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Jeep Grand Cherokee Amerika auf die lässige Art

 ·  Der Jeep Grand Cherokee hält mühelos mit der europäischen Konkurrenz mit. Und er schürt die Sehnsucht nach der großen Weite.

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So ganz unwichtig ist Europa den Amerikanern offensichtlich nicht. Warum sonst sollte Jeep, die Geländewagensparte von Chrysler, das Spitzenmodell Grand Cherokee mit einem Dieselmotor in gleich zwei Leistungsstufen bestücken, wo doch der Automarkt in der Alten Welt erhebliche Schwächen zeigt? Denn Geländewagen oder SUV verkaufen sich mit einem Benziner bei uns nur mäßig. Der Verbrauchsvorteil des Selbstzünders kommt in kaum einer anderen Klasse so ausgeprägt zur Geltung. Und da wäre noch Fiat als neuer Herr im Haus in Auburn Hills, dem Stammsitz vom Chrysler. Die Italiener haben in den eigenen Reihen nichts Vergleichbares vorzuweisen, da ist es schon eine Sache des Prestiges, den Bestsellern Mercedes-Benz ML, BMW X5 und VW Touareg etwas Ebenbürtiges aus dem Portfolio der Tochtermarke entgegenzustellen.

59800 Euro kostet der Jeep Grand Cherokee 3.0 Multijet in der feinen Overland-Ausstattung und motorisiert mit der kräftigeren Version beider Triebwerke. 177 kW (241 PS) leistet der V6, 550Newtonmeter liegen als höchstes Drehmoment bei 1800 Umdrehungen in der Minute an. Genug, um 2400 Kilogramm Leergewicht in 8,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. 202km/h Höchstgeschwindigkeit schafft der allradgetriebene Schwerathlet, kombiniert wird sein Motor grundsätzlich mit einer fünfstufigen Automatik.

782 Liter Kofferraumvolumen

Mit massigen Formen, eher breit- als hochbeinig, steht der Grand Cherokee nach seiner Neuauflage im vorigen Jahr auf den 20 Zoll großen Rädern. Die niedrige Fensterhöhe und gerade verlaufende Linien geben ihm die Spur von Solidität und Dynamik, die ein SUV attraktiv macht. Der Innenraum hat nahezu alle Schrulligkeiten vergangener Jeep-Generationen abgelegt. Die Materialien sind mit Sorgfalt ausgewählt und stilsicher zusammengestellt, auch die Verarbeitung kann sich mit der in Premium-Geländewagen europäischer Provenienz messen lassen. Am wohlgeformten Lenkrad, dessen Kranz aus hölzernen und lederbezogenen Bauteilen zusammengesetzt ist, helfen Fernbedienungstasten bei der Kontrolle von Audioanlage, Telefon und Geschwindigkeitsregelung, überfrachtet ist es nicht. Auch die Instrumente sind angenehm klar.

Das Raumangebot entspricht den hohen Erwartungen in dieser Fahrzeugklasse, nirgendwo laufen die Mitfahrer Gefahr, anzuecken oder die Nähe zum Nachbarn als Einbruch in die Privatsphäre zu empfinden. Die Sitze vorne bieten elektrische Einstellmöglichkeiten und guten Seitenhalt, auch wenn die serienmäßigen Lederbezüge etwas glatt sind. Lange Strecken werden aufgrund der angenehmen, aber nicht zu weichen Polsterung mühelos überwunden. Es gibt viele Ablageflächen und Fächer, und sie befinden sich am richtigen Platz. Die Halter taugen für Getränkebecher im XL-Format. Der Kofferraum steht diesem Fassungsvermögen kaum nach. 782 Liter passen hinein, wenn die Rückbanklehnen aufrechtstehen, auf 1554 Liter wächst sein Volumen, klappt man sie nach vorne. Das geht mit einem Handgriff.

