03.06.2008 · Mehr Design als bei Mazda gibt es bei keinem anderen japanischen Autohersteller. Die Marke setzt auf die Kraft der neuen Kleider und leitet ihre fließenden Formen vom Wind, vom Sand und von der Küste ab.
Von Wolfgang PetersMehr Design als bei Mazda gibt es bei keinem anderen japanischen Autohersteller: die zum Einflussbereich des amerikanischen Ford-Konzerns gehörende Marke setzt auf die Kraft der neuen Kleider. Dafür stehen vor allem der jugendliche Chef-Designer Laurens van den Acker und der reifere Chef-Designer des Entwicklungszentrums in Oberursel bei Frankfurt, Peter Birtwhistle.
Beide zusammen haben mit einem international besetzten Stylisten-Team ein Projekt begonnen, das zu einem anspruchsvollen Ziel führen soll: Danach wird Mazda ein Design erhalten, das von den Bewegungen natürlicher Vorgänge inspiriert wird, also typisch japanische Ausdrucksformen nutzt, und gleichzeitig überall auf der Welt verstanden wird.
Ruhige Formen durch den Einfluss der Elemente
Dafür stehen ungefähr sechs Design-Studien, die seit dem Jahr 2005 in die Öffentlichkeit gerollt wurden. Sie hatten unterschiedliche Aufgaben: So war der Mazda Sassou vor vier Jahren in etlichen Details und in der Basis seiner Formensprache der Vorläufer des Serien-Mazda 2, der dann 2007 auf den Markt gekommen ist. Andere Studien wie zum Beispiel der Kabura oder der Hakaze bereiten das Feld vor für den Nachfolger des erfolgreichen Roadsters MX-5, für den nächsten RX-8 oder für einen kompakten Van mit sportlichen Umgangsformen.
Die beiden jüngsten Prototypen sind der mit den Flossen eines Fisches den Boden berührende Mazda Taiki und der gerne mit infernalischem Lärm auf die Rennstrecke gehende Mazda Furai. Der Name bedeutet: Der Klang des Windes, was nicht nur auf eine gewisse poetische Ader der Designer hindeutet, sondern – wie bei den anderen Einzelstücken – auch als programmatische Aussage zu deuten ist: „Wir holen uns die Inspirationen für das Mazda-Design direkt aus der Natur,“ sagt van den Acker.
So sind allen Studien ruhig fließende Formen (abgeleitet von Wind und Sand und Strand, von Wüste und Küste) zu eigen. So, als seien sie allein durch den Einfluss der Elemente zu ihren körperhaften Proportionen gekommen.
„Beziehungen des Menschen zur Natur“
Van den Acker geht es nicht nur um Sportlichkeit im Design, ein Element, das Mazda besonders für die gegenwärtig in den Markt fahrende Baureihe der 6er-Limousinen und -Kombis betont. Auch der noch für dieses Jahr eingeplante, neue 3er-Typ wird formal ordentlich auf die sportliche Pauke hauen.
Doch das sind offenbar für van den Acker nur Randerscheinungen des künftigen Design-Auftritts: „Im Mittelpunkt wird die Beziehung des Menschen zur Natur stehen,“ sagt er und fügt hinzu: „Ich bin sehr optimistisch, dass die Menschen diese neue Formensprache verstehen und keiner wird es hässlich finden.“
Japan-Design auf Rädern könnte umgesetzt werden
Aus der Verbindung von traditionellen Design-Genen der Mazda-Autos und den Ideen und deren Umsetzungen, wie sie in den Prototypen zum Ausdruck kommen, könnte nun etwas entstehen, wonach Autohersteller und -liebhaber seit Jahren suchen: die Zeit ist reif für ein japanisches Auto-Design, das sich in seiner Botschaft aus den die formalen Eigenheiten natürlicher Symbole nährt.
So ergibt sich aus der Design-Serie von Mazda eine unerhörte Chance: Japan-Design auf Rädern könnte umgesetzt werden. Dass dessen Durchsetzung nun von einem Holländer inspiriert wird, muss ja kein Hindernis sein. Es darf allerdings nicht vergessen werden, dass mit Atsuhiko Yamada, Chef-Designer im Stilistenzentrum in Yokohama, auch ein Japaner maßgeblich an den Entwicklungen der Formensymbole beteiligt ist. Unter dem Zeichenstrich schärft sich eine spannende Design-Zukunft. Wenn die Entscheidungsträger dafür genügend Verständnis aufbringen.