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Mercedes-Benz GL Die Parkgarage ist nicht sein Revier

05.09.2010 ·  Das große Ding von Mercedes ist der GL, aber er trifft in Europa auf Skepsis. Die Gründe dafür kommen im Dreierpack: zu groß, zu teuer und zu durstig. Der Basispreis des GL 350 CDI BlueTec 4Matic liegt bei knapp 76.000 Euro.

Von Wolfgang Peters
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Der Mercedes-Benz GL ist ein Langstreckenläufer bei den Kunden - aber kein Sprinter im Verkaufsprogramm der Marke. Als der mit permanentem Allradantrieb operierende Geländewagen im Januar 2006 auf den Markt kam, wurde er in Europa mit einer gewissen Reserviertheit aufgenommen. Die Gründe dafür kommen im Dreierpack: zu groß, zu teuer und zu durstig.

Daran hat sich wenig geändert, doch die Trinkgewohnheiten des auf der Basis der ML-Modelle in Amerika gebauten (und vor allem auch dort vertriebenen) Geländegängers gestalten sich durch Einsatz moderner Dieseltechnik deutlich ziviler. Mit etwas Gefühl für die im GL unweigerlich aufkommende Gelassenheit erreichten wir mit der Version 350 CDI 4Mativ BlueTec jetzt Verbrauchswerte von 9,6 bis 9,8 Liter auf 100 Kilometer, und selbst nach strammer Fahrt wurden lediglich 12,8 Liter Diesel errechnet. Dass man im Tank 100 Liter bunkern kann, fördert die Langstrecken-Qualitäten.

Dazu fügen sich sehr gut die Komfort-Eigenschaften des GL. Die Luftfederung vorn und hinten verleiht dem wuchtigen Gefährt zusammen mit der Doppelquerlenker-Vorderachse und der Mehrlenker-Hinterachse eine unerwartete Leichtigkeit in Verbindung mit feinem Ansprechen auf Unebenheiten der Fahrbahn. Auf der Autobahn gilt das Prinzip der unerschütterlichen Linientreue (nicht zu leichtgängig arbeitende Servolenkung), und auf der Landstraße könnte man zwar räubern, lässt es aber bald. Der große Wagen ist zwar kaum aus der Ruhe zu bringen, aber Seitenneigung in Kurven und ein mildes Stampfen im Fahrwerk vor dem Eingreifen von Sicherheitssystemen lassen beim Fahrer Unlust an zu dynamischer Fortbewegung aufkommen.

Meist nuschelt er mit geringer Lärmentwicklung vor sich hin

Immerhin brachte die geprüfte Version beinahe 2,6 Tonnen Leergewicht auf die Waage und offerierte dennoch eine Zuladung von fast 700 Kilo. Wobei der Dreiliter-V6-Diesel (erfüllt schon Euro 6) mit 155 kW (211 PS) und einem maximalen Drehmoment von wuchtigen 540 Nm bei 1600 bis 2400/min im Alltag kaum überfordert wirkt. Meist nuschelt er mit geringer Lärmentwicklung vor sich hin und erhebt höchstens dann die Stimme, wenn der Fahrer für vollen Leistungseinsatz höhere Drehzahlen fordert. Aus dem Stand bewegte sich der massige Wagen in knapp zehn Sekunden auf 100 km/h, und wir stoppten ihn mit 215 km/h. Als Reisegeschwindigkeit auf freier Strecke empfehlen sich etwa 160 km/h, dann gibt es keine Unmutsäußerungen vom Motor und keinen Windlärm von der Karosserie. Sehr angenehm arbeitet die weder zur Hektik noch zur Schlafmützigkeit neigende Siebengang-Automatik. Man wählt die Fahrtrichtung über einen Hebel am Volant, dann geht sie sehr unauffällig ihrer Tätigkeit nach.

Die großzügigen Abmessungen (Länge 5,10, Breite 1,92 Meter) sind keine leeren Versprechungen: Der GL hält für fünf Passagiere reichlich Raum bereit, die hinterste, dritte Sitzbank ist wegen magerer Breite und geringem Beinraum sowie der nötigen Verrenkungen beim Einsteigen für seriöse Erwachsene kaum geeignet, hinter ihr gibt es noch eine befriedigende Menge an Stauvolumen. Mit einem Schalterdruck lässt sich diese Sitzgelegenheit klappen oder aufrichten, das Kofferraumvolumen bemisst sich auf 620 bis 2300 Liter. Die Einfahrten zu Parkhäusern zählen nicht zu den Lieblingsstrecken des GL-Eigners, der Wendekreisdurchmesser gibt mit 12,10 Meter einen deutlichen Hinweis auf jene Bedächtigkeit des Autos, die sonst dicken Männern in Porzellangeschäften zu eigen sein sollte.

Verarbeitung und Ausstattung bewegen sich auf jenem Niveau, das man von Mercedes erwarten darf, das kann nicht billig sein: Der Basispreis des GL 350 CDI BlueTec 4Matic liegt bei knapp 76 000 Euro, das von uns bewegte Exemplar kam auf gut 80 000 Euro. Aber der GL transportiert nach einer Produktionszeit von gut viereinhalb Jahren jene Aura der Unzerstörbarkeit, die man bisher bei Mercedes nur im G-Modell entdecken konnte. Der GL reift zu einem feinen Nachfolger heran und verdiente es, auf weniger Skepsis zu stoßen. Zum Sprinter muss er gar nicht werden, den gibt es schon bei den Nutzfahrzeugen in der Mercedes-Familie.

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Jahrgang 1946, freier Autor in der Wirtschaft.

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