Nicht nur fürs Grobe gedacht

Der feine Jeep ist nicht nur fürs Grobe gedacht. Auf Asphalt sind seine Fahreigenschaften denen der Konkurrenten ebenbürtig, die Karosserieneigungen halten sich in Grenzen, die Bremswege ebenfalls. Und die Federung erfreut mit Sanftmut, nur kurze Wellen mag sie nicht, dann neigt der Grand Cherokee trotz seiner aufwendigen Mehrlenker-Hinterachse zu Nervosität. Windgeräusche und der kraftvolle Klang des Diesel bleiben selbst bei schneller Fahrt im Rahmen.

Auf der langen Distanz gehört der Jeep zu unseren Favoriten. Vor allem dann, wenn die Fahrt auf winterliche Bergstrecken führt. Die Bodenfreiheit von 29,3 Zentimeter vorn und 34,3 Zentimeter hinten hilft, den Rädern selbst auf tiefem Geläuf genügend Traktion zukommen zu lassen. Die üblichen Schneeverwehungen auf dem Weg zum Ski-Ressort nimmt der Grand Cherokee mit Bravour. Der Allradantrieb leitet die Kräfte ausgewogen und ganz nach Bedarf bis zu 100Prozent nur an eine Achse weiter. Eine elektronische Differentialsperre mit Schlupfbegrenzung hinten hilft beim morgendlichen Anfahren. In fünf Stufen lässt sich das 4×4-System auf die Fahrbahnbedingungen abstimmen. Anspruchsvollere Aufgaben muss der Chauffeur beim Rangieren bewältigen. Bei einem Radstand von 2,92 Meter und einer Fahrzeuglänge von 4,82 Meter wächst der Wendekreis auf fast 12 Meter. Manch eine Ecke erfordert ein Zurücksetzen, um sie zu umrunden. Immerhin ist die Karosserie übersichtlich, notfalls helfen Parkpilot und Rückfahrkamera.

Keine Start-Stopp-Automatik

Ohnehin sind eine ganze Reihe von elektronischen Helfern an Bord, die das Fahren sicherer machen sollen. Dazu zählen die Überwachung des toten Winkels, ein Bergabfahr-Assistent, die adaptive Temporegelung mit Auffahrwarnsystem, Fernlichtassistent und nicht zuletzt die schlüssellose Zugangs- und Startanlage. Für die Überwachung des Verbrauchs jedoch ist in erster Linie der Fahrer zuständig; ein oder zwei Übersetzungsstufen des Getriebes mehr würden ihm dabei ebenso helfen wie eine Start-Stopp-Automatik. 8,5 Liter Diesel je 100Kilometer verlangte der Grand Cherokee 3.0 Multijet während unserer Fahrten, wer das Gaspedal mit Ehrfurcht behandelt, kommt auch mit weniger als 7,5Liter aus. Im Strom der besonders Eiligen auf der linken Spur mitzufahren gelingt dem Jeep dank der souveränen Leistungsentfaltung mühelos. Als Tribut sind jedoch Expresszuschläge zu entrichten, schnell klettert der Konsum auf mehr als 10 Liter Diesel je 100 Kilometer. Immerhin ist es mit 93 Liter Tankinhalt möglich, dort zu tanken, wo es gerade am günstigsten ist. Der Normverbrauch liegt bei 8,3 Liter Diesel für 100Kilometer, das entspricht einer CO2-Emission von 218 g/km.

Neben der umfangreichen Ausstattung, zu der unter anderem Lederbezüge, ein Panorama-Glasschiebedach, Sitzheizungen vorn und hinten sowie eine wohlklingende Audio-Anlage gehören, sind es das Traktionsvermögen und die Reisetauglichkeit, die den Grand Cherokee mit Dieselmotor zum angenehmen Begleiter auf der langen Strecke machen. Und wer befürchtet, einen Fiat zu kaufen, kann beruhigt sein. Im aktuellen Grand Cherokee stecken mehr Bauteile aus der vergangenen Allianz mit Daimler, als die Italiener heute beisteuern.

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