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Kanus, Kajaks, Paddelboote & Co. Segeln, wenn du kannst, sonst paddeln

18.07.2010 ·  „Wasserwandern ist eine Schinderei“, fand Herbert Rittlinger, der „Dichter im Faltboot“. Und der sollte es ja eigentlich wissen. Dagegen muss man es sich mit Kanus und Kajaks nicht unnötig schwer machen, sondern kann in Frieden und Harmonie die vorüberziehende Landschaft genießen.

Von Hans-Heinrich Pardey
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Sechzig Jahre nach der Drucklegung ist es noch immer ein lesenswertes Standardwerk: Rittlingers „Die neue Schule des Kanusports“. Gleich zweimal steht auf der leicht vergilbten Seite 18 des antiquarischen Leinenbands diese These von der Schinderei. Natürlich reine Provokation! Die folgenden vierhundert Seiten sind ganz überwiegend den Schönheiten des Wassersports mit kleinen Booten gewidmet, nachdem erst einmal flott alle Einwände dagegen abgearbeitet sind.

Aber irgendwie ist schon ein bisschen was dran. Dass es vom Umtragen der nicht schiffbaren Hindernisse bis zum Kentern mit Mann und Maus und Kameraausrüstung allerlei Misshelligkeiten schon damals gab und bis heute gibt, bleibt unbestreitbar. Dabei ist doch so vieles wesentlich bequemer, weniger mühevoll und weniger abenteuerlich geworden. Das in einem Stück aus Kunststoff geblasene Boot auf dem eigenen Auto hat das „zerlegbare Boot im Rucksack“ auf breiter Front abgelöst. Als „schönen Reklamewahn“ hatte die bis heute herumgeisternde Vorstellung der ehrliche Sachse bereits enttarnt, als es noch üblich war, mit Bootswagen, Zelt, Kochgeschirr und Faltboot-Packsäcken in die Bahn zu klettern. Wer das heute noch tut, statt allen Paddelkram in die Staukästen des Wohnmobils mit Dusche, Doppelbett und Sat-Antenne zu schieben, der ist Minderheit in der Minderheit. So ähnlich wie Sonderlinge, die den Schirm als Treibsegel aufspannen, statt einen Alumast aufzurichten und slupgetakelt aufzukreuzen. Wird nicht schon dem Paddler Hybridtechnik angedient? Solarzellen, von Hand dem Sonnenstand nachführbar aufs Deck montiert, lassen das Klepper-Faltboot wie einen Flugzeugträger aussehen, und hinten am Ruderblatt sorgt ein Propeller für Vortrieb.

Eins mit der Natur

„Segeln, wenn du kannst, und wenn nicht, dann eben paddeln“: Diese Maxime stand nicht am Anfang der Erfolgsgeschichte von den kleinen Booten, die in Fahrtrichtung blickend vorangetrieben werden. Wohl aber war die (Wieder-) Entdeckung des Kanus, wozu auch der Kajak zählt, von dem Wunsch beflügelt, es sich nicht unnötig schwer zu machen, sondern zu genießen.

Paddeln war ja ein sportliches Vergnügen, nicht eine Lebensnotwendigkeit wie das Lastenkanu der Indianer und der Trapper oder die Robbenjagd der Inuit mit dem Kajak. Man fuhr die Flüsse hinab, nicht hinauf. Man gleitet leise über den See und sonnt sich beim „Binsenbummeln“. Man tobt im Wildwasser herum, um durch die Stromschnelle weiterzuwandern oder bloß um mit der Wasserkraft spielend Pirouetten zu drehen. Man erlebt in Frieden und Harmonie die vorüberziehende Landschaft, man fühlt sich eins mit der Natur.

Verführerische e-Mobilität

Dass dann doch irgendwann stinkende, krakeelende Außenborder ans Faltboot geklemmt wurden, blieb eigentlich eine Verirrung. Es hat sich auch nie so richtig durchgesetzt, denn nicht nur Puristen sind der Meinung: Die Störung überwiegt. Zum Kanu passen ein paar Quadratmeter Segel und allenfalls ein kleiner Besan, aber kein tuckernder Quirl.

Darum ist die abgesehen von den Solarmodulen unauffällige e-Mobilität so verführerisch: Anschub aus dem Akkublock, man sieht nichts, man hört kaum etwas. Mit noch mehr ingenieursmäßigem Hirnschmalz und etwas Elektronik ließe sich so etwas kreieren wie das Pedelec: Elektrische Unterstützung nur für den mitpaddelnden Kapitän.

Die Sache hat bloß den einen Haken, den sie schon anno Rittlinger hatte, der vom Hybridfaltboot noch nichts ahnte. Wenn wieder mal doch getragen werden muss, bevor man fahren kann: Meine Güte, die Akkus und der Motor wiegen, was für eine Schinderei!

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