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Maxi-Scooter Aufruhr im Rollerreich

BMW versucht zur Saison 2012 mit zwei luxuriösen Maxiscootern die Konkurrenz in die Zange zu nehmen. Aber auch die hat nicht geschlafen. Der Wettbewerb könnte die gesamte Branche beleben.

© Hersteller Vergrößern Opulente Alternative: C 650 GT mit den Zutaten ernsthafter Tourings

Der Motorroller als solcher ist nach verbreiteter Ansicht ein nüchternes Fortbewegungsmittel ohne Prestigewert. Nördlich der Alpen neigt man zu dieser Sichtweise. Dem Autofahrer ist der frech bewegte Scooter eher ein Dorn im Auge, der wahre Motorradfahrer hat für ihn oft nur Verachtung übrig. Die Ehre gebietet es, dass er sich die Hand abhackt, wenn er aus Versehen einen entgegenkommenden Scooter gegrüßt hat.

„Hast du den Scheiß dahin gestellt?“, dröhnt ein Grauhaariger mit Zopf über den Parkplatz auf dem Feldberg hinweg, als er einen Motorradkumpel erblickt. Er tut das so, dass wir, die den „Bikertreff“ in der Nähe Frankfurts mit zwei neuen Maxirollern angesteuert haben, es auf jeden Fall hören müssen. Dabei sind doch sowohl der Kymco Myroad 700i als auch der Yamaha Tmax imposante Erscheinungen. Und besonders der Tmax könnte dem Grauhaarigen mit seiner alten, verbastelten Boxer-BMW um die Ohren fahren, sofern der nicht ein außergewöhnlicher Könner ist. Danach sieht es nicht aus.

Leichtes Lebensgefühl

Südlich der Alpen hat der Scooter einen anderen Stellenwert. Selbst in schlechten Jahren verkauft Yamaha in Italien wie selbstverständlich 10.000 Stück seines teuren Tmax, in Deutschland gerade mal 160 bis 200. Auf dem Stiefel wird getunt und poliert und im Berufsverkehr schwer aufgetrumpft. Stetes Streben nach Perfektion im Durchmogeln, Auswahl eines Parkplatzes ohne Zeitverschwendung, unkomplizierte Handhabung dank automatischer Kraftübertragung, Wetterschutz und Stauraum - dafür steht der Scooter. Aber auch für ein Lebensgefühl der Leichtigkeit und des Geschmacks von Pistazieneis: lässig draufschwingen, Gas geben und den Fahrtwind um die Nase genießen. Man zwängt sich nicht jedes Mal in eine Kluft, die Kleiderordnung tendiert Richtung leger, der Jethelm Richtung schicker Modeartikel.

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Wenn andere Verkehrsteilnehmer an der Ampel gerade in die Gänge kommen, hat ein halbwegs kräftiger Roller die Kreuzung schon im Rückspiegel. Die Mittelklasse um 300 Kubikzentimeter Hubraum hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen, sie steht für eine smarte Art der Vorankommens dank hoher Beweglichkeit, recht geringen Gewichts (rund 170 Kilogramm), sparsamer Motoren mit ausreichend Leistung (um 30 PS) und Preisen zwischen 4000 und 5000 Euro. Mehr ist nicht nötig. Die doppelt so teure Oberklasse schien zuletzt zu verkümmern, das einstige Oberdickschiff, der Suzuki Burgman 650, dümpelt seit Jahren ohne Modellpflege vor sich hin.

BMW beherrscht die Kunst

Doch siehe:Zur Saison 2012 wird mit diversen Novitäten die Führungsposition in der Maxiliga neu ausgefochten. Italien, Japan, Taiwan mischen mit, und BMW ist mittendrin. Die Münchener sorgen, nachdem der letzte Ausflug in die Scooterwelt mit dem verflossenen Dachroller C1 danebengegangen war, für Furore. Mit dem knackigen C 600 Sport und dem auf Tourenkomfort abgestimmten Schwestermodell C 650 GT attackieren sie den Markt über zwei Flanken. Beide bewegen sich auf Anhieb auf höchstem Niveau, wie erste Probefahrten zeigten.

19215934 © Hersteller Vergrößern Roller, Motorrad? Die einen sagen so, die anderen so. Sitzgefühl auf dem Honda Integra: Roller. Technik, Stabilität, Dynamik: Motorrad. Schmankerln sind das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe und die famose ABS-Integralbremse. Stauraum mau. Zweizylinder-Reihenmotor, 670 cm³ Hubraum, 38 kW (52 PS), 238 Kilo, 8255 Euro (inkl. Nebenkosten).

Die Sache hat nur einen Haken: Mehr Geld kann man bei keinem anderen Rollerhersteller loswerden. BMW beherrscht die Kunst, nicht einfach nur die üblichen Extras anzubieten, sondern eben solche, die man unbedingt haben will. Hier: gleißend helles LED-Tagfahrlicht, Heizgriffe, Sitzbankheizung, maßgeschneidertes Gepäck-, Navigations- oder Kommunikationssystem, Reifendruckkontrolle, Chromsätze und mehr. So lässt sich der Basispreis von 11100 (Sport) und 11450 Euro (GT, jeweils zuzüglich Nebenkosten) in ehemals unbekannte Höhen treiben.

Südlich der Alpen sind die Märkte

Wenn die Münchener Motorrad-Mannen zurzeit etwas anpacken, dann mit hoher Konsequenz. Sie haben eine Abteilung „Urban Mobility“ zur Entwicklung von Vehikeln für Ballungsräume gegründet, es ist bekannt, dass auch kleinere BMW-Roller und solche mit Elektroantrieb zur Debatte stehen. Sie haben sich die bisherigen Referenzprodukte äußerst genau angesehen, den dicken Burgman und vor allem den Yamaha Tmax, Inbegriff des dynamischen Scooters.

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