Home
http://www.faz.net/-gya-6k201
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Samstag, 11. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kampf um den Elektro-Sieg Beim Sparen gibt es keine Gnade

19.07.2010 ·  In einem harten Sparwettbewerb kämpfen in den Vereinigten Staaten Elektro-Autos, Hybride und Leichtbau-Studien um den Sieg. Es winken 10 Millionen Dollar Preisgeld. Deutsche und Schweizer Mannschaften sind im Finale.

Von Rainer Klose
Artikel Bilder (4) Lesermeinungen (0)

Am Montagmorgen quietschen die Reifen. Vollbremsung aus 100 km/h. Mit rauchenden Pneus kommt der Aptera zum Stehen - ein futuristisches Elektromobil, das aussieht wie eine flügellose Cessna. Der Fahrer wischt sich den Schweiß von der Stirn. Willkommen auf dem Michigan International Speedway, eine Schlachtbank für Ökoträume. Zehn Millionen Dollar Preisgeld hat die X-Prize Foundation ausgelobt für den, der hier ein Auto präsentiert, das weniger als 2,35 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. In den Vereinigten Staaten wird aus der krummen Literzahl eine magische Marke: 100 mpg - 100 Miles per Gallon. Das ist das Ziel. Der Preis ist dreigeteilt: 5 Millionen Dollar erhält der Konstrukteur eines Viersitzers; je 2,5 Millionen die Konstrukteure des besten Zweisitzers (Sitze nebeneinander) und des besten Tandemfahrzeugs (Sitze hintereinander).

Nach einer Vorausscheidung, die im Mai stattfand, versammeln sich an diesem Montag, dem 21. Juni, die Teams zum Halbfinale auf dem Michigan International Speedway, anderthalb Autostunden südwestlich von Detroit. Auf dem Oval, auf dem sonst Nascar-Rennwagen röhren, werden nun eine Woche lang fragile Elektromobile surren, Magermixmotoren ihr dünnes Stimmchen erheben, Hybridautos ihre Batterien leeren. Mit Fahrradspeichenrädern und Solarmodulen hat dieser Wettbewerb jedoch nichts zu tun.

Gefordert sind echte Autos: Sie müssen zwei Sitze haben und ein festes Dach, das bei Überschlägen schützt. In weniger als 18 Sekunden muss jeder Proband von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Ein Elchtest muss mit Tempo 80 bestanden werden. Und, wie gesagt, der Verbrauch darf 2,35 Liter für 100 Kilometer nicht übersteigen. Stop-and-go-Verkehr und Autobahnetappen eingerechnet. Millionenteure Einzelstücke? Sind nicht erlaubt. Das Siegerauto muss in einer Auflage von 10 000 Stück im Jahr produziert werden können.

Tango trägt seine Bleibatterien im Unterboden

Die Amerikaner sind hier in der Mehrheit: Zwei Start-up-Unternehmen aus Kalifornien sind dabei (Aptera und Zap), dazu Tango Commuter Cars, die ihren 1,5 Tonnen schweren Zweisitzer bereits an George Clooney verkaufen konnte. Der hohe, schmale Tango trägt seine Bleibatterien im Unterboden, um nicht umzukippen. Aus Virginia kommt das Team Edison 2: Der Immobilienmagnat Oliver Kuttner, ein gebürtiger Münchner, bringt Erfahrung aus dem Rennsport mit und hat gleich vier Autos ins Rennen geschickt. Aus dem Mittelwesten kommen die Bastlerteams: EVX aus Texas hat einen Smart mit Batterien ausgerüstet, BITW aus Indiana einen Diesel-Rasentraktormotor in einen kleinen Chevy gepflanzt. Enginer aus Michigan fährt Toyota Prius mit einem mysteriösen Dampfantrieb, und American Hy Power aus Colorado öffnet nie die Motorhaube. Mit einer streng geheimen Konstruktion werde im Motor Wasserstoff erzeugt. "Wir holen mehr Leistung raus, als wir reinstecken", behauptet Kristen V. Cahill, der Teamchef. Unglaublich.

