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Mazda Nur der Himmel kennt die Grenzen

09.11.2009 ·  Zwischen Ikonen und Alltag: Ford hat Mazda wieder in japanische Hände gelegt, und die Marke sucht ihren Horizont. Dabei geht es um Design, Umwelttechnik und um die Reise in die Zukunft.

Von Wolfgang Peters
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Aus einem grauen Autohersteller am Rand der Attraktivität wurde binnen zweier Modellgenerationen eine Marke mit Designcharakter: Mazda, vom amerikanischen Ford-Konzern vor dem Untergang bewahrt und jetzt wieder in die japanische Selbständigkeit entlassen, hat dennoch keinen einfachen Weg vor sich. Die Marke bewegt sich zwischen Kleinwagendimensionen und Sportwagenattributen. Dazwischen liegen ihre wahren Werte. Dazu gehört das Design, das seit April 2009 vom fünfzig Jahre alten Ikuo Maeda (arbeitet seit 1982 für Mazda beziehungsweise Toyo Kogyo) bewegt und bestimmt wird. Wir haben uns mit dem durch seinen Hang zu Kleidung ohne Berufsvorschriften auffallenden Designer zur Tokyo Motor Show getroffen.

Nicht ganz ohne Grund wirkt die Mazda-Modellfamilie etwas orientierungslos. Die entscheidenden Baureihen sind zwar alle relativ neu, aber die spektakulären Auto-Akzente haben noch nicht jenen Auftritt, den sie verdienten: Dass Mazda große Fortschritte im Leichtbau erzielt hat und dadurch die Verbräuche der Motoren verringern konnte, ist eine Tatsache. Aber einen Mazda 2 im Vergleich zum Vorgänger um hundert Kilogramm erleichtert zu haben, das ist zwar eine technische Sensation. Doch den Kunden erscheint das wie eine quasi natürliche Entwicklung, schon die Menge der dafür nötigen Investitionen wirkt nicht mehr interessant. Und die Konkurrenten in den jeweiligen Segmenten des Marktes haben natürlich mitgezogen, und so liegen die Typen Mazda 2, Mazda 3 und Mazda 6 vom Kleinwagen zur kompakten und dann zur veritablen Mittelklasse nicht allein an der Spitze ihrer Segmente.

Der letzte Mohikaner im winzigen Reservat der von Kreiskolbenmotoren angetriebenen Autos

Außenseiterpositionen besetzen der große CX-7, ein dynamisch konzipiertes SUV, von dem es erst jetzt, über ein Jahr nach seiner Premiere, eine (allerdings sehr gelungene) Dieselversion gibt, und der Sportwagen MX-5 (schon jetzt eine offene Legende und der legitime und bessere Nachfolger der britischen Roadster) sowie der jüngst überarbeitete RX-8, so etwas wie der letzte Mohikaner im winzigen Reservat der von Kreiskolbenmotoren angetriebenen Autos. Aktiv zu fahren und gleichzeitig geeignet zu sein für den Familieneinsatz sind Eigenschaften des schnittig-geräumigen Mazda5, der praktische Schiebetüren und einen großzügig dimensionierten Innenraum aufweist. Für die Chili-Komponente im Mazda-Menü ist der Typ 3 MPS zuständig, mit 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbomotor, mit Frontantrieb und Federwegen wie Bananenstecker. Neben diesen Delikatessen sorgen die neu aufgelegten Baureihen Mazda3 und 6 für Stückzahlen und Marktanteile. Sie sind auch mit dafür verantwortlich, dass das im japanischen Hiroshima sitzende Unternehmen jüngst wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt ist.

