04.06.2010 · Kia sagt unverblümt, in welchem Revier die dritte Generation des Sportage zu Hause sein soll: in der Großstadt, wo sonst? Dafür kommt Kias neuer Crossover ziemlich bullig und muskulös daher. Zu einem Basispreis von 20.000 Euro.
Von Michael SpechtGeht es um modische SUV (Sport Utility Vehicles, ehemals Geländewagen), entwickeln die Marketing-Experten der Autohersteller viel Phantasie, stets auch die Offroad-Qualitäten des Modells anzupreisen - als müsste der Kunde jeden Morgen querfeldein ins Büro fahren. Kia macht sich gar nicht erst die Mühe, das für sich zu reklamieren. Der koreanische Konzern sagt unverblümt, in welchem Revier die dritte Generation des Sportage zu Hause sein soll: in der Großstadt, wo sonst?
Dafür allerdings kommt Kias neuer Crossover ziemlich bullig und muskulös daher. Chef-Designer Peter Schreyer (56 Jahre), zuvor in Lohn und Brot bei VW und Audi, verpasste dem Sportage nicht nur eine markante wie moderne Front, sondern auch eine ungewöhnliche Silhouette. Das Verhältnis von Blech zu Glas beträgt 2:1. Üblich ist so etwas allenfalls für flache Sportflitzer, nicht aber für hochbeinige Geländewagen - vom amerikanischen Hummer einmal abgesehen. Auch der gegenläufige Knick in der C-Säule verleiht dem SUV etwas Unverwechselbares. Mit seinem etwas schwülstigen Vorgänger jedenfalls hat der Neue nichts mehr zu tun.
Sitzt man hinter dem Lenkrad, fallen die niedrigen Scheiben gar nicht mehr auf. Die Übersicht leidet jedenfalls nicht darunter. Sitzposition und Raumgefühl sind gut. Auch auf der Rückbank gibt es reichlich Platz, weder Knie noch Kopf stoßen irgendwo an. „Wir haben den längsten Radstand im Segment“, unterstreicht Produkt-Manager Kenneth Hong, muss allerdings nur Mittelmaß eingestehen, wenn es um die Variabilität geht. Zwar sind 480 Liter ein guter Wert für den Kofferraum, auch das maximale Volumen von 1353 Liter und die Fächer unterm Ladeboden gehen in Ordnung. Doch lassen sich weder die Rücksitzlehnen komplett in die Waagerechte bringen, noch bietet Kia dem Kunden eine verschiebbare Rücksitzbank oder eine umlegbare Beifahrerlehne an. Das lange Ikea-Regal bringt man also im Notfall nicht trocken nach Hause.
Die Materialien wirken hochwertig
Gegenüber dem Vorgänger wesentlich verbessert wurde das Cockpit. Die Materialien wirken hochwertig, billiges Plastik findet sich nicht mehr, und die Verarbeitung ist ordentlich. Zumindest hinterließen diesen Eindruck die ersten Vorserienmodelle, die Kia im Entwicklungszentrum Namyang für eine erste Probefahrt zur Verfügung stellte.
Besonders gut gefiel der Zweiliter-Diesel in Verbindung mit einer Sechsgang-Automatik. Der 100 kW (136 PS) starke Selbstzünder ist laufruhig und zieht schon ab 1800 Umdrehungen in der Minute munter los. Als Normverbrauch gibt Kia 5,5 Liter auf 100 Kilometer an. Wählt man den optionalen Allradantrieb, sind es 0,2 Liter mehr. Auch mit dem Zweiliter-Benziner (120 kW/163 PS) zeigte sich der Sportage harmonisch motorisiert. Diese Variante dürfte jedoch im Programm von Kia eher die Außenseiterrolle spielen, denn es steht ein komplett neu entwickelter Benziner mit 1,6 Liter Hubraum und ebenfalls 100 kW ins Haus, der ein halbes Jahr nach Markteinführung (6. August) folgen soll. Er wird dann Kias erster Benzindirekteinspritzer. Zeitgleich wird es auch einen kleinen Diesel geben.
Beide Motoren kommen mit Start-Stopp-Technik
Der in Rüsselsheim (Kia R&D Center) konzipierte Selbstzünder leistet 85 kW (115 PS) und soll den imageträchtigen CO2-Wert von 120 g/km schaffen, was einem Normverbrauch von 4,5 Liter entspräche. Beide Motoren kommen mit Start-Stopp-Technik und manuellem Sechsganggetriebe. Auch die Schwester-Marke Hyundai greift auf sie zurück.
Mit 4,44 Meter Länge fährt der Kia Sportage in der beliebten Klasse der kompakten SUV. Honda CR-V, Nissan Qashqai, Toyota RAV 4 oder VW Tiguan heißen die Konkurrenten, nicht zu vergessen der technisch weitgehend identische Hyundai ix35, der schon auf den Straßen ist. Beide SUV werden im Werk Zilina in der Slowakei gefertigt. Wie bisher bietet Kia den Sportage in den Ausstattungslinien Attract, Vision und Spirit an. Der Basispreis soll bei 20 000 Euro liegen, inklusive Klimaanlage, Radio, elektrischen Fensterhebern und Zentralverriegelung.
In den Genuss einer aufgeräumten Mittelkonsole kommen europäische Sportage-Kunden allerdings nicht. Dort, wo sich bei asiatischen und amerikanischen Modellen praktische Ablagen befinden, dominiert bei uns noch immer der traditionelle Handbremshebel. „In Europa werden vorwiegend Handschalter gefahren“, sagt Hyoung-Keun Lee, Präsident der Kia Motors Corporation, „und wir möchten dem Kunden vier Pedale im Fußraum ersparen.“
Umweltschutz: Vorbildliche Start-Stopp Automatik
Karsten Krug (kkrug)
- 04.06.2010, 10:45 Uhr