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Luxus-Stellflächen Parkplatz im Himmel

In Singapur werden Wohnungen verkauft, bei denen die Garage nur mit einer Glasscheibe vom Wohnzimmer getrennt ist. In Glasaufzügen werden die Wagen sogar in den 29. Stock geliefert.

© KOP Group Das Auto parkt im 29. Stock. Ein- und Aussteigen müssen die Besitzer aber im Erdgeschoss

Admond Lim hat sein ganz eigenes Rezept, solvente Käufer auszumachen: „Meckert jemand beim Herausgehen, die Wohnung sei zu teuer, freuen wir uns. Dann haben wir ihn an der Angel“, sagt der Verkaufsmanager von KOP Properties in Singapur. Lim hat den exklusivsten Arbeitsplatz, den die Branche in der südostasiatischen Millionärsstadt derzeit zu bieten hat. Lim verkauft Parkplätze. An ihnen hängen Luxuswohnungen. Das Ganze verteilt über 30 Stockwerke. Deshalb heißen die Parkplätze im Wohnturm Hamilton Scotts denn auch „Sky Garages“.

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KOP hat das erste Appartement-Hochhaus in Asien gebaut, in dem die Superreichen ihre Autos direkt vor dem Wohnzimmer in schwindelerregender Höhe parken können. Zwei gläserne Außenaufzüge des Systems „Multiparker 720“ des schwäbischen Anlagenbauers Wöhr heben sie mit 2,8 Metern in der Sekunde auf das Parkdeck, das zu jeder Wohnung gehört. Dort trennt nur eine Glasscheibe das Wohnzimmer von der Doppelgarage. So kann, wer etwa im Fernsehen die Übertragung der Formel 1 schaut, den Blick immer wieder auf den eigenen Boliden schweifen lassen.

Lim trifft manche, die meckern. Denn die Luxuswohnungen haben ihren Preis: Von 9,8 Millionen Singapur-Dollar (6,26 Millionen Euro) an aufwärts kosten die Appartements mit 250 Quadratmetern, das dreistöckige Penthouse gibt es für 30 Millionen Dollar. Die beiden Stellplätze jeder Wohnung in luftiger Höhe bieten mit 5,25 Länge, 2,20 Breite und einem zugelassenen Gewicht von jeweils 2,8 Tonnen auch großen Karossen Platz. 40 Prozent des Turms sind schon verkauft.

Auto und Fahrer nehmen getrennte Fahrstühle

„Viele Chinesen und Indonesier wollen hier einziehen. Sie betrachten es auch als Vorteil, dass ihre Kinder die Schulen oder Universitäten hier besuchen können“, sagt Lim. Manche der Kunden zahlten bar. Ihnen wird es an nichts fehlen. Hamilton Scotts liegt im Zentrum der prosperierenden Hauptstadt Südostasiens. Gleitet der Wagen in die Tiefgarage, erkennt das elektronische System ihn an der Codekarte, die jedes Fahrzeug Singapurs für die Abrechnung der Maut besitzen muss. Automatisch öffnet sich das Garagentor zum Lift. Dort stellt der Fahrer seinen Ferrari, Lamborghini oder Maserati auf einem Schlitten ab, der an diejenige in einer Waschstraße erinnert.

Hier allerdings tauchen acht Strahler den Wagen in sanftes Licht, während sich die Lobby langsam verdunkelt. Aus Sicherheitsgründen muss der Besitzer sein Fahrzeug verlassen. Jedoch nur, um ein Wettrennen in der Vertikalen mit ihm aufzunehmen: Denn während die Paletten mit dem Wagen in den Lift gleiten, geht der Fahrer zum Aufzug, öffnet ihn per Fingerabdruck und fährt in seine Wohnung. Im besten Falle wird sein Auto gerade in dem Moment vor sein Wohnzimmer gefahren, in dem er durch die Tür kommt.

“Hamilton Scotts ist ein Leuchtturmprojekt für uns“, sagt Wöhr-Geschäftsführer Wolfgang Lenke. Mehr als 130 automatische Parkgaragen hat sein Unternehmen gebaut - zum Beispiel in der Donnersbergerstraße in München, wo die Fahrzeuge in mehreren Etagen in einem Betonwürfel unter der Straße abgestellt werden. „Singapur war etwas Besonderes für uns, weil der Lift so schnell und hoch sein sollte. Aufgrund der Überhöhe von mehr als 50 Metern mussten wir einen alternativen Antrieb einsetzen: Ein Zahnriemensystem, über mehrere Jahre bei uns im Haus getestet, spart 75 Prozent Gewicht einer Kettenkonstruktion. Und damit auch Energie.“

„Wir langweilen uns wirklich schnell“

Lenke betont die Chancen für Parksysteme, die in dichten Innenstädten wenig Platz brauchen. „In die Höhe zu gehen wird dabei aber eher etwas für Liebhaber bleiben. Denn eigentlich sind die Preise auf den Hochgeschossen zu teuer, um dort Automobile zu parken.“ Auf den Stellplatz heruntergebrochen, liegen die Kosten im Hamilton Scotts bei rund 30.000 Euro. Ein Parksystem in einer Tiefgarage kostet bis zu 18.000 Euro.

Für den Preis der Wohnung im Hamilton Scotts geht für den Autoliebhaber vieles, aber nicht alles: Aus Sicherheitsgründen haben die Eigentümer keine Möglichkeit, ihre Wagen auf der anderen Seite der Glaswand zu berühren - die orange Lamborghini wirken wie betäubte Reptilien in einem Terrarium. Einkaufstüten oder Koffer ausladen? Geht nicht mehr, ist das Gefährt oben angekommen. Wagenwaschen sowieso nicht. Nur eine Nottür führt von der Küche aus in ein Treppenhaus und in die Privatgarage. Um die Garagentür zu öffnen, muss der Besitzer den Concierge nach oben rufen, denn nur er kennt den Code.

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