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Veröffentlicht: 30.09.2012, 21:22 Uhr

Meininger Dampfloktage Feuer und Flamme für die Dampfgeschichte

Von wegen altes Eisen: 35 Jahre nach dem Ende der Dampflok-Ära für die Deutsche Bundesbahn zeigen sich Oldtimer im Meininger Dampflokwerk der Bahn topfit. Einmal im Jahr öffnet das Werk seine Tore ein Wochenende lang für viele Tausend Besucher.

von Peter Thomas
© Peter Thomas Mächtig Dampf: Die hundert Tonnen schwere 01 118 der Historischen Eisenbahn Frankfurt

Die neu glänzende Messingplakette im Führerstand, Dokument der erfolgreich absolvierten Kesselhauptuntersuchung, trägt das Datum vom Vortag. Heute spannt sich Lok 01 118 bereits wieder schnaufend, rauchend und zischend vor ihren Zug - scheinbar ungeduldig, die frisch bestätigte Tauglichkeit für den Fernverkehr zu beweisen. Die Zuschauer jubeln, als Lokführer Klaus Mühleisen den mehr als 100 Tonnen schweren Champion der Historischen Eisenbahn Frankfurt aus dem Meininger Dampflokwerk auf das Streckengleis bugsiert.

Der zweijährige Werkstattaufenthalt, während dem die Thüringer Experten der Lok unter anderem eine neue Feuerbüchse eingebaut haben, ist der schwarzen Schönheit offensichtlich gut bekommen. Solche Momente prägen die Meininger Dampfloktage, die das Werk zusammen mit dem Meininger Damplokverein ausrichtet. Jedes Jahr lockt die Veranstaltung mehrere Tausend Besucher in das letzte Betriebswerk der Deutschen Bahn, das sich noch um Dampftechnik kümmert.

Den Regeldienst 1977 eingestellt

Das Dampflokwerk, 1914 von den Preußischen Staatseisenbahnen eröffnet, ist ein Ort wie aus einer anderen Zeit: Backsteinmauern umhüllen große, vom Staub der Geschichte und einer feinen Rußschicht patinierte Hallen, in denen dicht an dicht die Schienen-Oldtimer parken. Dazwischen warten archaisch anmutende Maschinen neben moderner Technik mit CNC-Steuerung auf ihren Einsatz. Denn die museale Anmutung täuscht, hier wird in täglicher Betriebsamkeit alten Dampflokomotiven wieder neues Leben eingehaucht.

Neben Reparaturen, Wartungen und Hauptuntersuchungen an bestehenden Fahrzeugen konstruieren die Mitarbeiter des Dampflokwerks auch komplette Neubauten oder bauen zentrale Komponenten dafür. Die Kunden kommen nicht nur aus Deutschland, sondern ebenso aus dem europäischen Ausland: Das Dampflokwerk liefert Radsätze für Frankreich, baut Kessel für Großbritannien, repariert Loks aus der Schweiz - gerade hat man sogar einen Kessel für eine Lok aus Australien geschweißt. „Die Auftragslage ist gut“, sagt denn auch Vertriebsleiter Eberhard Grimm zufrieden.

21573386 Nach dem Werkstattaufenthalt: Ein Oldtimer in neuem Glanz © Peter Thomas Bilderstrecke 

Lebendige Dampfloktechnik ausgerechnet bei der Deutschen Bahn - das hätte vor 35 Jahre niemand geglaubt. 1977 stellte die Deutsche Bundesbahn die Dampftraktion im Regeldienst ein. „Unsere Loks gewöhnen sich das Rauchen ab“, tönte der Slogan der entsprechenden Werbekampagne fortschrittlich.

Am 26. Oktober 1977 zogen Maschinen der Baureihe 44 noch einmal schwere Güterzüge durch das Ruhrgebiet. Einen Tag später wurden auch sie offiziell außer Dienst gestellt. Kurz zuvor legte Klaus Mühleisen noch die offizielle Verwendungsprüfung für den Dienst als Lokführer auf Dampfloks im Betriebswerk Rheine ab. Erst 1985, zum 150-jährigen Eisenbahngeburtstag in Deutschland, durften Dampfloks dann wieder Sonderzüge ziehen. Daraus hat sich längst eine lebendige technikhistorische Kultur entwickelt, die insbesondere von zahlreichen Vereinen und Museumsbahnen getragen wird. Das Dampflokwerk in Meiningen ist für die meisten von ihnen eine regelmäßige Anlaufstelle.

Keine entscheidende, konstruktive Veränderung

Für die 1934 gebaute Frankfurter 01 118 ist das Dampflokwerk sowieso eine Art zweite Heimat, denn die Lok wurde hier immer wieder gewartet - und das seit ihrer Indienststellung im Januar 1935. Lange Pausen gibt es in der Biographie der Lokomotive dabei nicht, sagt Klaus Mühleisen stolz: „Keine andere Lokomotive dieser Baureihe ist 77 Jahre lang kontinuierlich im Einsatz gewesen.“

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