Auch Europa ist auf dem Speedway vertreten: Aus Deutschland kommt ein Prototyp mit dem merkwürdigen Namen "TW4XP" - Three-Wheeler for X-Prize. Er sieht dem Twike sehr ähnlich, einem Pedal- und batteriegetriebenen Liegerad mit Vollverkleidung, das das Unternehmen Fine-Mobile in Rosenthal bei Marburg seit 2002 für Öko-Enthusiasten baut. Der TW4XP mit 15-kW-Motor ist grösser, komfortabler, besser lenkbar und schneller als das Twike. Martin Möscheid, der Chef, will mit seinem Prototyp weit vorn landen und Investoren finden. "Wir müssen Geld auftreiben, sonst können wir das Ding nie bauen", sagt er.

Die elektrische Variante heißt „X-Tracer“

Die Schweiz ist mit dem Unternehmen Peraves aus Winterthur vertreten, das kuriose, gekapselte Motorräder mit einziehbarem Stützfahrwerk anbietet. Das Ur-Modell namens "Eco" wurde einst vom Swissair-Piloten Arnold Wagner konstruiert und von 1989 an verkauft; seit 2007 ist das Nachfolgemodell Monotracer auf dem Markt. Roger Riedener, der heutige Unternehmenschef, hat zwei davon elektrifiziert: In einem Modell steckt ein Schweizer Brusa-Motor mit 100 kW; das andere ist mit einer 150-kW-Maschine von AC Propulsion ausgerüstet - der gleiche Antrieb steckt auch im Mini E. Damit schafft das Schweizer Kabinen-Zweirad 240 km/h und bestritt die bisherigen Tests mit einem Verbrauch von umgerechnet 1,3 Liter für 100 Kilometer. Die elektrische Variante heißt "X-Tracer" und soll 2011 in Serie gehen.

Zunächst sind drei Tests angesetzt: Ein Stadtzyklus muss gefahren werden, in dem 48 Mal auf 25 Kilometer bis zum Stillstand gebremst werden muss. Große Schilder auf dem Oval schreiben jede Geschwindigkeit und jeden Stopp vor. Schummeln geht nicht - jeder Teilnehmer hat eine Blackbox an Bord, die mit GPS Geschwindigkeit, Position und Verbrauch an die Zentrale meldet. Nach dem Stadtzyklus folgt ein etwas schnellerer Vorstadt-Zyklus und eine Autobahn-Fahrt (145 Kilometer mit einem Durchschnitt von 72 km/h).

Fester Gitterrohrrahmen und leichte Blechhaut

Am Ende der Testwoche sind das X-Tracer-Team und der TW4XP noch dabei. Doch viele haben aufgeben müssen. So etwa Illuminati Motor Works: Die lustige, fein-ironische Truppe aus Chicago hat einen gewaltigen silbernen Viersitzer mit langer Schwanzflosse entworfen. "Seven" heißt das elektrische Vehikel. Das Lenkrad ist aus Holz; die Frontscheinwerfer stammen von einem 1939er-Ford. Ein Beschleunigungstest zerstört alle Träume: Der Elektromotor ist zu kräftig für das Schaltgetriebe, es bleibt im dritten Gang hängen. Enttäuscht fahren die Illuminati nach Hause.

Damit hat in der Viersitzerkategorie nur noch Oliver Kuttner mit Edison 2 Chancen auf den Titel. Kuttners Ingenieure haben einen festen Gitterrohrrahmen konstruiert und eine leichte Blechhaut darüber gelegt. Kein Hybridantrieb - das wiegt zu viel. Stattdessen fährt der Edison mit einem 250-Kubikzentimeter-Einzylinder mit Turboaufladung und tankt ein Methanol-Benzin-Gemisch. Der beste Edison erreicht 101 Miles per Gallon. Das könnte knapp reichen. Im Rennen sind auch noch der Spira, ein Insassenschützendes Billigvehikel aus Thailand, ganz aus Schaumstoff, mit einem gewöhnlichen Motorradmotor als Antrieb. Ausgeschieden ist dagegen der FVT Evaro, ein eleganter, tiefliegender Tandem-Sitzer aus Kanada. Tolle Hybridtechnik. Aber: Abgastest nicht bestanden. Draußen ist auch das Team BITW mit dem Rasentraktormotor im Chevrolet Geo. Ferner der American Hy Power mit seinem Geheimantrieb. Er war kaum besser als der Rasentraktor. Nun warten alle gespannt auf das Finale im August.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Frauenparkplatz

Von Boris Schmidt

Der britische Parkhausbetreiber NCP filmte rund 2500 FahrerInnen dabei, wie sie ihr Auto in eine Lücke manövrierten. Ergebnis: Frauen finden schneller einen Parkplatz. Mehr