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Jaguar XJ Radikaler Bruch mit traditionellem britischen Design

10.07.2009 ·  Jaguar stemmt sich mit einem völlig neuen XJ der Krise entgegen. Die Freunde der Marke dürfen sich auf ein komplett neues Auto freuen, das äußerlich alle Traditionen über Bord wirft und sich vom klassischen Three-Box-Design verabschiedet.

Von Boris Schmidt
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Die Luft ist dünner geworden im automobilen Oberhaus. Nicht nur in Deutschland zeigen die Zulassungszahlen im Segment stark nach unten. Auch Nischenmarken wie Jaguar sind von dem Rückgang betroffen. Doch mit Beginn des Jahres 2010 wird sich die seit kurzer Zeit zum indischen Tata-Konzern gehörende Traditionsmarke mit einem völlig neuen Jaguar XJ der Krise entgegenstemmen.

Die Freunde der Marke dürfen sich auf ein komplett neues Auto freuen, das äußerlich alle Traditionen über Bord wirft und sich vom klassischen Three-Box-Design verabschiedet. Die neue Oberklassen-Limousine aus Castle Bromwich kommt in „Aerospace-Architektur“ und folgt in ihren klaren Linien den Vorgaben des (obere) Mittelklasse-Modells XF. Dieser hatte im Frühjahr 2008 den ältlichen S-Type abgelöst.

Klassischer Kofferraum und keine Heckklappe

Der XJ 2010 wirkt wie ein viertüriges Coupé, der Heckabschluss ist fließend, es gibt aber sehr wohl einen klassischen Kofferraum und keine Heckklappe. Über die Front mit ihrem übergroßen Grill lässt sich prima streiten, und die vertikalen Heckleuchten, die tief in die Oberseite der hinteren Kotflügel eingezogen sind, werden auch nicht jedermanns Geschmack sein. Jaguar-Chef-Designer Ian Callum sagt aber, dass man die Design-Philosophie keineswegs verändert habe, sie sei noch die gleiche: Einfach und Pur, nur eben jetzt modern interpretiert.

Wie Giles Tylor, zweiter Mann bei den Jaguar-Couturisten, erzählt, habe man bis zum sogenannten „Design-Freeze“ mit drei verschiedenen Vorschlägen gearbeitet, einer folgte konsequenter den Vorgaben des XF (unter anderem mit horizontal angeordneten Heckleuchten), ein zweiter war im klassischen Motor-Kabine-Kofferraum-Design, und der dritte sei quasi der kommende XJ gewesen. Für den habe man sich schließlich entschieden, weil das Design bei verschiedenen Car-Kliniken (ausgewählte Kunden bekommen den Wagen gezeigt) in Amerika so gut angekommen sei.

Im Innenraum völlig anders als sein Vorgänger

Auch im Innenraum gibt sich der neue XJ völlig anders als sein Vorgänger, obwohl natürlich reichlich Holz und Leder dominieren. Alles ist mehr auf den Fahrer zugeschnitten, die Instrumente werden virtuell in TFT-Technik dargestellt, das einzige tatsächlich vorhandene Analog-Instrument ist die Zeituhr. Alle XJ haben ein Schiebe-Glasdach, das gehört zu dem neuen Konzept, den Wagen in Vollausstattung anzubieten: also zum Beispiel auch mit Xenonscheinwerfern, Kurvenlicht, Abstands-Tempomat, Luftfederung, Totwinkel-Assistent und etlichem mehr. Nicht nur deshalb muss man damit rechnen, dass der neue XJ deutlich teurer wird als der alte. Bisher ist der Einstandspreis für den XJ 2.7 Diesel 69.950 Euro. Dieser steigt auf 76.900 Euro.

Die Abmessungen bleiben fast gleich: In der Länge legt der Neuling nur um 15 Millimeter auf 5,10 Meter zu, mit 5,23 Meter hat eine weitere Version mit langem Radstand ein wahres Oberklassen-Format. Es bleibt bei einer Karosserie aus Aluminium, mit einem Gewicht von rund 1,8 Tonnen sei man um 150 bis 200 Kilo leichter als die Konkurrenz. Der Kofferraum hat ein Volumen von 520 Liter, das ist Jaguar-Rekord.

Niedrigster CO2-Ausstoß der Klasse

Die serienmäßige Automatik (sechs Stufen, von ZF) kann mit vier verschiedenen Triebwerken kombiniert werden: Der bisherige 2,7-Liter-Turbodieselmotor (V6-Zylinder) bekommt 0,3 Liter mehr Hubraum eingeschenkt und kann dann 33 Prozent mehr Drehmoment und 30 Prozent mehr Leistung (jetzt 202 kW/275 PS) bieten. Dennoch offeriere man mit dieser Maschine den niedrigsten CO2-Ausstoß der Klasse: 184g/km (7,0 Liter Normverbrauch).

Neben dem Selbstzünder sind drei Ottomotoren im Programm, dabei handelt es sich jeweils um 5-Liter-V8-Triebwerke in verschiedenen Leistungsstufen: 375 kW (510 PS), 345 kW (470 PS) und 283 kW (385 PS). Dieses „schwächste“ Triebwerk ersetzt den bisherigen 4,2-Liter-V8 und wuchtet im Vergleich 29 Prozent mehr Leistung auf die Kurbelwelle. Dass die neuen Triebwerke allesamt sparsamer als die alten sind, ist so selbstverständlich wie der klassische Hinterradantrieb. Der 470-PS-Motor wird aber in Europa nicht angeboten. Die beiden anderen Triebwerke haben einen Normverbrauch von 11,4 und 12,1 Liter Superbenzin.

2012 ein XJ mit Hybrid-Technik

Bis spätestens 2012 (Olympische Spiele in London) will man einen XJ mit Hybrid-Technik marktreif haben. Gearbeitet werde angeblich an einer Diesel-Lösung mit einem Vierzylinder-Triebwerk, das in der Lage sei, die seitens der Politik beabsichtigten Vorgaben von nur noch 90 g/km CO2-Emission für 2016 zu erfüllen.

Nach der ersten öffentlichen Präsentation in London am Donnerstag dieser Woche hat der XJ auf der IAA im September seinen nächsten großen Auftritt. Auf den Markt kommt er im Januar 2010, die Produktion im Stammwerk soll im Spätsommer anlaufen.

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