07.03.2010 · Viele Hersteller brachten Elektrofahrzeuge auf den Automobilsalon in Genf. Das Angebot ist kaum noch zu überblicken. Für erstaunte Blicke sorgte etwa ein Elektrofahrzeug aus China. Doch es sind noch etliche Fragen zur Mobilität von morgen unbeantwortet.
Von Rüdiger AbeleDie Ouvertüre auf dem Weg in eine emissionsfreie Mobilität spielen Elektroautos: Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2020 vielleicht ein oder zwei Millionen auf Deutschlands Straßen unterwegs sein werden, während die Masse immer noch verbrennungsmotorisch fährt, auch in Hybridfahrzeugen. Vor diesem Hintergrund sind die in Genf präsentierten Elektroautos zwar real. Zugleich malen sie aber auch ein überbuntes Bild der diversen Konzepte.
Für erstaunte Blicke sorgte ein Elektrofahrzeug aus China, der BYD e6. Hinter dem dreibuchstabigen Kürzel steht der Hersteller Build Your Dreams, der einen seiner Träume nach Genf mitgebracht hat: ein Minivan, der bei einer Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h bis zu 400 Kilometer Reichweite haben soll. Bei einem Gesamtgewicht von 2,2 Tonnen ist Skepsis angezeigt, ob die Energiespeicher diese Distanz hergeben. BYD ist davon überzeugt - und präsentierte in Genf zudem eine Kooperation mit Daimler für den Bau und die Vermarktung eines Elektroautos in China. Die Daimler-Marke Mercedes-Benz glänzte in Genf passenderweise gleich gegenüber BYD, dort war der E 300 Bluetec Hybrid zu finden - kein reines Elektroauto, aber immerhin eins mit Plugin-Hybridtechnik, die ein rein elektrisches Fahren über eine kurze Distanz ermöglicht, während ein sparsamer Dieselmotor für die langen Strecken und auch das Aufladen der Batterien zuständig ist.
Eine der Entdeckungen in Genf war ein nobles viersitziges Elektroauto namens Quant: Im übernächsten Jahr soll das futuristisch aussehende Gefährt auf den Markt kommen, sagt sein Schweizer Designer Nunzio La Vecchia. Die präsentierte Ausführung ist an allen vier Rädern mit Elektromotoren ausgestattet, die zusammen eine Leistung von 600 kW haben. 2,8 Sekunden nennt La Vecchia für den Spurt von 0 auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 377 km/h. Die Reichweite liege bei 500 Kilometern. Erstaunt hat vor allem der Preis: 120.000 Euro soll die Limousine kosten - nicht zu teuer für ein Luxusauto mit den erwähnten Leistungswerten, das direkt aus der Zukunft gekommen zu sein scheint. Die Endmontage wird derzeit für die Schweiz geplant: "Swiss made" soll auch hier zum Ausweis für Qualität werden.
Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h
Einen Preis gibt es auch für den Zero von Tazzari, einem italienischen Hersteller: Er ist jetzt schon zu haben, für knapp 24.000 Euro. Er markiert das andere Ende der Elektroauto-Konstruktionen, denn er bietet nur das Nötigste für eine umweltfreundliche Mobilität: Mit Aluminium-Spaceframe und Kunststoffkarosserie wiegt er nur gut 540 Kilogramm und kann mit einer Batterieladung bis 140 Kilometer fahren, ist somit für den Kurzstreckenverkehr konstruiert. Darauf deutet auch die Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h hin. BMW brachte das Konzeptfahrzeug ActiveE auf Basis des 1er mit, der ein Zwischenschritt zu einem künftigen, gezielt als Elektroauto konzipierten Fahrzeug ist. Der bayerische Hersteller verspricht markentypische Fahreigenschaften, für den Antrieb sorgt eine Elektromaschine mit 125 kW, die Reichweite beträgt 160 Kilometer.
Schweizer Akzente setzt die Tüftlerschmiede Rinspeed: Das UC? genannte Fahrzeug soll trotz Fragezeichen im Namen eine Antwort für den künftigen Stadtverkehr sein. 105 Kilometer kommt der zweisitzige Miniflitzer weit, er fährt 120 km/h. Aus Südafrika kommt der Joule vom Unternehmen Optimal Energy. Das Fahrzeug mit üblichen Kleinwagen-Abmessungen bietet vier Personen Platz, die bis zu 300 Kilometer weit kommen. Der Produktionsbeginn ist für 2013 geplant.
Wie eingangs erwähnt: Das Angebot an Elektrofahrzeugen ist kaum noch zu überblicken. Kia präsentiert den Kleinwagen Venga EV. Bei Honda ist das dreirädrige, einsitzige Konzeptfahrzeug 3-RC zu sehen, ausgerichtet auf die Kurzstrecke. Nissan zeigt den Leaf, ein Kleinwagen für vier Personen. Er kommt noch in diesem Jahr auf den Markt, wie etwa der Mitsubishi iMiev und die baugleichen Fahrzeuge Citroën C-Zero und Peugeot iOn. Doch nicht etwa für Normalkunden: Sie werden erst in die Autoflotten großer Unternehmen und Körperschaften gelangen - um weitere Elektroauto-Erkenntnisse zu sammeln. Die Zukunft lässt noch etwas auf sich warten.