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Honda SH125i Roller mit Start-Stopp und ABS

Der Honda SH125i bringt viel Fortschritt mit sich. Das Start-Stopp-System funktioniert sehr überzeugend. Aber das Beste am neuen SH: Er schweigt, wenn er nicht gefragt ist.

© Boris Schmidt Vergrößern Der neue Großradroller von Honda ist sicherlich wegweisend wegen seiner serienmäßig vorhandenen Start-Stopp-Automatik

Wohltuende Ruhe kehrt ein, wenn der SH125i drei Sekunden im Leerlauf steht. Man sitzt und lauscht der Stille, nimmt dafür plötzlich das Brummen und Knattern der anderen drumherum umso deutlicher wahr. Wie schön es wäre, wenn beim Warten auf Grün sämtliche Fahrzeuge die Klappe hielten. Der neue Großradroller von Honda ist sicherlich wegweisend wegen seiner serienmäßig vorhandenen Start-Stopp-Automatik, außer ihm hat das unseres Wissens nur sein Honda-Bruder PCX mit identischem Antrieb.

Walter Wille Folgen:    

3675 Euro kostet der SH, der sich in vielerlei Hinsicht - Triebwerk, Rahmen, Räder, Bremsen, Instrumente - vom Vorgänger unterscheidet. Auch das Design wurde stark überarbeitet, zum Beispiel das der Front. Der Kühler zog an die Seite des Motors um, der freigewordene Platz in der Verkleidung wird für ein Pärchen langgestreckter Positionsleuchten unterhalb des Scheinwerfers genutzt, die schick aussehen und gewährleisten sollen, dass der SH im Getümmel nicht übersehen wird. Was ihn überdies von der Masse der Leichtkraftroller abhebt, ist sein serienmäßiges Antiblockiersystem. Die Scheibenbremsen vorn und hinten arbeiten unabhängig voneinander.

22466667 © Boris Schmidt Vergrößern Wohltuende Ruhe kehrt ein, wenn der SH125i drei Sekunden im Leerlauf steht

Leichtlauf und Reduzierung innerer Reibungsverluste lauteten die Ziele der Motorenentwickler. Der Spritverbrauch des neuen Einzylinder-Viertakters soll 25 Prozent niedriger sein als der des bisherigen und wird mit „wenig mehr als zwei Liter für 100 Kilometer“ angegeben. Ein Teil der Verbrauchsminderung ist das Verdienst der Leerlauf-Abschaltung, die sich auf Knopfdruck aber auch deaktivieren lässt. Das erscheint sinnvoll, wenn man im stockenden Verkehr nur kurze Momente auf der Stelle steht.

Das Start-Stopp-System funktioniert derart überzeugend, dass man sich wünscht, dergleichen möge sich schnell verbreiten in der Rollerwelt. Auf einen Dreh am Gasgriff ist der Motor sofort wieder wach, ohne jedes Georgel eines Anlassers. Der Kniff: Die Lichtmaschine dient zugleich als Elektrostarter, ein Dekompressionsmechanismus trägt zum erfreulich verzögerungsfreien Start bei. Anlassen und ruckfreies Losfahren sind praktisch eins, so dass beim Ampelstart, der Königsdisziplin des Scooters, keine Zeit verloren geht. Das Anfahren fühlt sich an, als wäre der Motor gar nicht aus gewesen. Unser Exemplar verbrauchte im Berufsverkehr bei kaltem Herbstwetter im Durchschnitt 2,7 Liter für 100 Kilometer, also ein wenig mehr als „wenig mehr als zwei Liter“. Dennoch: erfreulich. Rund 300 Kilometer Reichweite sind trotz des nur 7,5 Liter fassenden Benzintanks drin.

22466528 © Hersteller Vergrößern Der freigewordene Platz in der Verkleidung wird für ein Pärchen langgestreckter Positionsleuchten unterhalb des Scheinwerfers genutzt

11 Newtonmeter Drehmoment und eine Nennleistung von 8,7 kW (11,8 PS) stellt der 125-Kubik-Zweiventiler zur Verfügung, ist damit knapp 2 PS schwächer als sein Vorgänger. Er fühlt sich aber kräftig genug an für die Dienste des Alltags, bringt das nur 134 Kilo wiegende Vehikel mühelos auf 80 km/h. Auf dem Autobahnring muss sich der Pilot nicht als wehrloses Opfer fühlen; bleibt er hartnäckig am Gas, treibt er zumindest in der Ebene die Tachonadel ein gutes Stück hinter die Ziffer 100. Schon an einer leichten Steigung allerdings wird’s zäh. SH-Freunde mit „großem“ Motorradführerschein legen sich vielleicht besser den zwei PS kräftigeren, ansonsten identischen SH150i zu, der zwar in der Anschaffung 150 Euro teurer, in der Versicherung jedoch günstiger ist. Seit den achtziger Jahren stieg der SH zum Bestseller in Europa auf, vor allem im Süden des Kontinents. Mehr als eine Million Stück unterschiedlicher Hubraumklassen von 50 bis 300 Kubik hat Honda unter die Leute gebracht.

22466663 © Boris Schmidt Vergrößern Das Start-Stopp-System funktioniert derart überzeugend, dass man sich wünscht, dergleichen möge sich schnell verbreiten in der Rollerwelt

Die Vorzüge des Konzepts erschließen sich auf Anhieb: tiefer Durchstieg, aufrechte, lockere Sitzhaltung, Wendigkeit, Gutmütigkeit, geringer Platzbedarf, simple Handhabung. Dank ABS wird der Honda jetzt fast narrensicher. Mit seinen großen 16-Zoll-Rädern verhält er sich stabil, lässt sich durch schlechtes Pflaster nicht so leicht ins Poltern bringen wie Scooter mit kleinen Rädern. Nachteil des Großrad-Prinzips: relativ wenig Stauraum unterm Sitz. Mit einer veränderten Rahmenkonstruktion hat Honda Platz gewonnen und das Helmfach so weit vergrößern können, dass auch ein Integralhelm hineinpasst. Aber: Das gilt nicht für jeden Typ. Integral- und Klapphelme voluminöser Bauart sind dort nach wie vor nicht hineinzubekommen. Man muss das im Einzelfall prüfen.

22466524 © Hersteller Vergrößern Auf dem Autobahnring muss sich der Pilot nicht als wehrloses Opfer fühlen; bleibt er hartnäckig am Gas, treibt er zumindest in der Ebene die Tachonadel ein gutes Stück hinter die Ziffer 100

Ein Topcase (Zubehör für 177 Euro) hilft im Alltag weiter. Ebenso ein Windschild für 168 Euro, denn der schlanke Scooter gewährt ansonsten nur wenig Wetterschutz. Harte Stöße reicht das Fahrwerk an die Hände am Lenker weiter, die Federung dürfte gern etwas komfortabler sein, die Sicht in den Rückspiegeln ist nur mäßig. Vorbildlich dagegen die Wirkung der Bremsen, die Übersichtlichkeit des Cockpits, die Grundausstattung mit Haupt- und Seitenständer, Gepäckträger, gut greifbaren Soziushaltegriffen, ausklappbaren Sozius-Fußrasten, Helm- und Gepäckhaken. Die Sitzbank lässt sich über einen Schalter neben dem Zündschloss entriegeln. Schön und gut. Aber das Beste am neuen SH: Er schweigt, wenn er nicht gefragt ist.

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Quelle: F.A.Z.

 
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