19.03.2011 · Das Klimax 5K ist mehr als ein Dreirad. Im Vorderrad des Leichtkraftrads von Hase sitzt ein voluminöser und gewichtiger 500-Watt-Nabenmotor. Erste Alltags-Erfahrungen mit einem Vorserienexemplar des Hybridrads Hase Klimax 5K.
Von Hans-Heinrich Pardey„Ist das denn noch ein Fahrrad?“ Die Frage des Nachbarn hatte unbedingt ihre Berechtigung: Dieses Fahrzeug kommt, verkleidet von einer windschlüpfigen Stoffkarosserie mit reflektierenden Paspeln, auf drei 20-Zoll-Rädern laufend daher und lässt unterhalb der Verkleidung das Pedalkurbeln gerade noch erkennen. Deutlich aber weist das Heck auf eine Motorisierung hin: Auf dem Kofferraum, der die Gestalt einer 49 Liter großen Ortlieb-Rollverschlusstasche hat, hängt angeclipst das beleuchtete Versicherungskennzeichen. Das Klimax 5K von Hase Spezialräder in Waltrop ist eindeutig mehr als ein Fahrrad, es ist ein Hybridrad.
Zunächst einmal allerdings ist es das altbekannte Kettwiesel: ein pedalbetriebenes Dreirad mit einem in der Länge unterschiedlichen Körpergrößen anpassbaren Aluminiumrahmen. Zwischen den Hinterrädern mit ihrem deutlich negativen Sturz sitzt man in 46 Zentimeter Höhe bequem wie auf einem Sessel, während man vorn am 47 Zentimeter hohen Tretlager kurbelt und das einzelne Frontrad von dem unter den Oberschenkeln befindlichen Lenker her über eine Schubstange dirigiert. Legendär, das darf in diesem Fall wirklich gesagt werden, sind die Fahreigenschaften: ein mit um die 3,50 Meter sehr enger Wendekreis, ein Kurvenverhalten, das den Mut des Piloten auf ernste Proben zu stellen vermag, ein Spaßfahrzeug, um das sich die Besucher auf den Probier-Parcours der Messen reißen, weil sein Beschleunigungsvermögen wie sein Driften atemberaubend sind.
Das Kettwiesel ist ein Produkt, das Hase in verschiedenen Varianten baut und aus dem - mit verkleinerten Laufrädern - das Trix für Kinder mit Handicaps entwickelt wurde, das von den Krankenkassen als förderungswürdiges Hilfsmittel anerkannt worden ist.
Ein elektrifiziertes Kettwiesel mit wetterfester Verkleidung
Das Klimax 5K ist hingegen ein Projekt, das noch dabei ist, zum endgültigen Produkt zu werden. Schon als Klimax 2K, als Pedelec mit 180-Watt-Motor, hat das Konzept des Klimax - ein elektrifiziertes Kettwiesel mit wetterfester Verkleidung - den Eurobike Green Award 2010 geholt. Im Vorderrad des Leichtkraftrads Klimax 5K sitzt ein voluminöser und gewichtiger 500-Watt-Nabenmotor, der, wie Marec Hase bei der Auslieferung des mit dem Namen „Tessa“ gekennzeichneten Vorserien-Exemplars sagte, noch leichter werden soll. Uns ist noch gar nicht recht klar, ob weniger Gewicht auf dem angetriebenen Frontrad so wünschenswert ist: Wenn man ohne Beinarbeit anfährt, gerät es auch mit dem schweren Motor schnell an die Grenzen der Traktion.
Unter dem Hauptrohr des Rahmens hängt kantig, noch etwas hakelig einzuführen, noch nicht abschließbar und knapp drei Kilo schwer ein Akkupack in Lithium-Ionen-Technik. In der Serie soll er ein stabileres Gehäuse und ein Schloss erhalten und 20 Prozent leistungsfähiger werden. Auf unseren ersten „Vollgas“-Fahrten reichte er 25 und bei leicht gezügelter Gangart knapp 35 Kilometer weit. Sehr angenehm: In anderthalb Stunden war er schnellgeladen. Über dem Rahmenrohr fällt der Blick auf ein noch recht dürftiges Cockpit mit eher kryptischer Ladestandsanzeige und digitalem Tachometer. Der linke Lenkergriff ist mit einem Hauptschalter, einem Schieber zur Wahl eines der drei Unterstützungsmodi und dem „Gas“-Drehgriff für die Motorsteuerung zuständig. Rechts wird drehend die - bei motorgestützten Tempi nicht immer schnell und präzis genug arbeitende Kettenschaltung - betätigt, und wenn man oben auf den Griff drückt, hupt es: Der TÜV lässt grüßen - aber bei Annäherungen mit 45 km/h ist man ihm für diese Auflage gelegentlich zutiefst dankbar. Genauso wie für den großen Rückspiegel oben an der Windabrisskante der Verkleidung, den man tatsächlich in Motorfahrzeug-Qualität und -Abmessungen benötigt.
Um ein Kettwiesel oder Klimax wetterfest zu machen, wird vorn an den Rahmen eine Art von halbem Schirmgestell gesteckt, dessen zwei Hauptstreben man rechts und links vom Sitz befestigt. So sitzt man unter einem Schutz, der den bei Tempo 40 nicht unbeachtlichen Fahrtwind über den Kopf hinweg gut ableitet. Von unten her zieht es aber nicht wenig und staubt auch ordentlich. Gegen Regen lässt sich in den Windschutz ein Poncho einknöpfen, der nur noch den Kopf herausgucken lässt.
Sich dieser Stoffkarosserie wie auch weiteren Einzelheiten, etwa dem vorzüglichen Fahrlicht, zu widmen wird noch ausführlich Gelegenheit sein. Dieses ungewöhnliche Hybridrad wird uns in den kommenden Monaten befördern, und wir wollen den Prozess hin zu seiner Produktreife begleiten.
Also...
Hans Glück (hansglueck)
- 19.03.2011, 18:01 Uhr