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Mercedes-Benz F700 Mit Mut zum Fahrspaß von morgen

 ·  Der Mercedes F700 gibt die Richtung vor: Ausfahrt Zukunft ist sein Ziel. Im vorigen Jahr sorgte er auf der IAA für Aufsehen. Weitab vom öffentlichen Straßenverkehr will er jetzt zeigen, welche Kräfte er mobilisieren kann.

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Der Moment ist im Wortsinn bewegend. Leise, fast ohne Erschütterungen und mit nachhaltigem Vortrieb eilt der Wagen über den heißen Asphalt der Rennstrecke Montebianco im Westen der spanischen Kulturstadt Sevilla. Unebenheiten bügelt er platt wie die Sandstrände am Mittelmeer, ohne den Lärm der Corridas geht er um die Kurven, einer Kathedrale der Ruhe gleich kündet er von den Chancen des Individualverkehrs der Zukunft. Der Mercedes-Benz F700 gestattet sich eine Ausfahrt. Im vorigen Jahr sorgte er auf der IAA in Frankfurt für Aufsehen. Weitab vom öffentlichen Straßenverkehr will er jetzt zeigen, welche Kräfte er für die Zukunft mobilisieren kann.

Herabstufung heißt das Konzept der Ingenieure, die dem in der Oberklasse angesiedelten F700 mit einem nur 1,8 Liter großen Vierzylinder-Benziner das Spurtvermögen eines hubraumstarken V6-Wagens geben wollen. Ohne Turbolader geht freilich nichts. Gleich zwei der hilfreichen Gebläse hauchen Kraft in die Brennräume, Mercedes-Benz bemüht gleich noch ein neues Brennverfahren, um die Leistung ebenso wie das Abgasverhalten auf künftige Anforderungen anzupassen. Diesotto oder Raumbrennverfahren nennen sie das Motorkonzept.

Sparsam wie ein Dieselmotor und sauber wie ein Benziner

Kern der Entwicklung ist neben einer variablen Ventilsteuerung eine flexible Kompression. Über eine elektronisch kontrollierte Mechanik wird der Kolbenhub an der Kurbelwelle verändert. In bestimmten Betriebszuständen führt dies zu einer höheren Kompression bis zur Größenordnung um 1 zu 13, was den Benziner zum Selbstzünder macht. Ähnlich wie bei einem Dieselmotor entzündet sich das Gemisch durch Kompression von selbst. Direkte Kraftstoffeinspritzung und sorgsame Anordnung der Injektoren führen zum gewünschten Ergebnis. Das Diesotto-Triebwerk ist sparsam wie ein Dieselmotor und sauber wie ein Benziner.

Die Leistungsdaten können beeindrucken. 175 kW (238 PS) schöpft die Maschine aus dem vergleichsweise kleinen Hubraum. 400 Newtonmeter Drehmoment entfalten sich, und damit die Phase des Kraftaufbaus im unteren Drehzahlbereich, wenn das Turbo-Pärchen erst starten muss, nicht von Müdigkeit geprägt wird, steht ein Hybridmodul mit einer 15 kW (20 PS) starken Elektromaschine bereit, um dem fast zwei Tonnen schweren F700 auf die Sprünge zu helfen. Ihre Energie bezieht sie aus einer Lithium-Ionen-Batterie. Der Druck aufs Gaspedal fördert tatsächlich beachtliches Beschleunigungsvermögen zutage, mit Nachdruck, der die Passagiere in die Sitze pressen kann.

Das Geheimnis der variablen Kompression

Bei aller Spurtstärke gibt sich das Diesotto-Maschinchen genügsam. 5,3 Liter gelten als Normwert für den Verbrauch, 127 g/km Kohlendioxid werden emittiert. Das ist für eine Reiselimousine der oberen Klasse ein wahrhaft sensationeller Wert. Der Motor erfüllt die Grenzwerte der Abgasnorm EU6, zumindest, wie sie heute erwartet wird. Vor allem aber, sagt Jürgen Hirsch, Leiter des F700-Projekts und Herr über die Forschungsfahrzeuge bei Mercedes-Benz, nutze der Wagen herkömmliches Benzin und benötige keine besonders hochwertigen Kraftstoffe wie schwefelarmen Diesel, der nicht überall zu haben sei. Ein Geheimnis machen die Mercedes-Mannen freilich noch um die variable Kompression und vor allem um die zugrundeliegende Mechanik im Kurbelgehäuse. Da wolle man sich noch nicht in die Karten blicken lassen, sagt Motorentwickler Günter Karl, und den Vorsprung durch Technik für einen Ausbau des Programms nutzen.

Mit dem Diesotto-Konzept möchte man das Leistungspotential der V6-Motoren erreichen und diese mittelfristig ersetzen. Einen Ersatz für die aktuellen V8-Maschinen könnte der nächste Schritt bringen, wenn V6-Diesotto-Triebwerke die Kraft der Big Blocks erreichen werden. V-Motoren jedoch eignen sich nur bedingt für eine variable Kompression. Was langfristig wiederum die Rückkehr von Mercedes-Benz zum Reihensechszylinder bedeuten könnte.

Laser-Scanner tasten die Fahrbahn ab

Der F700 begnügt sich freilich nicht mit einem neuen Antriebskonzept. Schon die Karosserie trägt mögliche Züge zukünftiger Oberklasse-Limousinen mit dem Stern. Auffällig ist das klare Bekenntnis zu ausgeformten Kotflügeln, die dem Wagen Charakterstärke geben. Im Innenraum denkt man über ein flexibles Sitzsystem nach, bei dem der Beifahrer auch entgegengesetzt zur Fahrtrichtung Platz nehmen und sich vom großen, vor der Heckscheibe installierten Flachbildschirm unterhalten lassen kann. Damit er nicht über Gebühr beansprucht wird, sorgt im F700 das sogenannte Pre-Scan-System für ein flugzeugartiges Reisegefühl.

Laser-Scanner tasten die Fahrbahn vor dem Wagen ab und lassen die elektrohydraulische Federung in Sekundenbruchteilen darauf reagieren. Unebenheiten werden so zuverlässig und mit erheblichem Komfortgewinn geglättet. Für die Kommunikation zwischen Fahrer und Fahrzeug gibt es eine zwischenmenschliche Schnittstelle. HMI - Human Mechanical Interface - nennt Mercedes-Benz die virtuelle Person, die den Dialog mit dem F700-Chauffeur aufnimmt, ob er wirklich nach Berlin fahren möchte, ihn darauf hinweist, dass es Verkehrsbehinderungen gibt oder bald eine Tankstelle anzusteuern sei.

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