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Horex VR6 Classic Einfach bärig

 ·  „Bär oder Bulle?“, fragten wir uns vor ziemlich genau einem Jahr, nachdem wir eine Horex VR6 Roadster hatten fahren können. Nun ist die Variante namens Classic mit lediglich 126 PS dran.

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© Böhringer Vergrößern Horex Classic mit VR6

„Bär oder Bulle?“, fragten wir uns vor ziemlich genau einem Jahr, nachdem wir zum ersten Mal eine Horex VR6 Roadster hatten fahren können. Statt der im Roadster-Modell wütenden 161 PS (118 kW) sorgen in der nun fertiggestellten zweiten Variante namens Classic lediglich 126 PS (93 kW) für Vortrieb - dass der gemächlich sei, kann freilich niemand behaupten. So gibt es keinen Grund, trotz der geringeren Leistung die Mundwinkel hängenzulassen, im Gegenteil: Obgleich mit etwas weniger Drehmoment (120 Nm bei 7000/min statt 137 Nm bei 6800/min) ausgestattet, zieht die Classic im meistgenutzten Drehzahlbereich zwischen 2000 und 5000/min noch etwas kräftiger durch.

Erreicht wurde das durch eine Modifizierung der Auspuffanlage und ein geändertes Motormapping. Der Fahrspaß ist deshalb noch einen Tick größer als bei der VR6 Roadster. Man darf der in Augsburg ansässigen Horex GmbH, nach rund 56 Jahren Pause erst 2012 wieder als Motorradproduzent in Erscheinung getreten, mittlerweile gute Aussichten bescheinigen, dass sich der Name längerfristig am Markt etablieren kann.

© Böhringer Vergrößern Der hintere Reifen hat die Dimension 190/55 ZR 17

Besonderheit jeder Horex ist der einzige in einem Zweirad verbaute VR6-Motor. Er weist ein Hubvolumen von 1218 Kubikzentimeter auf und hat drei Ventile je Zylinder, die von drei obenliegenden Nockenwellen betätigt werden. Symbolisiert wird diese Bauart durch das silberne V und die drei silbernen Punkte auf den Motorseiten. Anders als die etwas reduziert erscheinende Roadster saugt die Classic trotz nur weniger Änderungen das Auge des Betrachters förmlich an: Grund dafür sind neben den extrem ausgefallenen Chrom-Speichenrädern, die exklusiv für dieses Modell gefertigt werden, die rot-silberne Zweifarbenlackierung und die mit Steppnähten verzierte Sitzbank.

Auch die Motor-Seitendeckel aus Leichtmetallguss wirken nochmals wertiger, tragen freilich neben den Rädern mit dazu bei, das Gewicht um drei auf nun 252 Kilogramm anzuheben. Nicht nur die 24 500 Euro kostende Classic, sondern auch die 2000 Euro günstigere Roadster weist nunmehr auch im Detail eine sehr hohe Verarbeitungsqualität auf. Die Motorabstimmungen sind jetzt nicht mehr zu beanstanden, die Getriebe schalten sich zwar etwas hart, aber präzise. Auch Federung, Dämpfung, Handling und die Bremsanlage mit einem sehr fein abgestimmten ABS überzeugen auf ganzer Linie. Der heiser-markante Sound ist eigenständig und stets präsent.

© Böhringer Vergrößern Zieht im meistgenutzten Drehzahlbereich zwischen 2000 und 5000/min noch etwas kräftiger durch

Dass inzwischen - vor allem angesichts der Classic - ein kaum mehr kontrollierbarer „Habenwollen“-Reflex auftreten kann, bewies eindrücklich TV-Koch Horst Lichter: „Ich habe heute den Kaufvertrag für meine dritte Horex unterschrieben“, gab der Gourmet-Komponist zum Besten. Nach Roadster und Classic soll die Neue aber sportlicher gestylt sein. Man darf gespannt sein, wie lange Horex braucht, um aus einer sehr ansehnlichen Skizze ein fertiges Fahrzeug zu machen.

Dann hätte die Familie drei Mitglieder. Und ein weiteres ist nach wie vor in Planung: die Kompressor-Version. „Das Fahrwerk und der Motor vertragen bis zu 240 PS“, ist Horex-Chef Neese überzeugt. Doch auf dieses Motorrad wird selbst Horst Lichter noch mindestens bis 2015 warten müssen. Das entspricht dann hundertprozentig den stämmigen, unberechenbaren Bullen, während die Classic klar dem Typus von Meister Petz nahesteht: einfach bärig.

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