01.12.2009 · Michael Macht wollte seit jeher Porsche fahren. Wie alle Buben in Stuttgart. Jetzt lenkt er Porsche. Das ist nicht einfach. Aber das hat er auch nicht erwartet. Und wir wissen, warum das so ist. Aber Porsche glüht wieder.
Von Wolfgang PetersFür Porsche wollten Buben schon immer arbeiten. Weil sie dann eher einen Porsche fahren können. Michael Macht, früher ein Stuttgarter Bub, jetzt als Stuttgarter Mann, begabt mit jener Freundlichkeit, die täuschen könnte, fährt nicht nur Porsche: Er lenkt Porsche. Seit Sommer 2009 ist Macht Vorstandschef der Porsche AG, zuvor enger Mitarbeiter des gescheiterten Wendelin Wiedeking und quasi schon immer ein Maschinenbauer, der über das Werden der neuen Porsche-Modelle mehr weiß als jeder andere.
Zehn Jahre war Macht bei Porsche Produktionsvorstand. Er kennt jede Schraube am Elfer und jede Dichtung am Panamera. Er wird dieses Wissen für die Zukunft nicht nur parat halten, sondern auch einsetzen müssen. Denn die Chefposition bei dem größten Sportwagenbauer der Welt (bis vor kurzem konnte man sagen: „unabhängigen“) war noch nie einfach auszufüllen, aber so kompliziert wie derzeit war sie noch nie. Denn es geht an der Spitze des Unternehmens nicht mehr nur um die Produkte. Früher genügte es, Erfolg zu haben. Jetzt muss der Chef auch noch Diplomat sein. Denn in dieser Woche rief die Porsche AG zur Bilanz-PK (der Milliardenverlust aus den Vorgängen um die geplatzte Übernahme von VW scheint schon abgehakt), und nun ist das Vertragswerk unterzeichnet worden, mit dem Porsche zu einem Teil des VW-Konzerns wird. Dieser Vorgang scheint Macht nicht wirklich zu belasten, und er greift zu einem sprachlichen Bild, um zu zeigen, wie er sich die (Pole?-)Position in dem integrierten Autokonzern vorstellt: „Porsche war schon immer ein Edelstein.
Und das will Porsche auch künftig sein. So ein Edelstein will behütet, gepflegt und auch poliert sein. Dann glänzt er.“ Wahrscheinlich hätte sogar Ferdinand Piëch, der große Übervater im Konzern und verschmitzte Rätselgeber, an dieser Formulierung seine Freude. Macht zur künftigen Zusammenarbeit: „Ich stehe für Integration und nicht für Konfrontation.“ Auf die Frage, wo denn Porsche im Konzern positioniert sein werde, lächelt Macht mit unveränderter Freundlichkeit: „Wir definieren uns nicht über die Nummer.“ Und damit sind wir bei jenem Thema, das uns wirklich interessiert: Leistung, Gas und Gummi und der Duft dieser unvergleichlichen Mischung aus Tempo, verbranntem Benzin, dem Schrei des erregten Tieres im Heck und dem Geruch von ganz heißem Öl.
Fünf Häuptlinge: Cayman, Boxster, Elfer, Panamera und Cayenne
Porsche hat seinen Modellstamm auf fünf Häuptlinge (Cayman, Boxster, Elfer, Panamera und Cayenne) ausgebaut, und darum herum gibt es noch jede Menge auf dem Kriegspfad erprobte Indianer, die als Roadster, GT oder Turbo oder als abgespeckte und umso teurere Sondermodelle unterwegs sind. Mehr Porsche war noch nie zuvor im Markt. Jedes Modell birgt die Verpflichtung jenes Inhalts, der dazu führt, dass Menschen viel Geld für ein schnelles Auto ausgeben, dessen schieres Tempo sie auch für weniger Euro oder geringere Dollarmengen haben könnten. Das weiß Macht, und er arbeitet intensiv daran, diese unsicht- und unmessbaren Eigenschaften nicht nur zu erhalten, sondern sie womöglich zu verstärken. Er spricht von der „Marken-ikone“ (und führt als Beleg für deren Wert den amerikanischen Motorradhersteller Harley-Davidson an, von dem er ein Exemplar sein eigen nennt), von Aura, von Tradition, Geschichte und von „iconic“, von der Liebe zur ausgetüftelten Technik-Delikatesse (Macht hat eine Modelleisenbahn im Keller!) und ist dann rasch bei „performance“ und „Effizienz“.
