http://www.faz.net/-gy9-75jf4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 07.01.2013, 13:50 Uhr

Jaguar F-Type Die Sehnsucht in der Wüste

Der neue F-Type ist enorm wichtig für Jaguar. Er muss Tradition und Moderne verbinden und Stückzahlen bringen. Dafür rührt Jaguar die Marketing-Trommel so heftig wie nie.

von Stefan Thiele
© Stefan Thiele Hauptdarsteller: Der Jaguar F-Type groß im Bild. Im Hintergrund die gewaltige Kulisse und das Filmteam.

Ein Jaguar F-Type rast durch die menschenleere Atacama-Wüste in Chile. Nein, ein halbes Jahr vor seiner Markteinführung ist das keine technische Probefahrt mehr. An diesem Tag geht es um Marketing, und dafür ist kein Weg zu weit. Der feuerrote F-Type ist Teil eines aufwendig gemachten, zwölfminütigen Kinofilms, der am Ende der Welt gedreht wird. Der Streifen soll für Furore sorgen und einer der Bausteine sein, um den F-Type zum würdigen Nachfolger des legendären E-Type zu machen. Und die Vorgabe wiegt schwer. Der E-Type ist vielleicht der Jaguar überhaupt, ihn kennt jedes Kind, ihm gerecht zu werden ist die schwer lösbare Aufgabe.

Vor fast 52 Jahren, im März 1961, hatte der E-Type Premiere auf dem Genfer Automobilsalon: Muskulös, sehnig und mit einer schier nicht endenden Motorhaube präsentierte sich der neue Jaguar. Der gelernte Flugzeugingenieur Malcolm Sayer hatte aerodynamische Prinzipien für das Design des neuen Sportwagens zugrunde gelegt. Das Resultat war ein futuristisch anmutendes Fahrzeug, das hervorragend in eine Zeit allgemeiner Technikbegeisterung passte. Der E-Type war als Nachfolger des XK150 gedacht und sollte ursprünglich nur in einer Kleinserie gebaut werden. Der durchschlagende Erfolg stellte die Automobilwelt auf den Kopf. Sogar Enzo Ferrari lobte das „schönste Auto aller Zeiten“. Als die Serie im Jahre 1975 auslief, waren 72 520 Exemplare gebaut worden.

Koste es, was es wolle

Jetzt kommt der F-Type, nach 38 Jahren, und er ist zudem seit fast 20 Jahren der erste rein zweisitzige Sportwagen im Jaguar-Programm. Der XJ220 von 1992 ist nur noch Spezialisten bekannt. Der mehr als 300 km/h schnelle Supersportwagen wurde auch nur 284 Mal verkauft. Er kostetet schon damals mehr als eine Million DM. Keine Frage, der neue F-Type passt wunderbar in das aktuelle Jaguar-Produktportfolio. Für das Design zeichnet Ian Callum verantwortlich. Stilistisch nimmt er Anleihen am klassischen Vorbild, ohne jedoch der Versuchung zu erliegen, ein Retromobil zu schaffen. Vielmehr sei es die Absicht von Jaguar, ein zeitgemäßes Fahrzeug zu kreieren, das den ungestümen Geist jugendlicher Vitalität versprüht. Der Grundpreis für den F-Type liegt bei 73 400 Euro, produziert wird er im britischen Werk in Castle Bromwich.

22692151 Bei der Hitze lieber mit Dach: Der Jaguar F-Type während einer Drehpause in der Atacama-Wüste © Stefan Thiele Bilderstrecke 

Jaguar sieht den F-Type zwischen Porsche Boxster und 911 positioniert, weiß aber genau, dass man die gewünschten Fertigungs-Stückzahlen nur mit hohem Werbeaufwand und innovativen Wegen im Marketing erreichen kann. Der F-Type muss ein Erfolg werden, koste es, was es wolle. Jaguar muss jünger werden, man schielt neidisch auf den durchschlagenden Erfolg des neuen Range Rover Evoque der Schwestermarke Land Rover.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Minister in Baden-Württemberg Bonde verzichtet nach Affären-Gerüchten auf Amt

Affären-Gerüchte kosten den baden-württembergischen Landwirtschaftsminister Bonde sein Amt. Der Grünen-Politiker verzichtete auf einen Kabinettsposten, nachdem eine Parteifreundin über eine angebliche Liebesaffäre berichtet hatte. Mehr

02.05.2016, 11:40 Uhr | Politik
Fahrbericht Jaguar XE

Jaguar war schon immer etwas Besonderes. Aber: Auch Jaguar muss Geld verdienen. Und aus seiner Nische herauskommen, um in der Zukunft zu bestehen. Schafft das die neue Limousine Jaguar XE? Mehr

02.05.2016, 20:01 Uhr | Technik-Motor
Meister zweier Welten Zu Gast bei Sternekoch Jean-Claude Bourgueil

Wo Deutschlands Küche besonders ist. Heute: zu Gast im Enzo bei Jean-Claude Bourgueil – eine großartige Mischung aus italienischer Küche und französischem Küchenverständnis. Mehr Von Jürgen Dollase

25.04.2016, 16:58 Uhr | Stil
Fahrbericht Erste Probefahrt: Porsche 718 Boxster

Weniger ist manchmal mehr. Das dachte sich auch Porsche und deshalb muss der neue Boxster nur mit vier statt sechs Zylindern auskommen. Dank Turbo ist er trotzdem hinreichend motorisiert. Mehr

18.04.2016, 16:50 Uhr | Technik-Motor
Nach enttäuschenden Zahlen Warum Großinvestor Icahn bei Apple aussteigt

Ein weiteres Anzeichen, dass Apples Höhenflüge vorerst vorbei sind: Starinvestor Carl Icahn nimmt seine Gewinne mit und steigt aus. Vor allem China bereitet ihm Sorgen. Mehr

29.04.2016, 04:53 Uhr | Wirtschaft

Bitte Lesen!

Von Michael Spehr

Schalten Sie die Videos aus. Sie werden nichts vermissen und nichts verpassen. Alles Wichtige kann man lesen. Lesen Sie mehr. Es hilft. Mehr 1 10