http://www.faz.net/-gy9-769xx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 05.02.2013, 13:33 Uhr

Lamborghini Aventador Roadster Fehlen nur noch 357.000 Euro zum Glück

Der Lamborghini Aventador ist nun auch als Roadster zu haben. Geöffnet bis 350 km/h. Das Dach wird einfach im Kofferraum verstaut. Eine erste Probefahrt.

von
© Hersteller, F.A.Z. Fahrtbericht Lamborghini Aventador Roadster: Offen und ehrlich

Offene Autos mit zwölf Zylindern haben bei Lamborghini eine Jahrzehnte währende Tradition. Den Ersten bauten die Italiener mit dem Hang zur extrovertierten Formgebung 1968. Das war der Miura Roadster, und er wurde genau ein Mal hergestellt. Das Auto befindet sich heute im Besitz eines Schweizer Sammlers, der eine ganze Horde weiterer Lamborghini sein Eigen nennt.

Holger  Appel Folgen:

Dann war erst mal 30 Jahre lang Schluss mit dem windigen Vergnügen, es folgten Diablo und Murcielago, beide nicht gerade das, was man einen betriebswirtschaftlichen Erfolg nennt. Jetzt aber hat die Mannen von Automobili Lamborghini neuer Mut gepackt.

Ihr stärkeres von zwei Modellen, der Aventador, verkauft sich wie warme Pasta, jedenfalls gemessen an den eigenen, eher bescheidenen - Fans würden sagen, exklusiven - Maßstäben. In den ersten 49 Jahren seines Bestehens hat Lamborghini 29.000 Autos verkauft, nicht im Jahr, insgesamt.

Keine großen Sprünge

Im 50. Jahr, das im Mai mit einer größeren Feier in Italien begangen wird, gelten andere Werte. Der Aventador ist auf 15 Monate hinaus ausverkauft, der Auftragsbestand beträgt rund 1400 Autos, und mit den 2083 Aventador und Gallardo, die 2012 verkauft wurden (plus 30 Prozent), sei es sogar gelungen, Gewinn einzufahren, sagt der Vorstandsvorsitzende Stephan Winkelmann.

Wie hoch (oder niedrig) der ist, dazu sagt er nichts, und aus den Erfahrungen der vielen verlustreichen Jahre traut sich auch niemand bei dem zur VW-Tochter Audi gehörenden Hersteller, dem Stier im Wappen größere Sprünge zu erlauben.

Das Dach herausschneiden

Der Versuch, einen Geländewagen namens Urus auf die Räder zu stellen, ist jedenfalls trotz einhelliger Begeisterung über das Showcar am Widerstand in Wolfsburg gescheitert. Vielleicht wird er bis zum Jahr 2017 doch noch fertig, wenn der Hybridantrieb von VW und die (in zwei Längen geplante, Lamborghini würde die kürzere nehmen) Plattform für die Nachfolger von VW Touareg, Audi Q7 und Porsche Cayenne zur Verfügung stehen.

Aber zunächst ruht die Entwicklung. So heißt es leben mit dem vorhandenen Angebot und Derivate entwickeln. So wurde dem Aventador das Dach herausgeschnitten, was nicht ohne Eingriffe an der spektakulären Motorabdeckung hinten vonstattenging. Aber es ist den Designern und Entwicklern gelungen, Ecken und Kanten zu erhalten, und auch der Blick auf den Zwölfzylinder mit seinen 700 PS Leistung ist weiterhin möglich.

Drei Sekunden für 100 km/h

In der Mitte wird das zur Kühlung aufgestellte Glas indes durch einen Steg geteilt, der zur Erhöhung der Stabilität eingezogen ist. Nicht ohne Stolz wird verkündet, der Roadster sei auf der Rennstrecke genauso schnell wie das Coupé, mit 50 Kilogramm zusätzlichem Gewicht müssen Racer allerdings leben, der Roadster wiegt leer 1625 Kilo.

Die Fahrleistungen sind gleichwohl beeindruckend: 0 auf 100 km/h dauert drei Sekunden, bis 300 km/h vergehen 25,3 Sekunden, die Spitzengeschwindigkeit beträgt 350 km/h. Offen wie geschlossen.

Die Bremsleistung ist nicht minder beeindruckend, aus 100 km/h steht der Aventador Roadster nach nur 31 Meter. Der Normverbrauch des allradgetriebenen Supersportwagens beträgt 16 Liter, er ist in der Praxis nicht zu erreichen, sei hier der Vollständigkeit halber aber erwähnt. Immerhin gibt sich Lamborghini einige Mühe, Start-Stopp-Automatik und Zylinderabschaltung sind an Bord.

