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Liegerad Scorpion fs Mountainbike mit drei Rädern

15.10.2009 ·  Ein Liegedreirad kann ein wundervoll schnelles, um die Kurven wetzendes Fahrzeug sein und ein vorzügliches Reiserad dazu - wie mit dem Scorpion von HP Velotechnik erlebt. Das vollgefederte Scorpion fs ist nun sogar geländetauglich.

Von Hans-Heinrich Pardey
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Es ist hier nicht bloß dahergesagt, es wurde erlitten: Ein Liegedreirad kann ein wundervoll schnelles, um die Kurven wetzendes Fahrzeug sein und ein vorzügliches Reiserad dazu - wie mit dem Scorpion von HP Velotechnik erlebt. Aber die Begeisterung endet schlagartig, wenn man mit seinem Trike etwa auf einen von Traktoren gefrästen Feldweg gerät: Links und rechts die tiefen Spurrillen, in die man mit dem Dreirad nicht recht hineinpasst, und in der Mitte der Holperstreifen des hohen Grases - da hört der Spaß auf, auch mit gefedertem Antriebsrad. Entsprechend zurückhaltend wurde deshalb zunächst die Mitteilung des Herstellers aus dem Vordertaunus aufgenommen, das vollgefederte Scorpion fs sei geländetauglich.

Schon aus prinzipiellen Gründen schien das seine Grenzen zu haben: Da, wo sich das einspurige Fahrrad durchschlängelt (oder wo man mit ihm - „Häschen hüpf“ - einfach einen Satz machen kann), sieht man sich in sesselartig sitzender Position pedalierend mit zwei gelenkten Vorderrädern und dem hinten in der Mitte zwischen beiden laufenden Antriebsrad öfter am Ausweichen gehindert. Man knallt auf Hindernisse drauf, ob Baumwurzel oder Bordstein, man rumst in Schlaglöcher hinein, auch wenn man noch so umsichtig steuert. Was sollte die Vollfederung daran Besonderes ändern können, als etwas mehr Komfort zu bieten? Diese Annahmen haben sich jedoch in einer ausführlichen Begegnung mit dem Scorpion fs als falsch erwiesen. Anders ausgedrückt: Wer meint, das Scorpion zu kennen, aber nur die lediglich hinten gefederte Variante gefahren ist, kann auf dem Modell fs meinen, ein völlig anderes Fahrzeug zu bewegen.

Was für ein Aufwand!

Die erste Besichtigung bereits ließ staunen: Was für ein Aufwand! Eine solche Vorderradaufhängung hatte als erstes europäisches Auto 1950 der britische Ford Consul, nachdem ein Jahr zuvor der Amerikaner Earl S. McPherson ein Patent auf das nach ihm benannte Federbein erhalten hatte. Am Scorpion fs hält der Querträger des Rahmens die zwei Federbeine oben, die durch einstellbare Dreieckslenker und wartungsfreie Lager von unten her mit dem Hauptrahmen verbunden sind. Darunter sitzt ein Querstabilisator, der bei Kurvenfahrt dem Einfedern des äußeren Federbeins gegenhält. Das verbessert die Kippsicherheit, denn man kann sehr wohl auch mit einem Dreirad bildschön umfallen: wenn die Fliehkräfte Fahrzeug und Fahrer - im Grenzbereich meistens ziemlich überraschend - kräftig zur Kurvenaußenseite neigen.

Die Vorderradaufhängung des Scorpion fs spart Gewicht: Weniger als 18 Kilogramm kann das faltbare Dreirad (Packmaß 1,12 × 0,83 × 0,63 Meter; durch Abnehmen der Räder weiter reduzierbar; ohne Gepäckträger beträgt die Länge 90 Zentimeter) wiegen. Das Falten im bolzengesicherten Zentralgelenk ist genauso wie die Größenanpassung - durch Ein- oder Ausschieben des Rahmenzentralrohrs - und das Tauschen und Verstellen der drei zur Wahl stehenden Sitze kein Hexenwerk. Nach Aufschrauben des Deckels der Federbeine ist auch die Anpassung der Federkennlinie in Steifigkeit und Progression sehr einfach: Man tauscht die Stahlfedern und kann außerdem Zahl und Reihenfolge von Elastomeren und Abstandshaltern variieren, um die Vorderradfederung eigenen Bedürfnissen anzupassen. Apropos Sitz: Statt des verstellbaren Schalensitzes haben wir meist den guten Seitenhalt bietenden Netzsitz mit drei Zentimeter mehr Sitzhöhe benutzt. Als Modell „ErgoMesh HS“ lässt er einen sogar elf Zentimeter höher sitzen.

Leichter und entspannter pilotieren

Höhersitzen verringert wohl die Kippstabilität, aber genau das spielt beim Scorpion fs eine weniger große Rolle. Das aufwendige Fahrwerk bügelt eben nicht nur - und zwar beeindruckend - Fahrbahnstöße aus, sondern es hält zum Beispiel beim Bremsen oder in schnellen Kurven auch die Lenkung frei von unerwünschten Krafteinflüssen. Das summiert sich zum Eindruck, dieses Scorpion-Modell (von rund 3300 Euro an) lasse sich mit seinem tadellosen Geradeauslauf auch bei höheren Geschwindigkeiten noch einmal um Klassen besser, das heißt leichter und entspannter pilotieren - auf Asphalt genauso wie auf Schotterpisten.

In einem Punkt gilt allerdings auch für das Scorpion fs, was zu allen Liegerädern zu sagen ist: So niedrig am Boden wird etwas so Schnelles von anderen Verkehrsteilnehmern nicht erwartet. Man tut gut daran, stets einzukalkulieren, dass man - Fähnchen gehisst oder nicht - auf dem Liegerad gern übersehen wird. Das passiert nicht nur im Straßenverkehr: Einmal sahen wir uns, um die Kurve eines Waldwegs kommend, plötzlich auf Gegenkurs die gesamte verfügbare Wegbreite beanspruchenden Radwanderern gegenüber. In solch einem Moment wünscht man sich die Pressluft-Hupe aus dem Zubehörkatalog von HP Velotechnik am Dreirad. Und steuert dann unerschrocken - Earl S. McPherson steh uns bei! - auf dem unbefestigten Wegrand an solchem Pulk vorbei - als säße man auf einem Mountainbike.

Bezugsquelle: www.hpvelotechnik.com

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1949, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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