 Euro macht das Reisen entspannt. Kritikwürdig wie eh und je ist dagegen die Aufpreispolitik bei Mercedes-Benz. Dass Metallic-Lack satte 1035 Euro kostet, sei noch hingenommen. Schließlich muss eine Menge Blech lackiert werden. Die elektrische Heckklappe jedoch kostet 618 Euro extra und sogar die Laderaumabdeckung ungehörige 142 Euro.

Trotzdem hat der Mercedes-Benz R 300 bleibenden Eindruck hinterlassen: angenehme Erinnerungen an entspannte Reisen und weniger schöne an den dicken Stapel der Tankquittungen, die allesamt dreistellige Beträge ausgewiesen haben.

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31.03.2011, 16:00 Uhr

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