Ein Dach zum demontieren

Das Dach ist zweigeteilt in nicht ganz gleich große Hälften. Geschlossen bildet es innen in der Mitte einen Steg, der nicht stört. Hinter den Kopfstützen sorgt eine kleine Glasscheibe für Rückblick, auch wenn der selten nötig sein wird. Das Scheibchen lässt sich als Windschutz nutzen oder elektrisch nach unten fahren, dann bläst es noch stärker und, wichtiger, der Zwölfzylinder brüllt direkt ins Ohr.

Die beiden jeweils knapp sechs Kilo schweren Dachteile lassen sich nach ein wenig Übung binnen drei Minuten montieren und demontieren. Wer erinnert sich noch an die Fummelei früher? Was für ein Fortschritt.

Sitzlehnen nach vorne klappen, den dahinter versteckten Entriegelungsgriff ziehen, Dachhälfte anheben und mitsamt der beiden Stifte aus dem Scheibenrahmen ziehen. Die Hälfte vorn in den Kofferraum legen und dort in die Halterung einrasten. Fertig. Dann die Dachhälfte Nummer zwei, woraufhin die Aufnahmefähigkeit des Kofferabteils erschöpft ist. Also Prada-Tasche entweder der Beifahrerin auf ihre endlosen Beine legen oder das Dach zu Hause lassen macht sich sowieso besser in der Goethestraße oder am Ocean Drive.

Wie, das ist sexistisch? Die von Lamborghini ermittelte Geräuschmessung hat eine (fast) ernsthafte Eheanbahnungstrilogie zutage gefördert. Im geöffneten Roadster ist es bei 90 km/h so laut, als wenn sich zwei Menschen unterhalten. 180 km/h klingen wie eine Hochzeitsfeier, 300 km/h wie ein Kindergeburtstag. Ein italienischer, würden wir hinzufügen wollen. Fehlen nur noch 357.000 Euro zum Glück, 30.000 mehr als für das Coupé. Wetten, dass er sich trotzdem mehr als einmal verkauft?

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Porsche-Sportwagen Elfer statt Aktie

Keine deutsche Automarke wird so geliebt wie Porsche. Die Autos sind teuer, egal ob neu oder gebraucht. Manche Modelle taugen als Wertanlage - sofern man ein Exemplar ergattern kann. Mehr Von Boris Schmidt

15.08.2016, 11:48 Uhr | Technik-Motor
Selbstzahler-Leistungen Vorgesorgt – oder nur viel gezahlt?

Der medizinische Dienst der Krankenkassen hat Selbstzahler-Leistungen geprüft und findet: Die meisten bringen nichts. Die Ärzte wehren sich und greifen die Kassen an. Unsere Autorin hat sich die fünf Angebote angesehen, die in den Praxen am häufigsten verkauft werden. Mehr Von Denise Peikert

20.08.2016, 13:16 Uhr | Gesellschaft
BMW 320i Luxury Line Der 3er greift nach den Sternen

Beliebtester Motor für den 3er BMW ist und bleibt der 2,0-Liter Vierzylinder mit 184 PS. Wenn es etwas mehr Ausstattung sein darf: Der 320i Luxury Line im Fahrbericht. Mehr Von Boris Schmidt

14.08.2016, 14:12 Uhr | Technik-Motor
Fahrbericht Mini Cooper S Cabriolet

Erst 1992 entschloss sich Rover, dem Ur-Mini das Dach abzunehmen, 33 Jahre nach dessen Geburt. Heute fährt das neue Cabriolet in den Wind. Wir atmen tief ein. Mehr

04.08.2016, 16:01 Uhr | Technik-Motor
Rallye Deutschland Der Sieger wählt nur einmal den Notausgang

Sébastien Ogier gelingt bei der Rallye Deutschland eine fast fehlerfreie Vorstellung. Der Weltmeistertitel dürfte ihm damit kaum noch zu nehmen sein. Trotzdem gibt es einen Abschied. Mehr Von Christian Schön, Trier

21.08.2016, 18:22 Uhr | Sport

Kein kalter Kaffee

Von Boris Schmidt

Neben Schmuck, Pyjamas, Sonnenbrillen, Hausschuhen, Reisen und Mobilfunkkarten will Tchibo nun auch Oldtimer offerieren. Mehr 1 0

Hinweis
Die Redaktion