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Veröffentlicht: 14.04.2017, 09:26 Uhr

E-Mountainbike ausprobiert Nicht alles das Gelbe vom Hai

Das Sduro Hard Seven 7.0 sieht ganz schön grell aus. Es ist bis auf die ordentlichen Scheibenbremsen eher einfach ausgestattet und um den Yamaha-Motor herum konzipiert.

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© Pardey Haibike Sduro Hard Seven 7.0

Die Jungfernfahrt mit dem Haibike Sduro Hard Seven 7.0 war noch keine tausend Meter weit gediehen, da stand auf dem kleinen Display in digitalem Neusprech, man solle nach dem Magneten sehen. Impulsgeber abgefallen, schlecht montiert? Nö, es sah eigentlich alles gut aus. Und dann bekrabbelte die Anzeige sich wieder, und ein paar Meter weit schien Normalität zu herrschen. Aber dann doch wieder diese Fehlermeldung, und bei rollendem Bike null km/h in der Anzeige.

Hans-Heinrich Pardey Folgen:

Rückkehr zum Händler, kompetente Fehlersuche, kulante Reparatur binnen 45 Minuten, die immerhin mit De- und neuerlicher Montage des Motors verbunden war: Das kurze Kabel zum Sensor an der unteren Hinterbaustrebe war beim Einbau des Motors im Werk so perfekt zerquetscht worden, dass die Steuerung mal Kontakt bekam und mal nicht. Ein falsch verlegtes Kabel – ein Flüchtigkeitsfehler durch eiligste Fertigung? Doch ein umso ärgerlicher, weil er bei der Auslieferungsinspektion nur zufällig zu entdecken war.

Vor etwas mehr als 20 Jahren wurde die Marke geschaffen

Potz Specialized und Konsorten, an den Deutschen von Haibike kommt niemand in Sachen des elektrischen Geländerads vorbei. Keiner auf der Welt hat mehr E-Mountainbikes unterschiedlicher Art und Motorisierung im Programm. Vor etwas mehr als 20 Jahren wurde die Marke geschaffen, nachdem es dem Schweinfurter Traditionshersteller Winora nicht gelungen war, unter eigenem Namen vom Mountainbike-Boom zu profitieren. 2010 hing dann auf der Eurobike über dem Messestand ein erstes elektrisches Xduro. Es machte die Leute wahnsinnig. Und Winora hatte die größte Mühe, im ersten Jahr 2500 Stück zu verkaufen. Nicht, weil so wenige eins wollten, sondern weil sie nicht mehr liefern konnten.

Abgesehen davon, dass die Stückzahlen durch die Decke gingen, hat sich an Lieferschwierigkeiten bis heute nur wenig geändert. Wer im Herbst 2016 nach der Eurobike zum Haibike-Händler seines Vertrauens kam und nach Modellen mit dem neuen PW-X-Motor von Yamaha fragte, dem wurde ein gequältes Grinsen geschenkt: Unter den Weihnachtsbaum könne sich der Interessent so ein Rad unmöglich stellen. Sicher, man habe geordert, aber geliefert würden die Räder erst im Frühjahr. So ist es, man wird Monat um Monat vertröstet.

Das, was wohl eine Mehrheit der Mountainbiker fährt

Das Modellportfolio von Haibike ist nicht so leicht zu überblicken, aber wenigstens etwas lässt sich leicht merken: Die Xduro-Modelle sind die besonders sportlichen. Sduro steht für „light OffRoad“, also das, was wohl eine Mehrheit der Mountainbiker fährt: Wald-, Wirtschafts- und Wanderwege. Dafür sieht das Sduro Hard Seven 7.0 ganz schön grell aus. Wie die Typenbezeichnung und ein erster Blick nahelegen, handelt es sich um ein Hardtail auf pummeligen 27,5-Zoll-Plus-Reifen (Schwalbe Nobby Nic Evo). Die einzelnen Komponenten auf dem Datenblatt abzuhaken ist nicht nötig. Das Rad ist bis auf die ordentlichen Scheibenbremsen (Magura MT4) eher einfach ausgestattet und um den Motor herum auf den Preispunkt 3300 Euro hin konzipiert.

Yamahas PW-X, kleiner und leichter als sein Vorläufer, kann mit seinen schönen 80 Newtonmeter Maximaldrehmoment sehr gefallen. Er jault auch nicht so penetrant wie frühere Yamaha-Motoren. Es gibt nun fünf Unterstützungsstufen, von denen man die erste namens Eco+ gleich vergessen kann. Dagegen geht die höchste „Expw“, was wohl Extra Power heißen soll, ordentlich zur Sache, leert allerdings den 500-Wattstunden-Akku auch zügig. Mountainbiker rechnen zwar gern nur in alpinen Höhenmetern: Eine Mittelgebirgstour von 70 Kilometer Distanz mit Auf und Ab ist, erprobt, ohne Knausern drin.

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Zuletzt der härteste Kritikpunkt: Das PW-X-Display. Formal nicht schlecht integriert in den Vorbau, wie sich das Haibike-Designer in München vorstellen mögen, ist es bei Sonnenschein eine Katastrophe. Viel zu viele Informationsversuche auf einer düsteren Briefmarke mit zu wenig Kontrast. Auch die Drucktasten sind nicht so toll, und der Bedienungssatellit ist nur Schnickschnack. Während die prompte Kraftentfaltung des PW-X am doppelten Kettenblatt gefällt, heißt es bei der Bedienungsoberfläche: Thema verfehlt.

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