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Jaguar XF Die Katze kann auch Tandoori lieben

11.02.2009 ·  Jaguar und Tata: Zum Jahresbeginn 2009 fährt das britische Unternehmen auf der Höhe von Hightech. Doch den Freunden der Marke ist die Zugehörigkeit zum Tata-Konzern nicht ganz geheuer. Der Jaguar XF könnte die letzten Skeptiker überzeugen.

Von Wolfgang Peters
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Jaguar ist im Aufbruch. Die britische Marke wirkt seit der Trennung von Ford jünger. Vielleicht deshalb, weil sie ihre alten Werte wiederentdeckt. Zum Jahresbeginn 2009 fährt Jaguar auf der Höhe von Hightech. Neue Diesel und V8-Ottomotoren kommen mit dem besten Design der Marke seit Jahren: In den Armen des indischen Tata-Konzerns ist Jaguar dabei, die einstige Frische des Aufbegehrens gegen die deutsche Auto-Elite wieder zu gewinnen.

Gleichzeitig leidet Jaguar – wie alle anderen Autoproduzenten – unter der Wirtschaftskrise. Rund 65.000 Autos entstanden unter dem Zeichen der Katze im vergangenen Jahr. Knapp 4000 davon gingen auf den deutschen Markt. Insider wissen: Wenn diese Zahlen 2009 erreicht werden, dürfen die Briten das als Erfolg werten.

Die liebenswerte Skurrilität der einst geschätzten „Britishness“

Nach der Trennung von Ford im Sommer 2008 war die Marke kurze Zeit umflort von einer Aura des Ungewissen. Optimisten hatten gehofft, die Amerikaner könnten den Briten nicht nur mit Dollars, sondern auch mit ihren enormen Möglichkeiten der Forschung und Entwicklung unter die Arme greifen. Daraus ist nichts geworden. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die liebenswerte Skurrilität der einst geschätzten „Britishness“ drohte unter den Fittichen von Ford zu verschwinden, und die noble Isolation der Jaguar-Modelle wankte unter dem Druck der Kosten und der Notwendigkeit von Kooperationen.

Doch den Freunden der Marke ist die Zugehörigkeit zum Tata-Konzern nicht ganz geheuer. Immerhin sollte dort das billigste, richtige Auto der Welt – der Tata Nano – entstehen. Wie Jaguar in einem Umfeld des familiären Transports von Vater, Mutter, drei Kindern und zwei Säcken mit Reis und einem Topf Hähnchen in Garam masala oder mit Tandoori-Paste auf einem einzigen Motorroller gedeihen soll, gehört zu den schönsten Themen der etwas gehobeneren Stammtische am Tegernsee.

Designchef Ian Callum geht radikal und dennoch behutsam vor

Aber es gibt erste Anzeichen dafür, dass Jaguar nun womöglich zu neuer – sprich: alter – Identität zurückfinden kann. Denn Mut sollte den Managern der Katze die Visite ihres neuen Eigners machen. Ratan Tata, Chief Executive Officer der nach ihm benannten Industrie-Gruppe, nutzte die Gelegenheit seines Antrittsbesuches in der Zentrale von Jaguar und Land Rover in Gaydon/Warwickshire: Am 2. Juni des vergangenen Jahres sprach Tata vor der versammelten Führungsriege. Sinngemäß sagte der ob seiner tadellosen Umgangsformen gerühmte Konzernherr, er habe wenig Ahnung vom Autogeschäft, deshalb vertraue er voll auf das Jaguar-Management und sei sicher, das Unternehmen in den richtigen Händen zu wissen. Nun kann man sich schlecht vorstellen, dass jemals ein Jaguar-Manager in poverer Manier die Ärmel seines Savile-Row-Hemdes aufkrempeln könnte. Aber der Blick auf jüngste Veränderungen zeigt, dass die Marke wieder die Krallen ausfahren kann und gleichzeitig auf sanften Pfoten in der Oberklasse auf Kundenpirsch geht. Das liegt vor allem am (noch als neu zu bezeichnenden) Jaguar XF und seiner formalen Botschaft.

