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Jaguar Nach 39 Jahren zum Ursprung zurück

 ·  1973 lief der letzte der legendären Jaguar-E-Type-Sportwagen vom Band. Jetzt will die britische Marke mit dem F-Type zu ihren Wurzeln zurückkehren. Und es könnte klappen. So heiß ist der kleine Jaguar schon im Stand.

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© Jaguar Vergrößern „Lebe deine Träume“, sagt Jaguar-Chefdesigner Ian Callum. Recht hat er. Nur können muss man es

Das Öl ist endlich, die Jugend surft lieber im Netz, statt mit dem Auto zur nächsten Eisdiele zu cruisen, und dazu ist die allgemeine Nachfrage nach dem Luxusgut Automobil in diesen Tagen nicht die beste. Doch das alles ficht Jaguar nicht an. Ist das Produkt nur gut genug, werden sich auch in schwächeren Zeiten genügend Käufer finden. Die Briten könnten mit ihrer Einschätzung nicht falsch liegen. Für den Sommer 2013 ist der Marktstart des F-Type terminiert, zu Preisen von 73.400 Euro an - 39 Jahre nachdem im September 1974 das „Vorgängermodell“, der E-Type, zum letzten Mal gebaut worden ist.

Vor der rotem Ampel schweigt der Bolide

Mit dem neuen, zweisitzigen Sportwagen will Jaguar nach eigener Aussage zum Kern und Ursprung seiner Markenidentität zurück. Die britische Marke setzt bei dem Roadster auf das klassische Layout, Motor vorn, Antrieb hinten, und gleich drei verschiedene Triebwerke stehen zur Wahl. Den Einstieg macht ein neuer, turbogestärkter 3,0-Liter-V6 mit 250 kW (340 PS) Leistung, der in einer zweiten Leistungsvariante sogar 279 kW (380 PS) bietet, was den Preis als „S“ auf 84900 Euro treibt. Das Spitzenmodell „V8 S“ kostet 99.900 Euro und holt dafür aus 5,0 Liter Hubraum 364 kW (495 PS). Je nach Motorisierung ist der F-Type maximal bis zu 260, 275 oder 300 km/h schnell. Da bleiben also kaum Wünsche offen, wobei die beiden V6-Zylinder mit 9,0 und 9,1 Liter Normverbrauch nicht zu sehr dem Superkraftstoff verfallen. Im V8 sind es schon 11,1 Liter, die offiziell genannt werden. Wahrscheinlich werden sich die Verbräuche in der Realität zwischen 12 (für die V6) und 15 Liter einpendeln. Positiv: Erstmals gibt es für Jaguar-Benzinmotoren ein Start-Stopp-System. Das lässt den Boliden vor der roten Ampel schweigen. Der Tank fasst 72 Liter.

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© Jaguar Vergrößern Mit dem rassigen F-Type will Jaguar dem Porsche 911 Paroli bieten

Zur Zeit hat der F-Type in Paris auf der Automobilmesse (siehe vorige Seite) Weltpremiere, dort zeigt sich das Publikum ebenso beeindruckt wie der Autor, der den kleinen Jaguar (4,47 Meter lang, somit knapp kürzer als der neue Porsche 911) vorab besichtigen und zumindest Probe sitzen konnte. Die Designsprache ist exzellent, vor allem das knackige Heck mit dem kecken Abschluss gefällt. Ein Novum bei Jaguar ist der ausfahrbare Spoiler (ab Tempo 100 km/h), er erhöht den Anpressdruck um 120Kilogramm. Reminiszenzen an den E-Type sind der mittige Doppelauspuff hinten (an den V6) oder die nach vorn öffnende Motorhaube. Das Verdeck (drei Farben zur Wahl) ist selbstverständlich aus Stoff (Zulieferer Edscha), es öffnet und schließt elektrisch, auch während der Fahrt bis 50 km/h. Jaguar hat sich viel Mühe im Detail gegeben, so sind die Türgriffe eingelassen, der Innenraum ist aufs feinste angerichtet, Experimente werden vermieden, gestartet wird per Knopf. Sonst ist das Interieur stilsicher, aber wenig zukunftsbetont, was man mögen oder nicht mögen kann.

Mögen wird jeder die Performance der Jungkatze: In weniger als 5,5 Sekunden ist jede der drei Versionen von 0 auf 100 km/h gesprintet. Der Fahrer muss sich nur ums Gas kümmern, das Schalten übernimmt eine Achtgang-Automatik von ZF, die eigens für den F-Type abgestimmt wurde. Vielleicht wird es später ein manuelles Getriebe geben, vor allem der amerikanische Markt verlange danach. Dort fahre zwar eigentlich jeder Automatik, aber ein „richtiger“ Sportwagen brauche eine Handschaltung, sei die Ansicht vieler Kunden, sagt Adrian Hallmark, Jaguar-Markendirektor. Doch darüber sei noch nicht entschieden, ebenso wie über Allradantrieb und ein optionales Hardtop.

Die Typen A oder B gab es nie

Mit zu den guten Beschleunigungswerten trägt das relativ geringe Gewicht bei. Knapp 1600 Kilogramm wiegt das Basismodell, die Karosserie ist vollständig aus Alu und steuert nur 261 Kilogramm zur Gesamtmasse bei. Der F-Type gehört zu den ganz wenigen Autos, deren Karosse vollkommen aus dem Leichtmetall besteht.

Dass es 39 Jahre gedauert hat, bis auf das E das F folgt, hat verschiedene Gründe. 1974 glaubte man, der XJS-S könne den E-Type ersetzen, später scheiterten zwei Versuche, einen neuen F-Type zu bauen, aus finanziellen Gründen. Der erste war in den 1980er Jahren, und das im Januar 2000 in Detroit präsentierte, seriennahe F-Type-Projekt (nur 4,12 Meter lang) würgte der damalige Ford-Chef Jacques Nasser schließlich ab, weil er das Geld lieber in die Entwicklung von Dieselmotoren stecken wollte.

Doch seit 2008 gehört Jaguar zu Tata aus Indien, unter den neuen Herren läuft es momentan blendend. Der Rückgriff auf die schöne C-, D-, E-Type-Tradition kommt so gesehen genau zum richtigen Zeitpunkt. Einen A- oder B-Type gab es übrigens nie. Der Namen des ersten C-Type (1951) leitete sich von Competition-Type (Wettbewerbsfahrzeug) ab. D- und E-Type folgten. Doch nur der E-Type wurde in wirklich großen Stückzahlen verkauft, die beiden anderen waren echte Rennwagen und eigentlich nicht für den Privatmarkt vorgesehen. Vom E-Type entstanden in den 14 Baujahren insgesamt 72.535 Einheiten. Ungefähr so groß ist heutzutage der jährliche Sportwagenmarkt in der Welt (vor der Krise 2008 waren es 140.000 Einheiten). Jaguar glaubt sich künftig ein großes Stück vom Kuchen abschneiden zu können. 6000 XK-Sportwagen werden zur Zeit per annum verkauft, diese Zahl will man auf jeden Fall übertreffen.

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