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Marktbetrachtung Noch nie waren Kleinwagen so attraktiv

16.03.2007 ·  Alle Welt redet übers CO2 und schimpft aufs Auto. Dabei verhalten sich Kleinwagen in dieser Hinsicht ziemlich vorbildlich. Sehr viele unterschreiten jetzt schon den Grenzwert. Allen voran der VW Polo.

Von Ute Kernbach
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Der Autokauf hat auch im CO2-geschwängerten Frühjahr 2007 sehr viel mit emotionalen und rationalen Motiven zu tun. Eines ist klar, (fast) jeder will für sein Geld ein möglichst schönes, schickes und vielleicht auch großes Auto. Wohl aber wissen wir gleichzeitig – auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen –, dass für die allermeisten Fahrten doch ein Kleinwagen genügen würde. VW macht es zurzeit auf dem Genfer Automobilsalon vor und kutschiert Gäste nicht wie gewohnt im Phaeton, sondern mit einer Flotte von 102 Polo Bluemotion.

Mehr Auto braucht man eigentlich nicht, selbst lange Strecken sind mit dem 80-PS-Motor, der den kleinen VW auf immerhin 180 km/h beschleunigen kann, keine Qual. Und mehr als 6,7 Liter auf 100 Kilometer braucht der Bluemotion auch bei vollem Leistungseinsatz nicht (Fahrtbericht am 27. März in „Technik und Motor“). Noch nie waren Kleinwagen so attraktiv.

Politiker rufen zur Mäßigung auf

Ja, kleine Autos verbrauchen in aller Regel wenig Kraftstoff, und darauf kommt es heute doch besonders an. Denn in Zeiten des Treibhauseffektes gewinnt der CO2-Ausstoß, der unmittelbar mit dem Verbrauch zusammenhängt, eine immer wichtigere Bedeutung. Obwohl der Autoverkehr nicht zu den größten Verursachern gehört, rufen immer mehr Politiker – und nicht nur Grüne – zur Mäßigung auf. Und so mancher Autofahrer fragt sich, nachdenklich geworden durch die Diskussion, ob es beim nächsten Kauf nicht eine oder vielleicht gar zwei Nummern kleiner geht.

Betrachtet man sich den Kleinwagenmarkt in Deutschland, so hat er sich im vergangenen Jahr gänzlich ohne die Mithilfe von CO2 stark vergrößert: 2006 konnte das Kraftfahrt-Bundesamt in Deutschland fast 611000 Neuzulassungen registrieren, das waren knapp zehn Prozent mehr als 2005. Rechnet man noch die 154191 Minicars hinzu, kommen die beiden unteren Fahrzeugsegmente auf einen Marktanteil von nur 22 Prozent. Kleine Autos sind also (noch) nicht die Sache der Deutschen.

VW Polo vor dem Opel Corsa

Die Neuzulassungs-Hitliste führt ganz klar der VW Polo mit 85676 Einheiten vor dem Opel Corsa, dem Ford Fiesta und dem Škoda Fabia an. Die Auswahl an Fahrzeugen ist groß: Mehr als 800 verschiedene Fahrzeugversionen werden angeboten, davon haben rund 260 einen Dieselmotor. Preislich reicht das Angebot von 9130 Euro für den Kia Picanto 1.1 LX (den man auch bei den Minicars einordnen könnte) mit 75 PS bis hin zum 23825 Euro teuren VW Polo 1.8 GTI Cup Edition mit 180 PS. PS-mäßig liegen ebenso Welten zwischen den einzelnen Modellversionen wie beim Spritverbrauch und dem CO2-Ausstoß. Mit satten 197 PS ist der Renault Clio Sport beispielsweise nicht nur der durstigste Kandidat, sondern auch derjenige mit dem größten CO2-Ausstoß. Bemerkenswert ist, dass von den rund 800 angebotenen Fahrzeugversionen nur knapp 140 Autos oder rund 17 Prozent in Sachen CO2 unter 120 g/km kommen. 70 Exemplare davon sind von deutschen Herstellern.

Die unterschiedlichen Verbrauchswerte bei Polo, Corsa und Co. stehen in unserer Tabelle im Fokus. Abgebildet sind hier die jeweiligen Normverbrauchsangaben laut Hersteller auf 100 Kilometer, ausgewiesen werden jeweils die zehn Besten mit Diesel- oder Ottomotor, wobei anzumerken ist, dass selbst die „schlechtesten“ Diesel mit den besten Benzinern mithalten können. Je nach Fahrweise und -strecke kann der tatsächliche Verbrauch bei den jeweiligen Modellen natürlich nach oben abweichen: Wie die Erfahrung zeigt, um bis zu zwei Liter auf 100 Kilometer.

Kia kommt als Einziger auf einen Normverbrauch

Bei den benzingetriebenen Kleinwagen beherrschen – mit Ausnahme von Opel mit dem Corsa – die Importeure das Feld der sparsamen Fahrzeuge. Die Nase ganz vorn bei den Sparfüchsen hat Kia mit dem Picanto 1.1 LX. Der kleine Kia kommt als Einziger auf einen Normverbrauch von weniger als fünf Liter auf 100 Kilometer. Platz 2 kann der 70-PS-Sirion von Daihatsu für sich in Anspruch nehmen. In der Benzinklasse sind die beiden Erstplazierten auch die Einzigsten mit einer CO2-Emission unter 120 g/km. Opel vertritt mit dem Corsa die deutschen Farben in der Top-Ten-Verbrauchsliste.

Das Gros der Polos und Fiestas dieser Welt liegt mit seinen Verbrauchswerten im Mittelfeld der Statistik. Am unteren Ende der Skala auf Platz 467 befindet sich der schon erwähnte Clio Sport, der mit 8,4 Liter angegeben ist. Einen um 0,5 Liter geringeren Verbrauch mit je 7,9 Liter legen die auf Rennsport getrimmten Kleinwagen Seat Ibiza 1.8 20V Cupra, Škoda Fabia 2.0 und VW Polo 1.8 GTI Cup Edition hin. Die CO2-Emissionen liegen zwischen 188 und 199 g/km.

Deutsche Hersteller mit sparsamen Aggregaten

Bei den Selbstzündern kommen auch die deutschen Hersteller mit sparsamen Aggregaten auf die vorderen Plätze. Allen vorweg besagter VW Polo 1.4 TDI Bluemotion mit einem Verbrauch von weniger als vier Litern und einem CO2-Ausstoß von lediglich 102 g/km (daher auch die Flotte mit 102 Wagen). Beachtlich: Alle Diesel-Sparfüchse in den Top Ten haben CO2-Emissionen von weniger als 120 g/km. Bei den Schlusslichtern finden wir wieder die hochmotorisierten Fahrzeuge: Leistung kostet eben Sprit. Platz 278 gebührt dem Fiat Punto 1.9 Sport. Der 130-PS-Italiener verbraucht jedoch auch nur 5,8 Liter Diesel pro 100 Kilometer, hat jedoch einen CO2-Ausstoß von 154 g/km.

Man kann es drehen und wenden wie man will, es gibt genug kleine Autos, mit denen sich die Träume der Grünen erfüllen ließen. Nur müsste der Kunde auch bereit sein, sie noch mehr zu kaufen, als er es ohnehin schon tut. Gefahren werden die Kleinen bisher, weil der Geldbeutel klein ist, nicht aus Lust am Sparen oder Freude am niedrigen CO2-Ausstoß.

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