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KTM 990 SMT Ein bisschen Ernst muss sein

 ·  Die Touren-Supermoto KTM 990 SMT ist ein Funbike mit erweitertem Spektrum und höherem Nutzwert, dem man für Alltag und verlängerten Ausflug eine Portion Ernst mitgegeben hat. Aber im Vordergrund steht der Spaß.

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Unverwechselbarkeit ist von hohem Wert im Wettstreit der Marken. Der Motorradhersteller KTM hat es dabei weit gebracht. Kein anderer folgt mit solcher Geradlinigkeit einer ganz bestimmten Design-Handschrift. Für Kraft und Klang sind Ein- und Zweizylinder mit ausgeprägtem Charakter zuständig, die nicht gerade zimperlich zu Werke gehen. Gemächliches Gezuckel ist ihre Sache nicht, das Hausmotto „Ready to Race“ ist immer ziemlich wörtlich zu nehmen. Hat man es mit einer KTM zu tun, wird's knackig. Man sieht, fühlt, hört es auf Anhieb. Legte man die Zunge auf den Tank, würde man es wahrscheinlich auch schmecken.

Mit dieser Strategie fahren die Österreicher gut. Sie zählen zu jenen, die momentan ihre Marktanteile ausbauen. In Deutschland haben sie im Laufe dieses Jahres um 23 Prozent zugelegt. Das Modell, welches am besten geht, ist die 990 SMT, ein sehr spezielles Gerät, wie es nur von KTM kommen kann. Es ist seit neuestem mit ABS-Bremssystem - sportlich abgestimmt, versteht sich - ausgestattet, was ihm auf dem hiesigen Markt den entscheidenden Schub gegeben zu haben scheint.

Die grobschlächtigen Alubehälter scheppern

SMT steht für Supermoto und Travel. Um eine Verknüpfung dieser Gegensätzlichkeiten herbeizuführen, braucht es Mut und Marktgespür. Beides haben sie in Mattighofen. Eine langbeinige, magere Supermoto zählt zum Agilsten, was man auf die Straße schickt, von einer in der Regel gewichtigen Reisemaschine hingegen verlangt man Transportkapazitäten, Wetterschutz, sturen Geradeauslauf, Komfort, so dass die Kreuzung von all dem als verwegenes Vorhaben bezeichnet werden darf. Dass es KTM bei diesem Projekt nicht um die Pflege der Gemütlichkeit ging, war vorherzusehen. Dass es schließlich dermaßen viel Spaß macht, aber nicht.

In Schwarz erinnert die kantige SMT an einen Tarnkappenjäger. Mit montiertem Koffersatz dagegen - ein Zubehör für rund 840 Euro - macht sie ein bisschen auf Kradmelder. Die grobschlächtigen Alubehälter haben wir deshalb gleich entfernt und samt Halterungen in einer hinteren Ecke der Garage versteckt. Sie mögen praktisch sein, tun dem Anblick der KTM jedoch nicht gut. Beim Auf- und Absteigen stößt man sich daran, sie scheppern an ihren Aufhängungen und haben widerspenstige Schlösser.

Famose Sitzposition

Vom Moment an, in dem die klobigen Kästen in der Garage verschwunden waren, war ein großes Einvernehmen zwischen Fahrer und SMT hergestellt. Sie empfängt ihn mit einer breiten, perfekt in den Händen liegenden Lenkstange, einer nicht zu straffen Bank, die angenehmer ist als die verhärteten Balken reinrassiger Supermoto-Knochen, Fußrasten in moderater Höhe, die trotzdem reichlich Schräglagenfreiheit gewähren. Leute unter einsfünfundsiebzig könnte die Sitzhöhe von 855 Millimeter abschrecken. Ansonsten ergibt sich eine famose Sitzposition, aufrecht und entspannt, dabei aktiv und mit feinfühligem Kontakt zur Maschine.

Das Fahren ist von einem Gefühl der Leichtigkeit, der Handlichkeit und des präzisen Befolgens jeder Andeutung eines Kommandos geprägt, wie man es selten erlebt. Wie die KTM eine Kurve angeht, gern unter vergleichsweise spätem Einsatz der exzellenten Bremsen, die Sache durchzieht und dabei in sehr klarer Sprache über die Frage der Bodenhaftung informiert, das ist phänomenal. Sie gibt sich weder störrisch noch voreilig, sondern einfach nur stabil und neutral.

Eine echte KTM

So lässt sich das Temperament des feurigen V-Twins in geordnete Bahnen lenken. Überragend agiert das herzhaft knurrende wassergekühlte 999-Kubik-Triebwerk (85 kW/116 PS Nennleistung, 97 Nm Drehmoment bei 7000/min) in der Drehzahlmitte. Wer hart am Gas bleibt, kann die Stufe in der Sitzbank als Stütze des Gesäßes gut gebrauchen. Oberhalb von 8000/min nehmen die Vibrationen deutlich zu. Das spielt jedoch keine Rolle, weil man sich selten dorthin begibt. KTM hat seinen großen V2 längst auf feine Laufkultur getrimmt, wenngleich sich ein gewisses Ruckeln unterhalb von 3000/min weiterhin nicht bestreiten lässt. Man umgeht das durch rechtzeitiges Herunterschalten. Bei Schleichfahrt und Stadtverkehr hilft gelegentlich ein beruhigender Eingriff mit der Kupplung. Die Gasannahme ist schön direkt, mitunter hart.

Auf der Landstraße ist die Supermoto ein Feger ersten Ranges, im Stadtverkehr ein Quirl von höchster Durchsetzungsfähigkeit. Aber was ist mit dem T? Gepäckmitnahme ist möglich, Soziustransport ebenso, die Zuladung (gut 180 Kilo) akzeptabel, Reisetempo mit gut 160 km/h auszuhalten, sofern man einen leisen Helm hat. Der Windschild an sich hat eine durchaus erfreuliche Wirkung, ist für ganz hohe Dauergeschwindigkeiten aber doch unzureichend. Der 19-Liter-Tank erscheint angemessen, leider ist das Spritsparen nicht die größte Stärke der vollgetankt 218 Kilo wiegenden Maschine. Unsere nahm sich für 100 Kilometer 6,2 bis 7,0 Liter.

Was nun ist die 12.595 Euro kostende 990 SMT? Wir meinen: ein Funbike mit erweitertem Spektrum und höherem Nutzwert, dem man für Alltag und verlängerten Ausflug eine Portion Ernst mitgegeben hat. Doch vor allem: eine echte KTM. Unverwechselbar.

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Geboren am 10. Dezember 1959, Redaktion „Technik und Motor“

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