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Sonntag, 12. Februar 2012
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Hyundai iX 55 Der Koreaner im Reich der Gelände-Riesen

10.12.2009 ·  Hyundai wird immer mutiger. Jetzt glaubt man sogar, mit einem Full-Size-Geländewagen bestehen zu können. Der ix55 soll eine Konkurrenz zu Dickschiffen wie dem Audi Q7 oder dem Mercedes-Benz ML sein. Fahrtbericht zum iX 55 3.0 V6 CRDi.

Von Boris Schmidt
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Es ist keine 20 Jahre her, da kannten Hyundai in Deutschland allenfalls Automobilexperten. 1992 entschieden sich die (Süd-)Koreaner, ihre Autos auch in Europa zu verkaufen, und heute ist Hyundai eine etablierte Marke, deren Kompetenz langsam über die Segmente der preisgünstigen Klein- und Kompaktwagen hinauswächst. Der Marktanteil in Deutschland liegt derzeit bei 2,5 Prozent, damit lassen die Koreaner alle japanischen Hersteller außer Toyota hinter sich. Das gibt Selbstbewusstsein, und jetzt wagen sie es, ein Full-Size-SUV auf den Markt zu bringen: Mit einer Länge von 4,84 Meter und einem Leergewicht von 2,2 Tonnen soll der ix55 eine Konkurrenz zu Dickschiffen wie dem Audi Q7, dem Land Rover Discovery oder dem Mercedes-Benz ML sein.

In Amerika bietet man das SUV unter dem Namen Veracruz seit 2007 mit einem V6-Benziner an, eigens für Europa hat das Hyundai-Technologie-Zentrum in Rüsselsheim einen neuen V6-Zylinder-Turbodiesel entwickelt, der mit Piezo-Einspritzung, variabler Turboladergeometrie und vier obenliegenden Nockenwellen auftrumpft und leider trotz Abgastechnik zunächst nur die Euro-4-Schadstoffnorm erfüllt - das wird sich aber bald ändern.

Die Papierform verspricht einiges

Der V6 ist der einzige Motor für den ix55, und er ist mit einer gleichfalls neuen Sechsstufenautomatik (von Aisin) kombiniert. Die Papierform verspricht einiges: 176 kW (239 PS) und ein maximales Drehmoment von 451 Newtonmeter bei 1750 Umdrehungen in der Minute lassen standesgemäße Fahrleistungen erwarten.

Und man wird nicht enttäuscht. Der Motor besticht durch seine Laufruhe und erweist sich als souveräner Antrieb. Die Automatik schaltet sanft, weich und harmonisch. Am besten aufgehoben ist der ix55 auf der Langstrecke. Er kann gut gleiten, ist leise und auch flink, wenn es sein muss: Die Nadel des Tachos lässt sich bis 215 km/h treiben (echte 200 km/h), es liegen dann zwar nur gut 4000 Umdrehungen in der fünften Fahrstufe an - aber die Verbrauchsanzeige steht auf 23,7 Liter für 100 Kilometer. Weniger als 10 Liter sind es, wenn man den Wagen mit Tacho 140 und 2000/min (in Fahrstufe sechs) über die Autobahn rollen lässt.

Engagiertes Fahren auf der Landstraße mag das SUV nicht so gern, die Lenkung ist zwar leichtgängig, vermittelt aber kaum Gefühl fürs Fahrzeug, die Seitenneigung in schnellen Kurven ist sehr stark. Über Land fühlt sich der ix55 an wie ein Geländewagen alter Schule, obwohl er eine selbsttragende Karosserie und vier einzeln aufgehängte Räder hat. Davon profitiert der Federungskomfort. Besser sollten die Bremsen zupacken, die zwar standhaft sind, aber ihre Mühe haben, den Koloss in angemessener Kürze zum Stand zu bringen. Und wenn dann noch 3,2 Tonnen am Haken hängen . . .