Ein Porsche, das weiß jeder, der sich mit der Marke mehr beschäftigt hat, als ihr im Auto-Quartett zu begegnen, zieht seine Faszination nicht aus der Fähigkeit zum Rasen. 500 PS unter der Haube sind für viele Menschen (mehr als früher) dampfendes Teufelszeug, aber Macht sieht darin eine Herausforderung, der man sich zu stellen hat. „Hohe Leistung muss nicht verbunden sein mit hohem Verbrauch“, sagt er und könnte aus dem Stand vorrechnen, wie sich der spezifische Konsum der Porsche-Sportwagen über die Jahre hinweg verringert habe.
Im Frühjahr 2010 ist der Cayenne Hybrid auf der Straße
Es sei nicht die schiere PS-Zahl, die den Kunden interessiere, sondern es komme immer auf diese Kombination aus Leistung und Fahrdynamik an. Ein Entwicklungsziel könne durchaus so definiert werden: Kleiner, leichter und weniger PS zu bieten und so zu höherer Effizienz zu kommen, „das wird unser Maßstab für die Arbeit sein“, sagt Macht. Und nach dieser Maßgabe sollen sich auch die künftigen, vielleicht als „alternativ“ zu bezeichnenden Porsche-Modelle definieren: Im Frühjahr 2010 ist der Cayenne Hybrid auf der Straße, ein Full-Hybrid, mit dem man auch rein elektrisch angetrieben unterwegs sein kann. Dann will man den jüngst plazierten Panamera mit dieser Technik bringen, „aber nicht vor 2011“. Und Macht scheut auch vor jenem Antrieb nicht zurück, der noch vor wenigen Jahren jeden Sportwagenfreund in die alkoholische Abhängigkeit getrieben hätte: „Wir arbeiten an einem Elektroauto.“ Dann schiebt er zur Bekräftigung nach: „Sogar sehr intensiv.“ Auf einen Premierentermin für den Strom-Porsche mag er sich nicht festlegen, denn offenbar muss diese Grundvoraussetzung erst noch erfüllt werden: „Ein Elektro-Porsche ist erst dann denkbar, wenn wir mit ihm die gleiche Performance erzielen.“ Und da könne es nicht nur um die Beschleunigung gehen, sondern eben auch um jene Akkuratesse des Fahrens, die den innersten Reiz der Sportwagen und der sportlichen Autos aus Stuttgart ausmacht.
Dazu kommen die noch nicht zufriedenstellend beantworteten Fragen nach Leistung, Gewicht, Reichweite und Ladezeiten. Weil sich Porsche über die Produkte definiere, will Macht nicht ausschließen, dass sich diese wieder stärker über sportliche Eigenschaften“ definieren. Dazu gehört auch die Abgrenzung der einzelnen Modelle voneinander, und zur Zukunft des wegen seiner besonderen Technik eher solitär positionierten Elfers fällt Macht schon wieder eine sprachliche Schöpfung ein: „Wir sind gerade dabei, wie wir immer dabei sind, schon an seinem Nachfolger zu arbeiten.“ Natürlich wird es hier vor allem um die „performance“ gehen. Und die freundliche Höflichkeit wird Michael Macht auch künftig als Chef nicht ablegen. Sicher scheint nur, dass diese auf die Porsche-Preise keinen mäßigenden Einfluss hat. So wird für die Zukunft der Marke auch im integrierten Konzern nur eine einzige Nummer von Bedeutung sein: 911.
Was ist das denn?
G A (SilverSurfer67)
- 01.12.2009, 14:47 Uhr
Was das ist? Autolyrik von Wolfgang Peters!
Lüko Willms (l.willms)
- 01.12.2009, 22:24 Uhr
Das automobile Schicksal Baden-Württembergs..
Michael Meier (never1)
- 01.12.2009, 23:53 Uhr