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Maserati Gran Turismo Sport Die italienische Charakterprobe

Der Gran Turismo Sport ist eine Probe auf den Charakter des Fahrers. Vor allem beim Frühstart in der Reihenhaussiedlung verscherzt man es sich mit den Nachbarn.

© Hersteller Wir fuhren den Maserati nicht im stumpf-dunklen Blau der Autos des Vatikan-Staats, sondern in „blu sofisticato“

Seit Maserati eine selbständige Abteilung von Ferrari ist und damit unter den Fittichen von Fiat fährt, geht es mit der Traditionsmarke aufwärts. Harald Wester, deutscher Manager mit VW-Konzern-Hintergrund, ist seit einigen Jahren Chef von Maserati und hat in Modena mehr erreicht als die meisten seiner Vorgänger: Maserati kam relativ gut durch die jüngste Krise, blickt optimistisch voraus, baut solidere Autos als je zuvor und ist dennoch italienisch geblieben. Nicht zuletzt deshalb, weil es kaum um Vernunft, sondern meist um Emotionen und um ein Leben geht, das üppig und dennoch beherrscht verläuft.

Wolfgang Peters Folgen:

Das vor kurzem abermals gestärkte Maserati Gran Turismo Coupé ist für beides gut: das hemmungslos triebhafte Ausleben von dunklen Leidenschaften in schnellen Kurven, in den akustischen Lusträumen von Hohlwegen und in einsamen Unterführungen beim richtigen Umgang mit den Arien des Autos. Oder es verkörpert eine Hommage an die stille Zeit eines intelligenten Lebensstils, als Männer noch Fred-Perry-Hemden mit heruntergeschlagenem Kragen trugen und die schweigsamen Frauen daneben am Ende des zierlichen Rückens nicht tätowiert waren. Kein anderes Auto prüft den Charakter des Fahrers intensiver.

22348755 © Hersteller Vergrößern Denn dieser Maserati ist wohl einer der letzten Sportwagen, den ein Herr mit perforierten Lederhandschuhen über den empfindsamen Pianofingern und einem gepunkteten Seidenschal im offenen Kragen überhaupt noch fahren kann

Wir fuhren den Maserati nicht im stumpf-dunklen Blau der Autos des Vatikan-Staats, sondern in „blu sofisticato“, leider mit aufdringlich wirkenden Karbonzutaten außen und mit viel zu hellem Leder innen, den Trident eingestickt in die Kopfstützen und die Kuhhäute vernäht mit dünnem, blauem Zwirn, die Bremssättel ebenfalls blau leuchtend, alles wie der Beginn einer Nacht an der Amalfitana, einer der schönsten Küstenstraßen der Welt. Aber wir tummeln uns im bayerischen Spessart und delektieren uns an den feinen Manieren der italienischen Nobilität. Die erste Probe auf den Charakter des Fahrers steht zum frühen Start in den herbstlichen Morgen ins Haus, präziser: in die Garage.

Der Maserati logiert in der mittleren von drei Abstellboxen, und er startet spontan, bösartig und kurz kreischend, mit rauschhafter Tourenzahl, er bleckt die Zähne wie die capitolinische Wölfin zum Schutz von Romulus und Remus, reißt an seiner Kette, dann ist der V8 erwacht, besinnt sich auf seine noble Erziehung, murmelt mit leicht erhöhter Leerlaufdrehzahl blubbernd und brabbelnd vor sich hin. Dann wählt der Fahrer die Fahrtrichtung, auf Tastendruck ruckt der Gran Turismo an, atmet fauchend durch, scheint die prallen Backen über den Hinterrädern zusammenzuklemmen und rollt in relativer Lautlosigkeit hinaus. Die alte Eiche, an der Achatz von Mechenhardt sein Leben ließ, schüttelt ein wenig Laub hinter dem Maserati her. Sie ist immer so sentimental.

22348753 © Hersteller Vergrößern Das erprobte Langbeinwesen auf dem Beifahrersitz wandert mit mildem Erstaunen durch die Preisliste des Maserati Gran Turismo Sport: 129 120 Euro werden für den 2+2-Sportwagen Modena verlangt

Das erprobte Langbeinwesen auf dem Beifahrersitz wandert mit mildem Erstaunen durch die Preisliste des Maserati Gran Turismo Sport: 129 120 Euro werden für den 2+2-Sportwagen Modena verlangt. Dass unser Exemplar auf 158 890 Euro kam, lag vor allem am Aerodynamik- und Karbon-Paket, das allein knapp 14 000 Euro zusätzlich forderte. Da dürfen die 90 Euro für „Teppichkeder in Nero“ oder die 540 Euro für das „Trident-Logo in Kopfstützen“ als Piccolezze gelten, deren Anwesenheit man als Serienausstattung erwarten könnte. Aber wir wollen nicht kleinlich sein und tauchen ein in die Welt einer italienischen Sportlichkeit, die aus der Vergangenheit einer lässigen Perfektion im Umgang mit Technik lebt und vielleicht deshalb einen festen Rang in der mobilen Gegenwart einnimmt.

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