01.03.2009 · Erziehung zu ruhiger, gelassener Fahrweise: Die Symbole im Cockpit zeigen im Honda Insight mit Hybridtechnik, ob man sparsam fährt oder nicht. Leider führt das fast zwangsläufig zu einer Fahrweise wie auf einer Öko-Rallye.
Von Holger GlanzHondas Aktivitäten in Sachen Hybrid wurden von der Fachwelt stets wohlwollend zur Kenntnis genommen, von der Kundschaft aber weitgehend ignoriert. Der Civic Hybrid fand in Deutschland im vergangenen Jahr gerade mal rund 800 Käufer, der nur zweisitzige Insight (deutsch: Einsicht), gestartet 1999, wurde bei uns nicht offiziell angeboten und ist nahezu unbekannt.
Der neue Insight, jetzt eine 4,40 Meter lange fünfsitzige Schrägheck-Limousine, soll besser in die Gänge kommen. Sein Preis steht noch nicht fest, soll aber unter 20.000 Euro liegen. Das wären mehr als 5000 Euro weniger, als der Toyota Prius kostet. Den Platzhirsch der Hybrid-Klasse verkaufte Toyota im vergangenen Jahr rund 3400-mal in Deutschland.
„Hybrid ist Hybrid“
Der neue Honda ist mit seiner schräg abfallenden, etwas massig wirkenden Heckpartie durchaus ansehnlich, wenn auch nicht gerade ein optisches Highlight. Aber er hat eine gute Aerodynamik: cw-Wert 0,28. Technisch ähnelt er dem Civic Hybrid. Auf der Kurbelwelle des 1,4-Liter-Vierzylinder-Benziners mit 65 kW (88 PS) und Doppelzündung sitzt statt einer Schwungscheibe ein sogenannter Starter-Generator, der gleichzeitig als Anlasser, Lichtmaschine und 10 kW (14 PS) starker Elektromotor dient. Hauptantriebsquelle ist der Benziner. Der Elektromotor leistet lediglich Hilfestellung beim Anfahren und Beschleunigen. Beim Gaswegnehmen und Bremsen wird Energie gewonnen und in einer Nickel-Metallhydrid-Batterie gespeichert.
Im Stand schaltet sich der Benziner ab und springt wieder an, sobald man den Fuß von der Bremse nimmt. Auch bei gleichmäßiger Geschwindigkeit können sich die Zylinder abschalten, damit man rein elektrisch fährt. Allerdings gelingt das nur sehr kurzfristig und nur, wenn die Voraussetzungen stimmen: gut gefüllte Batterie, kein Gegenwind. Auch mit dem Abstellen im Stand geht der Insight sehr vorsichtig um. Schon nach einer kurzen Bewegung am Lenkrad läuft der Motor wieder an. Als Durchschnittsverbrauch nennt Honda 4,4 Liter Super auf 100 Kilometer (99 g/km CO2). Euro 5 wird erfüllt. Die Technik als Mild-Hybrid zu bezeichnen, kommt den Japanern nicht in den Sinn: „Hybrid ist Hybrid.“
Je nach Fahrweise wächst oder welkt das digitale Pflänzchen
Bemerkenswert ist, dass der Benzinmotor völlig ohne Anlassergeräusch anspringt. Ansonsten fühlt sich der Insight wie ein ganz normales Auto an. Aber im Cockpit gibt es ungewöhnliche Lämpchen und Leuchtbalken. Sie versuchen, an das ökologische Gewissen des Fahrers zu appellieren, in dem sie je nach Fahrweise digitale Pflänzchen wachsen oder welken lassen, die Farbe des Tachos verändern und sogar Siegerpokal-Symbole abbilden. Angezeigt wird so, ob man energieschonend oder -vernichtend unterwegs ist und ob die Batterie be- oder entladen wird. Das führt fast zwangsläufig zu einer Fahrweise wie auf einer Öko-Rallye.
Im Display aufrufen lässt sich auch ein Leuchtbalken, der beim Bremsen und Beschleunigen nach links oder rechts ausschlägt, je nachdem, wie heftig man auf die Pedale tritt. Auch er soll zu ruhiger, gelassener Fahrweise erziehen.
