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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Kommentar Gnade für die allerletzten Käfer

 ·  Bayern erteilt jetzt doch Ausnahmegenehmigung

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Deutsche Beamte dürfen keinen Unterschied kennen: Auto ist Auto. Ob nun ein Lada oder ein Rolls-Royce die Zulassung in Deutschland begehrt, alle müssen sie die Vorschriften erfüllen. Auch diejenigen VW-Käfer der "Ultima Edicion" - die absolut letzten ihrer Art, gebaut in Mexiko Ende vergangenen Jahres. Auf einmal sollte dieses Symbol des Wirtschaftswunders auf deutschen Straßen nicht mehr zugelassen werden können (siehe F.A.Z. vom 24. Januar). Jetzt ist es plötzlich möglich, und das hat sicher mit dem öffentlichen Druck zu tun. RTL griff nämlich das Thema in seinem "Nachtjournal" auf, die ARD folgte mit einem Beitrag in "Fakt" und auch "stern TV" hatte seine Kameras parat. Vorgeschichte: Als die wirklich letzten 3000 Käfer bei VW in Puebla vom Band liefen, wollten 350 Kunden in Deutschland noch einen haben. Als die ersten aus Übersee eintrafen, verstanden die Behörden keinen Spaß und weigerten sich, eine sogenannte Einzelbetriebserlaubnis zu erteilen. Der neue Mexiko-Käfer reinige zwar sein Abgas und erfülle sogar die Abgasnorm EU3, nur habe er kein elektronisches Borddiagnosegerät (OBD), das den Katalysator permanent überwache. Aber genau diese technische Vorrichtung verlangt eine 1998 erlassene Abgasrichtlinie der Europaischen Union für alle Neufahrzeuge ab dem Jahr 2001. Es soll verhindert werden, daß Fahrzeuge auf den europäischen Markt kommen, bei denen ein defekter Kat erst bei der nächsten Abgasuntersuchung (AU) auffällt. Das ist durchaus löblich, denn irgendwelche Dreckschleudern sollten nicht mehr neu zugelassen werden können. Aber der TÜV Süddeutschland attestiert dem Käfer, daß er auch ohne OBD nur sauberes Abgas ausstößt. Und hinter vorgehaltener Hand hört man, daß es Hunderttausende Fahrzeuge gebe, deren OBD gar nicht funktioniere oder nicht auslesbar sei. Bisher hatte der Münchner Importeur Omnicar für seine zwischen 2001 und 2003 verkauften Käfer ohne OBD keine Zulassungsprobleme, denn das Land Hessen akzeptierte ein Gutachten des TÜV Rheinland. Nur die Bayern wollten angesichts 350 Autos nicht mitspielen. Als Omnicar an ihrem Standort München die Einzelbetriebserlaubnis beantragte, winkte schon die Bezirksregierung Oberbayern ab und das Verkehrsministerium signalisierte: Es gab für den Käfer keine Ausnahme. Auch die Hessen wollten auf einmal nicht mehr mitspielen. Pech gehabt. Omnicar saß nun auf 350 unverkauften Autos im Gesamtwert von 4,55 Millionen Euro. Und die Käufer waren sauer - nicht auf Omnicar, auf die kleinlichen Beamten. Jetzt erfolgte der Sinneswandel: Das bayerische Verkehrsministerium ließ wissen, man erteile "nach eingehender rechtlicher Prüfung" eine Ausnahmegenehmigung mit der Auflage einer jährlichen AU. Endlich dürfen die letzten 350 Käfer das deutsche Kontingent an Krabbeltieren legal erhöhen: Knapp 65000 VW sind noch zugelassen. Fast alle sind älter als 20 Jahre und haben keinen Kat.

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