12.11.2011 · Der Knaus Sky TI 650 MG auf Fiat Ducato ist ein geräumiger Begleiter für das allein reisende Paar. Von einem mageren Einsteigermodell kann keine Rede sein.
Von Monika SchrammWenn der Sky TI die neue Einsteiger-Baureihe bei den Teilintegrierten der Marke ist, dann muss man den Knaus-Mannen attestierten, dass sie ziemlich hoch eingestiegen sind. Denn der Neue rollt sehr proper heran, ist hübsch gestylt mit seinem gelungenen Übergang von Fahrerhaus zu Aufbau, dem großen Sonnendach in der knapp geschnittenen Hutze und den schicken Leuchten am Heck. Ein kleiner Hinweis auf die Positionierung des Sky sind die vorgehängten Fenster. Bei vielen teureren Wagen nicht zu haben: die praktische Serviceklappe, hinter der sämtliche Anschlüsse für Energie und Wasser versammelt sind. Die Einrichtung ist großzügig, stimmig gestaltet und hält viele Kleinigkeiten vor, über die man sich als Bewohner freut. Erster Kommentar: Die haben sich richtig was gedacht dabei.
Wir waren unterwegs mit dem Sky TI 650 MG. Sein Grundriss mit Längsbett nebst Bad im Heck, Küche in der Mitte sowie Halbdinette vorn bedient die klassische Klientel, das allein reisende Paar. Wenn es sich für einen sieben Meter langen Wagen entscheidet, heißt das schon, dass es gern viel Stauraum hat. Und der wird in Hülle und Fülle geboten, allerdings nicht in einer Fahrradgarage, die Bikes muss man huckepack nehmen. Der Innenausbau lässt keine Klagen aufkommen, die Verarbeitung ist sehr ordentlich. Möbel und Polster sind zweifarbig, deren Stoffbezug ist leider wasserempfindlich.
Die integrierte Eintrittsstufe ist mit 40 Zentimeter ein wenig zu hoch, um bequem zu sein, Kniegeschädigte sollten da Vorsorge treffen. Gewöhnen muss man sich auch an die zwei Stufen im Wagen: eine führt zur Sitzgruppe, von da geht es dann ebenerdig ins Fahrerhaus. Dessen Sitze sind drehbar, und damit man dort beim Essen nicht mit dem Mund auf Tischhöhe sitzt, wurden die Sitzkonsolen deutlich erhöht. Das wiederum hat zur Folge, dass die Fahrerhausbesatzung die Oberkante der Frontscheibe auf Augenhöhe hat, die Sonnenblende wird dann buchstäblich zum Brett vorm Kopf. Darüber haben wir uns bisher nur im Ford Transit geärgert. Zur Sitzgruppe gehört noch eine seitliche Bank auf der rechten Seite, hinter der ein Flachbildfernseher hoch fährt. Dort kann man höchstens zum Essen sitzen, weil die Banktiefe zu gering und die Lehne zu steil ist. Zum bequemen Aufenthalt taugen am besten - wie üblich - die Fahrerhaussitze, auch auf der Dinettenbank kann man es aushalten. Hier vorn ist es sehr hell, weil über dem Fahrerhaus ein riesiges Dachfenster sitzt, eine Art Markenzeichen bei den Knäusen. Und es wird auch im Winter schön warm hier, denn die Heizung sitzt im Bankkasten und nicht unterm Bett. Das finden wir prima, denn der Fußraum der Dinette ist oft fußkalt, im Schlafzimmer zu warm wird. Bei der Sky-Lösung profitiert man zudem von der Abstrahlung der Heizeinheit, außerdem sitzen die Luftausströmer gut verteilt nur knapp hinter der Wärmequelle: gute Voraussetzungen für Winterurlaub.
