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Lamborghini Aventador Roadster Fehlen nur noch 357.000 Euro zum Glück

 ·  Der Lamborghini Aventador ist nun auch als Roadster zu haben. Geöffnet bis 350 km/h. Das Dach wird einfach im Kofferraum verstaut. Eine erste Probefahrt.

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© Hersteller, F.A.Z. Vergrößern Fahrtbericht Lamborghini Aventador Roadster: Offen und ehrlich

Offene Autos mit zwölf Zylindern haben bei Lamborghini eine Jahrzehnte währende Tradition. Den Ersten bauten die Italiener mit dem Hang zur extrovertierten Formgebung 1968. Das war der Miura Roadster, und er wurde genau ein Mal hergestellt. Das Auto befindet sich heute im Besitz eines Schweizer Sammlers, der eine ganze Horde weiterer Lamborghini sein Eigen nennt.

Dann war erst mal 30 Jahre lang Schluss mit dem windigen Vergnügen, es folgten Diablo und Murcielago, beide nicht gerade das, was man einen betriebswirtschaftlichen Erfolg nennt. Jetzt aber hat die Mannen von Automobili Lamborghini neuer Mut gepackt.

Ihr stärkeres von zwei Modellen, der Aventador, verkauft sich wie warme Pasta, jedenfalls gemessen an den eigenen, eher bescheidenen - Fans würden sagen, exklusiven - Maßstäben. In den ersten 49 Jahren seines Bestehens hat Lamborghini 29.000 Autos verkauft, nicht im Jahr, insgesamt.

Keine großen Sprünge

Im 50. Jahr, das im Mai mit einer größeren Feier in Italien begangen wird, gelten andere Werte. Der Aventador ist auf 15 Monate hinaus ausverkauft, der Auftragsbestand beträgt rund 1400 Autos, und mit den 2083 Aventador und Gallardo, die 2012 verkauft wurden (plus 30 Prozent), sei es sogar gelungen, Gewinn einzufahren, sagt der Vorstandsvorsitzende Stephan Winkelmann.

Wie hoch (oder niedrig) der ist, dazu sagt er nichts, und aus den Erfahrungen der vielen verlustreichen Jahre traut sich auch niemand bei dem zur VW-Tochter Audi gehörenden Hersteller, dem Stier im Wappen größere Sprünge zu erlauben.

Das Dach herausschneiden

Der Versuch, einen Geländewagen namens Urus auf die Räder zu stellen, ist jedenfalls trotz einhelliger Begeisterung über das Showcar am Widerstand in Wolfsburg gescheitert. Vielleicht wird er bis zum Jahr 2017 doch noch fertig, wenn der Hybridantrieb von VW und die (in zwei Längen geplante, Lamborghini würde die kürzere nehmen) Plattform für die Nachfolger von VW Touareg, Audi Q7 und Porsche Cayenne zur Verfügung stehen.

Aber zunächst ruht die Entwicklung. So heißt es leben mit dem vorhandenen Angebot und Derivate entwickeln. So wurde dem Aventador das Dach herausgeschnitten, was nicht ohne Eingriffe an der spektakulären Motorabdeckung hinten vonstattenging. Aber es ist den Designern und Entwicklern gelungen, Ecken und Kanten zu erhalten, und auch der Blick auf den Zwölfzylinder mit seinen 700 PS Leistung ist weiterhin möglich.

Drei Sekunden für 100 km/h

In der Mitte wird das zur Kühlung aufgestellte Glas indes durch einen Steg geteilt, der zur Erhöhung der Stabilität eingezogen ist. Nicht ohne Stolz wird verkündet, der Roadster sei auf der Rennstrecke genauso schnell wie das Coupé, mit 50 Kilogramm zusätzlichem Gewicht müssen Racer allerdings leben, der Roadster wiegt leer 1625 Kilo.

Die Fahrleistungen sind gleichwohl beeindruckend: 0 auf 100 km/h dauert drei Sekunden, bis 300 km/h vergehen 25,3 Sekunden, die Spitzengeschwindigkeit beträgt 350 km/h. Offen wie geschlossen.

Die Bremsleistung ist nicht minder beeindruckend, aus 100 km/h steht der Aventador Roadster nach nur 31 Meter. Der Normverbrauch des allradgetriebenen Supersportwagens beträgt 16 Liter, er ist in der Praxis nicht zu erreichen, sei hier der Vollständigkeit halber aber erwähnt. Immerhin gibt sich Lamborghini einige Mühe, Start-Stopp-Automatik und Zylinderabschaltung sind an Bord.

Ein Dach zum demontieren

Das Dach ist zweigeteilt in nicht ganz gleich große Hälften. Geschlossen bildet es innen in der Mitte einen Steg, der nicht stört. Hinter den Kopfstützen sorgt eine kleine Glasscheibe für Rückblick, auch wenn der selten nötig sein wird. Das Scheibchen lässt sich als Windschutz nutzen oder elektrisch nach unten fahren, dann bläst es noch stärker und, wichtiger, der Zwölfzylinder brüllt direkt ins Ohr.

Die beiden jeweils knapp sechs Kilo schweren Dachteile lassen sich nach ein wenig Übung binnen drei Minuten montieren und demontieren. Wer erinnert sich noch an die Fummelei früher? Was für ein Fortschritt.

Sitzlehnen nach vorne klappen, den dahinter versteckten Entriegelungsgriff ziehen, Dachhälfte anheben und mitsamt der beiden Stifte aus dem Scheibenrahmen ziehen. Die Hälfte vorn in den Kofferraum legen und dort in die Halterung einrasten. Fertig. Dann die Dachhälfte Nummer zwei, woraufhin die Aufnahmefähigkeit des Kofferabteils erschöpft ist. Also Prada-Tasche entweder der Beifahrerin auf ihre endlosen Beine legen oder das Dach zu Hause lassen macht sich sowieso besser in der Goethestraße oder am Ocean Drive.

Wie, das ist sexistisch? Die von Lamborghini ermittelte Geräuschmessung hat eine (fast) ernsthafte Eheanbahnungstrilogie zutage gefördert. Im geöffneten Roadster ist es bei 90 km/h so laut, als wenn sich zwei Menschen unterhalten. 180 km/h klingen wie eine Hochzeitsfeier, 300 km/h wie ein Kindergeburtstag. Ein italienischer, würden wir hinzufügen wollen. Fehlen nur noch 357.000 Euro zum Glück, 30.000 mehr als für das Coupé. Wetten, dass er sich trotzdem mehr als einmal verkauft?

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (13)

05.02.2013, 13:33 Uhr

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