Das jüngere Jaguar-Design wird von sicher gesetzten Evolutionen und sehr grundsätzlichen Emotionen bestimmt, die Körper und Charakter der Marke neu interpretieren. Reminiszenzen an die Historie sind nicht zu übersehen, sie werden aber (künftig) nicht übertrieben. Designchef Ian Callum geht radikal und dennoch behutsam vor, er scheut keineswegs den Bruch mit Traditionen, doch erkennt er sicher, wo es um die Anwesenheit des Kerns der Marke geht. Callum kann das am besten mit dem neuen Typ XF belegen. Dieser wurde anfangs von den im Gestern verhaftet gebliebenen Jaguar-Freunden geschmäht und abgelehnt. Doch der XF führt die neue Formensprache mit den historischen Proportionen zusammen. Kein Wunder, dass der XF aus dem Stand heraus zum erfolgreichsten Jaguar der letzten zehn Jahre geworden ist. Wenn nicht überhaupt in der Markengeschichte.

Die Katzenmodelle gelten als sinnlich, luxuriös, stark motorisiert und teuer

Das gilt auch für den deutschen Markt, wo der fünfzig Jahre alte Jeffrey L. Scott die Geschäfte von Jaguar und Land Rover führt. Er blickt „mit Stolz“ auf das Verkaufsergebnis von 2008 zurück, Jaguar konnte den Absatz gegenüber 2007 um 5,2 Prozent auf 3915 Autos steigern: 1575 davon entfielen auf den XF. Scott lobt die neuen Modelle ob ihrer „Laufkultur“ und sieht in dem dennoch damit verbundenen Merkmal der hohen Leistung eine Kombination, wie sie typisch für Jaguar ist. Außerdem: „Wir bauen die schönsten Autos der Welt“, sagt Scott und verweist zudem auf handfestere Eigenschaften. Studien zur Kundenzufriedenheit mit Marke und Werkstatt hievten jüngst Jaguar in die Spitzengruppe auf dem deutschen Markt, auf Augenhöhe mit Porsche und deutlich vor den deutschen Nobelmarken positioniert. Das gilt ähnlich auch für die Qualität der Modelle. Doch Scott möchte mehr. Zwar genieße die Marke in Deutschland „eine hohe Sympathie“, aber „auf Vorstandsebene traut sich kaum einer, einen adäquaten Jaguar zu fahren“.

Eine Erklärung dafür liefert eher das Jaguar-Image als die Preisliste. Die Katzenmodelle gelten als sinnlich, luxuriös, stark motorisiert und teuer. Davon stimmt manches, aber nicht alles, besonders die Preise liegen bei näherem Hinsehen unter den Tarifen der deutschen Nobelmarken: es gibt drei Limousinen-Familien und eine Sportwagenlinie. Der X-Type wurde bei seiner Geburt mit Ford-Genen noch als Alternative zum 3er-BMW positioniert. Das ging schief, der Markt akzeptierte die kleine Limousine nicht als Jaguar, da halfen weder Allradantrieb noch starke Leistung. Jetzt hat sich der X-Type etabliert, ein kleinerer Jaguar wird wohl auch gefördert durch veränderte Nachfrageprofile, und schon für 31.500 Euro öffnet sich damit die geschmeidige Welt der Katze.

Der XF zeigt, dass Jaguar modern sein kann

Der neue XF hat den erst mit seinem Facelift im Jahr 2004 attraktiv gewordenen, pummelig gezeichneten S-Type beerbt. Und er wucherte mit diesem Erbe: Der XF zeigt, dass Jaguar modern sein kann, und jetzt bekennt sich die Marke noch deutlicher zum Diesel. Im XF debütiert der neue 3-Liter-Selbstzünder mit Biturbo-Aufladung und 275 PS und einem Drehmoment von 600 Newtonmeter. Da horcht sogar die deutsche Konkurrenz in Bayern und im Schwabenland auf. Dafür sind 54.500 Euro fällig.

Zeitgleich mit dem neuen Sechszylinder-Diesel kam der neue Otto-V8: mit 5 Liter Hubraum und Direkteinspritzung tritt die Maschine im XF und im XK Coupé und im Roadster an. Mit 385 PS (Saugmotor) und 510 PS (Kompressor) zeigt sie, wie schön die Welt sein kann, wenn sich die Jaguar-Manager auf die einstigen Werte besinnen. Ob diese freilich in fünf Jahren noch zählen, das weiß niemand.

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Jahrgang 1946, freier Autor in der Wirtschaft.

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