Beim Abwärtsgehen zur Küche übersieht man gern die kleine Stufe, die zwar ebenso wie die aufs Badniveau hinauf nachts beleuchtet werden kann, aber bei Tag sind wir doch öfter drübergestolpert. Als wir die Stufen endlich verinnerlicht hatten, mussten wir den Sky wieder abgeben. An der Küche geht es am wenigsten "einsteigermäßig" zu. In die L-förmige, schwarz marmorierte Arbeitsplatte ist links das knaustypische Kochfeld mit drei Gasflammen nebeneinander (leider nicht selbstzündend) eingelassen, rechts auf dem L sitzt das tiefste Spülbecken, das wir je in einem Wohnmobil antrafen. Das Ding ist zwar hochglänzend, aber überaus praktisch, weil so gut wie nichts verspritzt, und es hat einen bestens dosierbaren Wasserhahn. Klasse sind die Schubladen mit Selbsteinzug, der Eckschrank hat ausziehbare Körbe, hier haben wir einen Griff vermisst. Drum herum gibt es Dachkästen, eine Vitrine und offene Fächer, und der Clou ist die große Abstellfläche, die sich ergibt, wenn man die Kopfstützen der Bank abmontiert und eine furnierte Platte darüber klappt. Die Platzverhältnisse in der Pantry sind so großzügig, weil der Kühlschrank in ein raumhohes Element neben der Eingangstür ausgelagert ist.
Dahinter ist auf rund 80 Zentimeter Höhe das Doppelbett installiert, am Fußende freilich sehr stark angeschrägt, um Platz zu lassen für den Durchgang ins Bad. Damit nachts die Decke nicht wegrutscht, kann man die Ecke mit einem aus dem Bettkasten herausklappbaren Teil ergänzen. Beim ersten Hochstemmen der geteilten, sehr bequemen Matratze samt Lattenrost fiel auf, dass hier ein Feststeller fehlt. Aber ein Stab war schnell gefunden. Schließlich ist unter dem Bett ein riesiger Stauraum, und um dort zu hantieren, braucht man beide Hände. Man kommt auch von außen dran, er nimmt gigantische Mengen von Campingzubehör auf - nur eben keine Bikes.
Das Bad daneben erreicht man durch eine Rolltür, die nie im Weg steht. Hinten sitzt die Kassettentoilette, vorn in der Ecke das Waschbecken. Es sitzt viel zu tief, man kann nicht die Hände waschen, ohne dass großflächig Wasser bis zum Boden läuft und herumtropft, denn der Hahn sitzt recht weit entfernt jenseits einer Spalte. Die ergibt sich, weil der Teil der Wand mit dem Becken weggedreht und zu einer Duschkabine wird. Die ist zwar höchst geräumig und bequem, aber das ändert nichts an den ärgerlichen Umständen am Becken. Man ist ständig am Wischen. Nicht zu klagen ist über die Staumöglichkeiten und kleine Nettigkeiten im Bad. Der Sky bietet viel Stauraum, vor allem gut zugänglichen. Er war ein angenehmer Reisebegleiter, schick eingerichtet und liebevoll ausgestattet, auch was die Bestückung mit Lampen und Steckdosen angeht. Er enthält viele gute Ideen, hat aber noch Spielraum für Verbesserungen. Die wichtigste wäre für uns das Schloss an der Aufbautür. Man kann sich nämlich ruckzuck aussperren. Wenn der Bedienhebel innen nur eine Spur von der Waagrechten abweicht, was ganz schnell passieren kann, dann schnappt das Schloss beim Türzuwerfen ein und verriegelt, selbst wenn es gar nicht richtig eingerastet ist. Zum Glück hat unser Haushaltsvorstand den Schlüsselbund immer in der Tasche, aber da der Sky schon das zweite Mobil mit diesem Problem ist, sollte m al jemand dieses Schloss unter die Lupe nehmen.
Der Ducato ist ein recht angenehmer Untersatz, im Sky sammelte er mit seiner Handlichkeit und dem kleinen Wendekreis Punkte. Irritierend war im ersten Moment, dass das System uns akustisch auf die Überschreitung eines Tempolimits (bei 130 km/h) hinwies. Nachforschungen ergaben, dass das wegen der Sat-Antenne auf dem Dach programmiert worden war, die vertrage nicht mehr. Um das nervige Gepiepse zu vermeiden, fügten wir uns und kamen, da auch der Tacho noch erheblich vorging, auf einen sehr akzeptablen Verbrauchsdurchschnitt.