08.04.2011 · Der Infiniti M 37 S Premium ist eine kräftige und komfortable Limousine, mit der Nissan den Platzhirschen den Kampf ansagt. Dass sie nicht frei ist von Schrullen, macht sie eher reizvoller.
Von Michael KirchbergerInfiniti ist die jüngste der japanischen Automarken und ein in Nordamerika recht erfolgreiches Tochterunternehmen von Nissan. Mit dem Anspruch auf Premiumqualität und einer opulenten Grundausstattung wendet sie sich an eine Kundschaft, die nicht bei Audi, BMW oder Mercedes andocken möchte. Diesen Weg hat schon Toyota mit Lexus gesucht, in Europa aber nur mit mäßigem Erfolg.
Die M-Baureihe von Infiniti sucht sich in der oberen Mittelklasse ihre Kunden. Sie bringt eigenwilliges Design, Komplettausstattung und das Versprechen überragenden Fahrkomforts mit. 61 850 Euro kostet die viertürige Limousine als S-Premium-Version mit einem 235 kW (320 PS) starken 3,7-Liter-V6. Daneben gibt es nur noch einen Diesel und eine Hybridvariante in der Baureihe. Die Form des knapp fünf Meter langen, hinterradgetriebenen Wagens ist opulent. Eine lange Motorhaube, flankiert von erhabenen Kotflügeln und einem fast rechteckigen Kühlergrill sind seine Erkennungszeichen. Das Dach geht coupéartig fließend ins Heck über, zwei dicke Auspuffendrohre sollen die Botschaft von Leistungsbereitschaft verkünden.
Am Volant findet der Fahrer einen maßgeschneiderten Arbeitsplatz. Lenkrad und lederbezogener Sitz lassen sich elektrisch verstellen und passend justieren. Der Blick fällt auf eine Kulisse, die sich nicht recht entscheiden mag zwischen klassischem Luxus (Edelholzintarsien, Klavierlack und Lederverkleidungen) und einem technisch-sachlichen Ambiente (Edelstahleinlagen, Chromapplikationen und Rahmen aus gebürstetem Aluminium). Die beiden Rundinstrumente im Armaturenträger werden von einer lederbezogenen Doppelwölbung überspannt, die an von Couturiers geschneiderte Mieder erinnert: 75 B, urteilt die Holde auf dem Beifahrersitz. Das Platzangebot ist üppig, auch im Fond, in den die Mitfahrer dank weit öffnender Türen mühelos gelangen. Ablagen und Fächer gibt es zur Genüge, vor allem deren samtig ausgeschlagene Böden finden Zustimmung. 500 Liter Kofferraumvolumen sind kein Rekordwert in der Klasse, aber keineswegs zu knapp. Unter der soliden Bodenplatte steckt statt des Reserverads ein Reifendichtmittel samt Kompressor. Auf Wunsch gibt es ein Notrad, es gehört wie die Metallic-Lackierung (950 Euro) zu den sehr wenigen Extras der Spitzenversion Premium S.
Der Verbrauch will nicht auf zeitgemäße Werte sinken
Der Infiniti M entriegelt sich beim Ziehen am Türgriff automatisch, sofern der Sender des schlüssellosen Zugangssystems in Reichweite ist. Gestartet wird der Motor mit Knopfdruck, der V6 springt mit sonorem Blubbern an und lässt schon im Leerlauf keinen Zweifel an seinem Leistungsvermögen aufkommen. 360 Newtonmeter bei 5200/min beträgt sein maximales Drehmoment. Das reicht für eine Sprintzeit von 0 auf 100 km/h in 7,5 Sekunden, bei Tempo 250 wird abgeregelt. Der M 37 ist kein Leichtgewicht. Gut 1800 Kilogramm wiegt er unbeladen, diese Masse will in Schwung gebracht sein.
Das obligatorische Automatikgetriebe mit sieben Stufen braucht viele tiefe Atemzüge, um dem Wunsch nach Beschleunigung nachzukommen. In der Sport-Einstellung dagegen wird der Automat nervös und schaltet viel zu schnell hin und her. Besondere Eigenwilligkeiten entwickelt der Antriebsstrang in der Eco-Stellung für das Getriebe. Dann signalisiert eine grüne Leuchte im Tacho Sprit sparende Fahrweise. Wer mehr Gas gibt, bekommt gelbes Licht oder dramatisches Blinken zu sehen. Obendrein mahnt ein Gegendruck im Gaspedal den Fahrer, sich zu zügeln. Das wirkt, als habe man einen feuchten Schwamm im Fußraum vergessen, der sich in der Pedalerie verfangen hat. Trotzdem will der Verbrauch nicht auf zeitgemäße Werte sinken. Die versprochenen 10,2 Liter Benzin für 100 Kilometer konnten wir auch mit großer Zurückhaltung nicht erreichen, wir kamen auf 10,5 bis 16,2 Liter. Da sind die 80 Liter im Tank schnell verbrannt.
Luxuriöse Lautlosigkeit: Weder Fahrtwind noch Motorlärm
Der M 37 ist auf kurviger Landstraße wenig agil. Trotz der im S-Modell serienmäßigen Allradlenkung will er straff am Zügel geführt werden. Der Volant vermittelt in Kurven nur ansatzweise das Gefühl von Präzision, doch bei Geradeausfahrt lässt sich die noble Limousine kaum aus der Ruhe bringen. Die Bremsen neigen beim kräftigen Verzögern zum Rubbeln, das passt nicht zum Infiniti-Anspruch. Dafür überzeugt er mit luxuriöser Lautlosigkeit, weder Fahrtwind noch Motorlärm beeinträchtigen das dank einer fein abgestimmten Federung komfortable Reisen. Das serienmäßige aktive Geräuschunterdrückungssystem leistet hierzu einen wesentlichen Beitrag. Ohnehin sorgt eine Ansammlung von Assistenten für entspanntes und sicheres Fahren. Ein Tempokonstanthalter mit adaptiver Abstandsregelung sowie eine Überwachung des toten Winkels in den großen Außenspiegeln zählen dazu. Beide arbeiten sehr präzise, der Spurhalteassistent dagegen lässt sich in Autobahnbaustellen gern von Fahrbahnmarkierungen irritieren. Man kann ihn aber mit Knopfdruck am Multifunktionslenkrad abschalten.
Kurvenlicht mit Xenon-Scheinwerfern, ein Audiosystem von Bose, Navigation mit Festplattenspeicher und Lederausstattung sind die wesentlichen Komponenten des üppigen Serienstandards im M 37 S Premium. Die Sitze können belüftet und ebenso wie das Lenkrad beheizt werden. Und der Lack des Spitzenmodells hat einen Schutz, der angeblich kleine Kratzer von selbst wieder verschließt – das haben wir vorsichtshalber nicht ausprobiert.
Infiniti bietet eine Limousine, die mit einem umfassenden Komfortangebot punkten kann. Das muss bei anderen Premiummarken teuer bezahlt werden. Form und Ausstattung bergen allerdings manche Schrulligkeit. Nach europäischen Maßstäben rangiert er im Fahrverhalten hinter der deutschen Konkurrenz. Der Infiniti M 37 ist ein interessanter Versuch zur Einführung des amerikanischen Fahrgefühls auf den Straßen des Alten Kontinents. Eine Spezialität, die erhebliche Individualität ihres Eigners signalisiert.