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Los Angeles Auto Show Kein Oscar für die Amerikaner

06.12.2006 ·  Für kleinere Sensationen und international bedeutende Premieren auf der „Los Angeles Auto Show“ sorgen fast nur deutsche Marken. Einen Blick in die Zukunft haben Daimler-Chrysler und Volkswagen mit der Vorstellung der „Bluetec“-Technik gewagt.

Von Michael Kirchberger und Wolfgang Peters
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Die Los Angeles Auto Show des Jahres 2006 ist Hoffnung und Enttäuschung zugleich. Sie läßt hoffen, daß sich neben der North American International Auto-Show in Detroit eine zweite, international bedeutende Autoausstellung in den Vereinigten Staaten etablieren könnte. Aber die auf den Spätherbst verlegte Schau in Los Angeles ist noch nicht der große Aufbruch in die Zukunft dieser Messe.

Denn für kleinere Sensationen und international bedeutende Premieren sorgten fast nur deutsche Autohersteller. Die amerikanischen Marken verharrten in der Vorstellung, die Autoschau sei in erster Linie eine Verkaufsausstellung. VW nutzte die Gelegenheit, seinen künftigen Tiguan-Kompakt-SUV noch als sehr seriennahen Prototypen vorzustellen. Audi hatte die Roadster-Ausführung des neuen TT Coupés dabei, BMW verhalf dem neuen X5-Geländewagen zu seinem ersten Auftritt, Mercedes-Benz präsentierte die neue CL-Klasse. Porsche bemühte einen schönen Teil seiner reichen Renngeschichte, um die neue Targa-Version des Typs 911 zu zeigen.

Lamborghini sorgt für großes Kino

Die japanischen Marken üben sich im Studieren. Schließlich ist Los Angeles Spielplatz der Designer, in den Clubs und Bars sind sie auf der Suche nach den Strömungen der Zukunft. Bei Honda setzt man auf Sportlichkeit. Das rundliche Coupé Remix soll dank Leichtbau und seiner fließenden Form Fahrspaß bereiten, der Zweiliter-Vierzylindermotor mit mehr als 147 kW (200 PS) holt seine Leistung ähnlich wie im Honda S2000, den der Remix ablösen könnte, aus den Drehzahlen. Für das urbane Leben stellt sich Honda eher den Step-Bus vor, einen kubischen Winzling mit Mittelmotor und einem Innenraum mit Wohnstuben-Charakter. Der 22 899 Dollar kostende Suzuki XL7 ist ein um mindestens drei Handbreit in die Länge gegangener SX4, nicht gedacht für den deutschen Markt.

Los Angeles Auto Show: Kein Oscar für die Amerikaner

Die Studie Nagare von Mazda gibt einen Ausblick auf die Formensprache der Marke im Jahr 2020. Fließende Linien, abgesetzt mit sanften Kanten, sollen zeigen, daß alles in Bewegung ist. Die Muttergesellschaft Ford präsentiert einen Vorzeige-Hybrid im SUV Escape, weist aber gleichzeitig auf die Sitzbezüge des Wagens hin, die aus Recycling-Material bestehen und dadurch in der Fertigung jede Menge Wasser und Strom sparen. Der Antrieb kombiniert einen 70-kW-Elektromotor mit dem 98 kW (133 PS) starken Vierzylinder-Benziner. Die von Giorgio Giugiaros Italdesign mit Flügeltüren gestaltete und orangefarben lackierte Mustang-Studie ist da ehrlicher. Das neue SUV Edge (3,5-Liter-V6; 188 kW/265 PS) kann zu Preisen von 25.320 bis 30.700 Dollar wahlweise mit Front- oder Allradantrieb bestellt werden. Großes Kino jenseits des Kodak Theatres (Oscar!) bietet Lamborghini. Der Murcièlago LP 640 mit Glaseinsätzen auf der Haube, weißem Nappaleder im Inneren und Kofferkollektionen für den samtigen Stauraum entspringt der Gedankenwelt Versaces.

Keine Fahrt in schadstoffarme Zukunft

Aston Martin präsentiert das richtige Auto für den milden kalifornischen Winter. Der V8 Vantage debütiert als Roadster; elektrisch betrieben legt sich die schlanke Stoffhaube ganz flach über den Innenraum, wenn es doch mal regnet an der südlichen Westküste der Vereinigten Staaten. 18 Sekunden braucht es dafür, und es bewältigt die Übung bis zu 50 km/h. Der 4,3-Liter-V8 liefert 283 kW (380 PS), in fünf Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h.

Wer erwartet hatte, die amerikanischen Hersteller würden die LA-Show nutzen, um ihre Visionen und Konzepte für die Fahrt in eine schadstoffarme und verbrauchsreduzierte Zukunft nutzen, sah sich enttäuscht. Saturn stellte den SUV Vue mit Hybridantrieb vor, Ford wirbt mit einer PZEV-Version (Partial Zero Emission Vehicle) des Focus für reduzierte Abgas-Emissionen und niedrige Preise (9000 Dollar weniger als ein Toyota Prius und bei drei Stunden Fahrt weniger Kohlenwasserstoff-Ausstoß als beim Braten eines Hamburgers). Aber auch die deutschen Marken glänzten nicht gerade mit technischen Höhepunkten zur Verbrauchsreduzierung. Der Weg zu Hybridfahrzeugen, die den Modellen vor allem von Toyota/Lexus Paroli bieten könnten, ist offensichtlich steiniger als zunächst angenommen. Wohl deshalb verzichteten die deutschen Hersteller weitgehend darauf, ihren Entwicklungsstand bei den von ihnen ungeliebten Hybridmodellen zu präsentieren. BMW hatte seinen wasserstoffbetriebenen Siebener dabei.

2008 erste „Bluetec“-Modelle

Einen Wechsel auf die nahe Zukunft stellten im Vorfeld der Motor Show die beiden Konzerne Daimler-Chrysler und Volkswagen aus. Sie demonstrierten unter dem bei der Marke Mercedes-Benz zuerst geprägten Technikbegriff „Bluetec“ ihre gemeinsame Entschlossenheit, dem Dieselmotor auch im Personenwagen auf dem amerikanischen Markt zum Durchbruch zu verhelfen. Die deutsch-amerikanische Diesel-Allianz bindet Audi, Jeep, Mercedes-Benz und Volkswagen zusammen und soll im Jahr 2008 zu ersten Bluetec-Modellen führen.

Mit der dahinter steckenden Technik werden seit geraumer Zeit in Mercedes-Lastwagen die beim Diesel verstärkt anfallenden Stickoxydmengen im Abgas drastisch vermindert. Besonders großvolumige Dieselmotoren könnten davon profitieren. Mercedes-Benz wird mit entsprechend ausgerüsteten Dieselmodellen der E-, GL- und R-Klasse starten. Aus dem Chrysler-Konzern sind Jeep-Modelle vorgesehen, bei Audi der Q7, und VW will mit dem Jetta und dem Touareg TDI sowie dem Tiguan in die Bluetec-Technik einsteigen. Nicht beteiligen will sich BMW an diesem Bluetec-Konsortium. Am Rande der Autoshow war zu erfahren, daß die weiß-blaue Marke zwar an einer ähnlichen Technik arbeite, aber ihren eigenen Weg gehen werde.

Quelle: F.A.Z., 05.12.2006, Nr. 283 / Seite T1
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Jahrgang 1946, freier Autor in der Wirtschaft.

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