19.04.2005 · Der zweisitzige Suzuki Twin macht Laune - nicht wegen, sondern trotz seines Hybridantriebs.
Von Daniel SchnettlerDa klappt dem Smart-Fahrer die Kinnlade herunter. Wer steht denn da in seiner exklusiven, weil winzigen Parklücke? Das unbekannte Gefährt hat Rundungen fast wie der VW Käfer, Kulleraugen schöner als die des Renault Twingo und ein Lächeln, für das es keinen Vergleich gibt. Suzuki Twin heißt der Wonneproppen, hat zwei Sitze, ist 23,5 Zentimeter länger als ein Smart, dafür ein wenig schmaler und niedriger. Das allein reicht schon für erstaunte Gesichter bei den Mitmenschen. Dabei liegt das wirklich Besondere unter der Haube neben dem Ottotriebwerk: ein Elektromotor. Der Suzuki Twin ist der einzige Klein(st)wagen mit Hybridantrieb. Verkauft wird er in Japan.
Von dem zweiten Herzen merkt der Fahrer kaum etwas. Denn der Elektromotor mit seinen 5 kW (7 PS) agiert niemals allein wie in großen Hybridwagen, die im zähen Stadtverkehr lautlos dahingleiten. Der kleine Helfer im Twin greift dem 32 kW (43 PS) starken Benziner lediglich unter die Arme, wenn der Pilot das Gaspedal durchtritt. Wieselflink spurtet der japanische Zwerg los und hinterläßt verdutzte Hintermänner an der Ampel. Seine Kraft schöpft der Elektromotor aus 16 Batterien mit zusammen 192 Volt, die im ohnehin winzigen Kofferraum eingebaut sind und diesen zu einer Hutablage schrumpfen lassen. Geladen werden die Akkus beim Ausrollen. Im Stadtverkehr, der Spielwiese des Twin, wird so die Energie beim Bremsen fürs nächste Anfahren recycelt. Suzuki gibt einen Spritverbrauch von gerade mal 2,95 Liter je 100 Kilometer an.
Kein Langstreckler
Soweit die Theorie. In der Praxis nippt der Twin aber nicht wie versprochen am 21-Liter-Tank, er säuft mitunter. Bis zu 6,7 Liter Super gingen bei zügiger Autobahnfahrt in Abgas über - bei vollbesetztem Wagen auf einer Berg-und-Tal-Bahn, der A3 zwischen Köln und Frankfurt. Zugegeben, dafür ist der Twin mit seiner Spitzengeschwindigkeit von 120 km/h nicht gebaut. Die Steigungen schleicht er mit 80 km/h hoch; bergab mit Rückenwind schafft er 140 km/h. Er ist kein Typ zum Rasen. Doch selbst bei einer gemütlichen Überlandfahrt entlang des Rheins genehmigte sich der kleine Japaner 5,1 Liter. Zu viel für so wenig umbauten Raum mit soviel High-Tech.
Dabei hätte der Twin durchaus das Zeug zum erfolgreichen Smart-Rivalen - allerdings in der reinen Benziner-Version, die in Japan parallel zum Hybridmodell verkauft wird. Denn der Elektroantrieb macht den Wagen bis zu 140 Kilogramm schwerer, mehr als doppelt so teuer und nimmt den ohnehin kleinen Kofferraum komplett in Beschlag. Umgerechnet knapp 4200 Euro kostet der Twin mit Verbrennungsmotor in der Basisversion. Suzuki gibt den Verbrauch mit 3,8 bis 4,5 Liter auf 100 Kilometer an.
Für seine Yen bekommt der japanische Kunde einen Wagen ohne Schnickschnack: Im Innenraum dominiert graues Plastik; an vielen Stellen lugt das Blech hervor. Größter Luxus sind zwei Getränkehalter in der Mittelkonsole. Wasserkisten-einladen ist mühsam, da eine Heckklappe fehlt. Einzig die Rückscheibe läßt sich öffnen. Dafür ist der Beifahrersitz komplett umklappbar. Trotz seines Zwergwuchses kommt der Twin dem Fahrer im Innern nicht annähernd so klein wie erwartet vor. Das hohe Dach und die weit nach vorn gezogene Frontscheibe sorgen für reichlich Luft. Beim Rückwärtsfahren stößt der Fahrer mit seiner Nase allerdings fast an die Heckscheibe. Der kleine Schock darüber, daß das Auto schon kurz hinter den Vordersitzen endet, ist beim Einparken oder Wenden schnell vergessen. Der Twin schafft es problemlos, in drei querstehenden Parklücken zu drehen. Einziger Wermutstropfen: Großgewachsene Europäer verknoten sich die Beine. Für Fahrer über 1,80 Meter ist der Wagen einfach nicht gebaut.
Nur für Japan
Die Chancen für den Export nach Europa stehen trotz guter Anlagen allerdings schlecht. Laut Suzuki erfüllt der Twin die strengen europäischen Sicherheitsvorschriften nicht. Die japanischen Ingenieure haben ausgerechnet, daß die notwendigen Nachbesserungen etwa so teuer und aufwendig wären wie die Konstruktion eines neuen Modells. Die Zulassung in Japan verlief zwar reibungslos, doch besonders gut verkauft sich der Wagen nicht. Gerade mal 3000 Exemplare hat Suzuki im vergangenen Jahr ausgeliefert, ein Drittel davon mit Hybridtechnik. Der Grund ist simpel: Die japanischen Kunden bestehen auch bei Kleinstwagen auf vier Sitzen. Bei der Weiterentwicklung der Hybridtechnik beschränken sich die Suzuki-Ingenieure deshalb auf die größeren Fahrzeug-Klassen. Schlechte Karten für das Gute-Laune-Auto. Den Smart-Fahrer mit seinem Parklücken-Monopol wird's freuen.