Home
http://www.faz.net/-gya-yemg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Mercedes-Benz R-Klasse Das renovierte Multitalent

30.03.2010 ·  Die R-Klasse war als Alternative zu E- und S-Klasse geplant und umgesetzt worden. Marke, Form und Raumofferte signalisieren ein besonderes Prestige. Mercedes-Benz hält nun an seiner R-Klasse fest und erneuert sie behutsam.

Von Wolfgang Peters
Artikel Bilder (6) Lesermeinungen (0)

Mitunter sind Autohersteller den Bedürfnissen der Kunden voraus. Diese sind gegenüber Neuentwicklungen manchmal uneinsichtig und folgen nicht dem vorgegebenen Pfad der Produkte, sondern wenden sich einer anderen Marke oder einem anderen Typ zu. Das kann das Ende eines neuen Modells sein oder zu einer frühzeitig veranstalteten Überarbeitung führen. In diesem Fall geht es um die R-Klasse von Mercedes-Benz.

Auf der New York International Auto Show feierte der Großraum-Mercedes im April 2005 sein Debüt, und jetzt erlebt er am 31. März dort abermals eine Premiere: Das von Mercedes als "Multitalent" gepriesene Mobil wurde im Design und bei der Innenraumarchitektur überarbeitet, und die Antriebsaggregate hat man bei auf niedrigere Verbräuche getrimmt.

Die R-Klasse war als Alternative zu E- und S-Klasse geplant und umgesetzt worden. Anfang 2000 meinte man bei Mercedes-Benz erkannt zu haben, dass die Menschen bei sich verändernden Verkehrsverhältnissen und sich neu definierenden Mobilitätsansprüchen auch neue Fahrzeugformen goutierten. Aber sogar in den Vereinigten Staaten, wo die R-Klasse seit Anbeginn gefertigt wird, liefen die Verkäufe eher verhalten. Mercedes hielt an seiner R-Klasse fest, und kann jetzt, wie es scheint, auf eine Stabilisierung der Verkäufe setzen. Vor allem wegen des Erfolgs in China: Dort steht der wuchtige und in respektgebietendem Format antretende Wagen ganz oben bei den Angehörigen des neuen Reichtums.

Anklang fand die R-Klasse hierzulande häufig bei Handelsreisenden

Marke, Form und Raumofferte der R-Klasse signalisieren jenes Prestige, das dem Auto auf dem deutschen Markt selten zuteil geworden war. Anklang fand die R-Klasse hierzulande häufig bei Handelsreisenden, die hinter den Vordersitzen auf Kleiderstangen und Bügeln die Belegexemplare ihrer Tätigkeit zu den Kunden führten. Eine andere Zielgruppe mochte sich mangels Masse nicht so recht für das mit langem oder kurzem Radstand gelieferte Raummobil entscheiden: Als Zweitwagen für die Familie und den Transport der Kinder sprengte der Mercedes allzu häufig das Haushaltsbudget. Da half es auch wenig, dass Mercedes alsbald statt des für alle Versionen verbindlichen Allradantriebs (4Matic) eine weitere (billigere) Variante offerierte, die nur über die Hinterachse angetrieben wurde.

Die jetzt nach einer Produktionszeit von etwa fünf Jahren vollzogene Überarbeitung macht aus dem R-Brocken (Länge 4,94 Meter) natürlich keinen Kompaktwagen. Das ist auch gut, denn das Wohnklima im Innenraum, das Stauvolumen für Gepäck und der gesamthafte Auftritt sind durchaus Werte, die man schätzen kann. Weil man bei der Renovierung zurückhaltend war - man hat mit modifizierten Front- und Heckpartien versucht das Auto breiter, aber nicht mächtiger erscheinen zu lassen -, ist die R-Klasse im Wesen unverändert geblieben. So hat sie ihren ruhigen Charakter, ihre jenseits von Hektik existierende Daseinsform behalten. Es gibt nicht viele große Automobile, die ihren Reiz aus allen möglichen Eigenschaften, nur nicht aus ihren dynamischen Fähigkeiten gewinnen.

Aber sie ist ein wunderbares Reiseauto

Neu im insgesamt sechs Motor-Optionen bietenden Angebot ist der R 350 CDI 4Matic in dieser kräftigeren Leistungskonfiguration: der 3-Liter-V6-Diesel geht mit identischem Hubraum und unterschiedlicher Leistung auch im R 300 CDI (140 kW/190 PS) und im R 350 BlueTec 4Matic 155 kW/211 PS) ans Werk und hält in der stärksten Version 195 kW (265 PS) bereit. Zudem wird ein maximales Drehmoment von 620 Nm geboten: Das gleicht fast einer Dampfmaschine, und der R kommt damit auf

223 km/h, und laut Mercedes begnügt er sich nach Norm mit 8,5 Liter Diesel, die Automatik ist serienmäßig. Die billigste R-Klasse wird der R 300 sein, mit Ottomotor (170 kW/231 PS) und Hinterradantrieb für wahrscheinlich rund 50 000 Euro. Die Allrad-Versionen gehen wie fülligere Gemsen alle Bergstraßen hoch, ob Schnee oder Matsch, aber unter 56 000 Euro wird man keine kriegen. Damit ist klar: Auch die zweite R-Generation wird kein Familienfahrzeug. Aber sie ist ein wunderbares Reiseauto.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1946, freier Autor in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

Mit Mazda ein Romeo

Von Wolfgang Peters

Wenn sich zwei leidlich gesunde Automarken, ohne eine Hochzeit im Himmel zu zelebrieren, miteinander ins Bett legen, dann kommt ein Roadster dabei heraus. Alfa Romeo und Mazda haben genau diese Autoform im Sinn. Mehr