Das Auto wird lauter, aber nicht im gleichen Maße schneller
Für Leute mit besonders grünem Daumen gibt es links vom Lenkrad noch einen speziellen Knopf. Damit reagiert die Drosselklappe nur noch halb so spontan auf Gaspedalbewegungen, das Drehmoment reduziert sich um vier Prozent, die Motor- und Getriebeeinstellungen werden verändert und der Start-Stopp-Modus intensiviert. Außerdem stellt sich die Klimaautomatik im Stand ab. Alles zusammen soll bis zehn Prozent Kraftstoff sparen. Überhaupt sollte der Insight-Käufer mehr Spaß am Sparen als am Fahren haben.
Weil der Elektromotor den kleinen Benziner bis 3000/min mannhaft unterstützt, ist man in der Stadt zwar ganz flott auf Achse. Aber Überholvorgänge auf Landstraßen können sich elend lange hinziehen und sorgen schon wegen des Gummiband-Effekts des stufenlosen CVT-Getriebes für Frust: Das Auto wird lauter, aber nicht im gleichen Maße schneller.
Sechs Airbags, ESP und Klimaautomatik sind von Haus aus an Bord
Wer sich daran nicht stört und das Gaspedal unverdrossen durchdrückt, erreicht laut Werksangabe in 12,5 Sekunden 100 km/h und schlussendlich 182 km/h Spitze. Der 40-Liter-Tank dürfte dann schnell trocken sein. Andererseits kann man selbst ohne übermäßige Bummelei mit 6,0 Liter auf 100 Kilometer auskommen. Jedenfalls zeigte das der Bordcomputer auf unserer Probefahrt rund um das spanische Valencia an. Auf die versprochenen 4,4 Liter kamen wir nicht. Dazu darf man offenbar kaum forscher unterwegs sein als ein Kellner ohne Hoffnung auf Trinkgeld.
Die viertürige Heckklappen-Limousine hat eine ansprechende Inneneinrichtung, bequeme Sitze und viele Ablagemöglichkeiten. Sechs Airbags, ESP und Klimaautomatik sind von Haus aus an Bord. Sitzheizung, CD-Radio, Tempomat und Einparkhilfe hinten gehören zur aufpreispflichtigen Elegance-Ausstattung. Tacho und Drehzahlmesser liegen wie beim Honda Civic in zwei Ebenen. Den Tacho erblickt man oberhalb, den Drehzahlmesser unterhalb des Lenkradkranzes. Ungewohnt, aber okay. Ärgerlich ist, dass die mittig quergeteilte Heckscheibe nicht mehr als eine Sichtluke bildet.
Verkauft wird er von Ende April an
Wegen der stark abfallenden Dachlinie müssen sich die Fondpassagiere mit sehr wenig Kopfraum abfinden, was der Eignung als Familienauto aber nicht wirklich im Wege steht. Dafür sprechen auch der 408 Liter große Kofferraum mit Zusatzfach, der durch Umklappen der Rückbanklehnen auf 1017 Liter erweitert werden kann. Unter dem Kofferraumboden ist die Speicher-Batterie samt Kühlluft-Leitungen untergebracht. Deswegen muss auf Ersatz- oder Notrad verzichtet und stattdessen mit einem Reparaturset vorliebgenommen werden.
Weil der Insight sich gut lenkt, gut federt und außer bei vollem Beschleunigen auch sehr leise ist, empfindet man ihn als angenehmes Auto, selbst wenn man nicht zu den eingefleischten Öko-Freaks zählt. Verkauft wird er von Ende April an. Im Jahr will man 200.000 Käufer gewinnen, 5000 davon in Deutschland. 2010 soll ein Hybrid-Coupé folgen, und später auch der Kleinwagen Jazz elektrisch unterstützt fahren.
Preise offiziell bekannt
Christian Brost (Zac12)
- 01.03.2009, 12:24 Uhr
Für Öko-Freaks...
Marvin Parsons (mapar)
- 01.03.2009, 18:49 Uhr
verbrennungsmotor überflüssig!
Johannes Schmidt (hannes_sc)
- 01.03.2009, 20:59 Uhr
Hybrid und Testverbrauch ODER Testverbrauch und Hybrid
Gustav Fromm (polinski)
- 02.03.2009, 11:18 Uhr
Stufenloses Getriebe
Erich Radzio (erirad)
- 02.03.2009, 22:09 Uhr