Die Verbindung dieser sehr unterschiedlichen Modell- und Typenwelten wird über die Kleidung geschaffen: Wir haben, sagt Maeda, schließlich unsere Design-DNA. Diese inneren Gene sollen für eine äußere Gemeinsamkeit sorgen, die vom Typ2 bis zu den großen Mobilen den inneren Zusammenhalt der Familie zu gewähren hat. Chefdesigner Maeda sagt, Mazda bekenne sich in seinem Auftritt „zur Bewegung“. Und er spüre die Verpflichtung, die aus dem vor wenigen Jahren entstandenen lockeren „Zoom-Zoom-Mazda-Werbeslogan“ abzuleiten ist. Das Design von Mazda, sagt Maeda, werde auch künftig in Bewegung bleiben: „Es werden noch mehr emotionale Elemente hinzukommen.“ Die ebenfalls zu den Mazda-Werten zählende Sportlichkeit soll weiter im Mittelpunkt stehen. Direkt daneben wird sich künftig ein weiterer Baustein zur Markenidentität positionieren: Das Design, sagt Maeda, werde schon in naher Zukunft auch mehr Rücksicht nehmen auf jene technischen Inhalte, die den Umweltaspekten gelten. So kann sich Maeda durchaus vorstellen, mit dem Design den Aspekt des gezielt eingesetzten Leichtbaus ins Licht zu rücken. „Eco friendly“ ist für den Designchef und seine japanischen Kollegen ein umfassendes Schlagwort, mit dem sie täglich mehrmals zu hantieren verstehen.

Auf der Tokyo Motor Show wurde das „Sky Konzept“ präsentiert

Eher in der Tiefe der Technik wurzeln die Mazda-Bemühungen, schon in naher Zukunft entscheidende Verbrauchsverringerungen zu erreichen. Auf der Tokyo Motor Show wurde das „Sky Konzept“ präsentiert: Mazda-Präsident (seit November 2008) Takashi Yamanouchi erklärte den technischen Inhalt noch mit der gewohnten japanischen Hinwendung an die Sprache einstiger Haiku-Poeten (natürlich nicht im strengen Sinne von Masaoka Shiki): „Mit Sky Konzept wollen wir unterstreichen, dass nur der Himmel unseren Ingenieuren Grenzen setzt beim Streben nach optimaler Effizienz.“ Yamanouchi gilt sonst eher als kühler Mann der Chiffren und der Zahlen, und seiner vorausschauenden Strategie des Lagerabbaus und der Produktionsplanung ist die Mazda-Rückkehr in die Gewinnzone nicht zuletzt zu verdanken.

Die Techniker verweisen beim Blick auf geringere Verbräuche eher auf nüchterne Vorgänge: Mazda entwickelt eine neue Generation von Benzinern mit direkter Kraftstoffeinspritzung; gleichzeitig soll eine neue Diesel-Familie entstehen, deren Verbrennungsablauf zu noch saubereren Abgasen führt. In Verbindung mit diesen Motoren wird ein neues Automatikgetriebe eingesetzt, mit dem es leichter wird, die verbrauchsgünstigeren Betriebspunkte zu wählen. Schließlich solle das Leeergewicht der Fahrzeuge weiter sinken, und die Windschnittigkeit werde verbessert. Aus der Kombination dieser Techniktaten will Mazda bis zum Jahr 2015 den Flottenverbrauch seiner Autos im Vergleich zu 2008 um dreißig (!) Prozent verringern.

Ein mit Wasserstoff betriebener Kreiskolbenmotor und ein elektrisches Antriebssystem

Weiter in die Zukunft weist der Mazda5 Hydrogen RE Hybrid: Ein mit Wasserstoff betriebener Kreiskolbenmotor und ein elektrisches Antriebssystem arbeiten zusammen. Dieses Auto wird in Japan bereits über ein spezielles Leasingsystem angeboten, und man kann mit ihm elektrisch angetrieben völlig emissionslos fahren.

Für Chefdesigner Maeda bietet die Zukunftstechnik große Chancen. Er sieht die Möglichkeit, dass künftiges Autodesign die Eigenschaften des Elektroantriebs nutzen und so eine neue Formensprache entwickeln könnte. Natürlich ohne die sportliche Orientierung aufzugeben.

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Jahrgang 1946, freier Autor in der Wirtschaft.

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