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Honda Shadow 750 Kreuzen vor dem Wind

23.07.2010 ·  Für sein Cruiser-Programm hat Honda ein weiteres schickes Motorrad auf die Räder gestellt. Die Shadow 750 erstickt jegliche Ambitionen auf Kurvenhatz im Keim. Für das gemütliche Kreuzen vor dem Wind bringt sie allemal genügend Kraft auf.

Von Michael Kirchberger
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„Sag mir, wie du sitzt, und ich sage dir, wie du fährst.“ Für das Zweirad gilt der Leitsatz allemal, und wenn das Gefährt dann auch noch kräftig motorisiert ist und der Fahrtwind als Komponente mit hohem Einfluss die aufrechte Haltung in Frage stellt, erst recht.

Honda hat für sein Cruiser-Programm ein weiteres schickes Motorrad auf die Räder gestellt, das zugunsten einer entspannt zurückgelehnten Position des Oberkörpers jegliche Ambitionen auf Kurvenhatz im Keim erstickt. Mit einer herrlich langgestreckten Linie, viel Zierat aus Chrom und einem kernigen V2-Viertakter, der 34 kW (46 PS) liefert und damit für das gemütliche Kreuzen vor dem Wind allemal genügend Kraft aufbringt.

8750 Euro kostet die Shadow 750, inklusive eines wartungsarmen Kardanantriebs und ABS. Die zweigeteilte Sitzbank der Shadow verspricht Komfort, der erhöhte Lenker und die weit nach vorn verlegten Fußrasten nicht minder. Der Start des Cruisers ist jedoch umständlich, denn Lenker- und Zündschloss sind an unterschiedlichen Positionen installiert, man muss also zweimal schließen.

Der V2 springt munter und willig an, aus den langen, chromglänzenden Auspuffrohren dringt ein versöhnliches Blubbern. Die Instrumentierung ist sehr zurückhaltend, der Tacho prangt mit seinem klar gezeichneten weißen Zifferblatt und gut ablesbarer Skala auf dem 14,6 Liter fassenden Tank, weiter vorn spiegelt sich der Himmel im Chromglanz des Scheinwerfertopfs, alles ist für eine feine Ausfahrt angerichtet.

Spiel zwischen der leichtgängigen Kupplung und der willigen Gasannahme

64 Newtonmeter Drehmoment liefert der flüssigkeitsgekühlte V2-Motor bei 3500 Umdrehungen in der Minute, gar nicht behäbig zieht die Shadow 750 im ersten Gang los. Der rastet gefühlvoll ein, das Spiel zwischen der leichtgängigen Kupplung und der willigen Gasannahme des 750-Kubik-Triebwerks gelingt sehr harmonisch. Hohe Drehzahlen verkraftet die Maschine zwar, es ist aber nicht ihre Lieblingsdisziplin. Ein Tourenzähler fehlt ohnehin im Cockpit, wie in alten Zeiten bestimmen Gehör und Gefühl den rechten Zeitpunkt zum Gangwechsel. Der geht stets glatt und relativ leise vonstatten, und Lastwechsel-reaktionen sind der Shadow trotz Kardanantrieb fremd wie dem Cowboy das Gänsehüten.

Zwischen 80 und 120 km/h macht der Honda-Cruiser am meisten Spaß. Dann ist der Winddruck verhalten, Zwischenspurts gelingen flink und kontrolliert. Bei schnellerer Fahrt bekommen die Füße Auftrieb, wenn der Wind unter die Sohlen bläst. Auch auf dem Oberkörper lastet dann erheblicher Druck. Sehr eilig sollte es der Shadow-Pilot daher nicht unbedingt haben. Was keinesfalls bedeutet, dass der Weg über die gewundene Nebenstrecke spaßfrei bleibt. Mit schöner Kurvenstabilität nimmt der Cruiser die Biegungen, bleibt sehr neutral und zeigt selbst beim Anbremsen kaum Neigung sich aufzurichten. Das Verzögern beherrscht die Anlage mit jeweils einer Scheibe vorn und hinten bestens, bei Nässe sorgt das serienmäßige ABS für ein gutes Gefühl der Sicherheit.

In der Stadt und beim Rangieren ist die ebenso bequeme wie niedrige Sitzposition sehr von Vorteil. Sicherer Kontakt der Stiefelsohlen zur Fahrbahn kompensiert das Leergewicht der Honda von 262 Kilogramm und den langen Radstand mühelos. Handlichkeit ist eine ihrer feinsten Tugenden - und Sparsamkeit. Im gemischten Fahreinsatz von 60 Prozent Landstraße, 20 Prozent Stadtverkehr und einer kurzen Autobahn-Tour über die verbleibende Distanz ergab sich ein Konsum von bescheidenen 4,4 Liter Superbenzin für 100 Kilometer. Dem Cruiser-Freund bietet die Honda Shadow so kaum Ecken und Kanten, an denen er sich reiben könnte. Einzig ein Beifahrer sitzt schlecht, denn geeignete Haltegriffe oder -gurte sucht er vergebens.

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