Pferdeanhänger ohne Aufhebens von der nassen Wiese zu ziehen

Um den Pferdeanhänger ohne Aufhebens von der nassen Wiese zu ziehen, lässt sich der variable Allradantrieb mittels Knopfdruck sperren; bis zu 38 km/h ist die Kraftverteilung auf jeden Fall 50:50. Normalerweise werden nur die Vorderräder angetrieben. Erst wenn dort Schlupf auftritt, schließt eine elektromagnetisch betätigte Mehrscheiben-Kupplung am hinteren Differential und beschickt die Hinterräder mit Kraft (aber nie mehr als zu 50 Prozent). Da sich der Hyundai als SUV versteht und nicht als Geländewagen, gibt es kein Untersetzungsgetriebe.

Im Hyundai ist reichlich Platz: Vorn und im Fond sitzt man vorzüglich, wenn auch in der zweiten Reihe etwas niedrig. Hinter der Rückbank wartet ein riesiger Kofferraum: 1,10 Meter tief, rund 90 Zentimeter hoch und 1,25 Meter breit. Schon bis zur Sichtkante sind das 600 Liter Volumen. Nach dem Umlegen der asymmetrisch geteilten Rückbank ergibt sich eine fast ebene Ladefläche von fast 1,90 Meter Länge, das maximale Ladevolumen beträgt gut 1700 Liter.

Statt zu zweit kann man aber auch zu siebt unterwegs sein: Im Laderaumboden wartet eine dritte Sitzbank, auf der zumindest auf Kurzstrecken auch Erwachsene gut untergebracht sind. Unter dem Heck hängt ein vollwertiges Reserverad, das zur Premium-Ausstattung gehört (sonst gibt es nur ein Notrad). Was nervt, ist die elektrische Heckklappe, die sich viel zu langsam bewegt. Sie gehört wie die Ledersitze, Xenonlicht, die Sitzheizung für hinten und einiges andere zu ebenjener Premium-Ausstattung, die 4600 Euro Aufschlag gegenüber dem Basismodell (Comfort) verlangt. Aber auch für 46 990 Euro ist der Hyundai ix55 ein Sonderangebot im Reich der Gelände-Riesen. Ein Mercedes-Benz ML 300 CDI kostet ohne Extras 52 538 Euro.

Mit der Lederausstattung macht der ix55 durchaus eine gute Figur

Die Verarbeitungsqualität des Hyundai und die Haptik des Innenraums mögen nicht ganz auf dem Niveau der europäischen Konkurrenz sein, meilenweit davon entfernt sind sie aber nicht. Mit der Lederausstattung macht der ix55 durchaus eine gute Figur, aber Hyundai packt auch schon mit „Comfort“ eine ordentliche Ausstattung in den Wagen: Genannt seien nur das CD-Radio, der Tempomat oder die elektrischen Fensterheber. Etwas altmodisch ist die klobige Fuß-Feststellbremse, mit der Bedienung gibt es keinerlei Probleme. Es fehlt aber eine Gepäckraumabdeckung, auf die Hyundai aus unerfindlichen Gründen verzichtet.

Dass ein großes Auto viel verbraucht, ist zu erwarten. Im Schnitt 11,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer mögen in Anbetracht der bewegten Masse in Ordnung sein, hinterlassen jedoch in Zeiten des Maßhaltens ein schlechtes Gewissen. Hyundai hat aber seit kurzem den ix35 im Portfolio. Der Nachfolger des Tucson ist eine Nummer kleiner und hat ebenfalls einen in Rüsselsheim entwickelten brandneuen CRDi-Motor. Der holt aus zwei Liter Hubraum und vier Zylindern 135 kW (184 PS). Dieser kleine Bruder des großen Koreaners wird in der Praxis gewiss an die 9,4 Liter Verbrauch herankommen, die für den ix55 als Normwert genannt werden. Wer King-Size liebt, wird zum ix55 greifen, mehr als 30.000 Amerikaner haben es schon getan.

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