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Genfer Autosalon Rollende Antworten auf drängende Fragen

 ·  Die Alternative zum Auto ist das Auto. Mit jenen Antrieben, die noch als Alternativen gelten. Doch wer mit einem neuen und umweltfreundlichen Auto liebäugelt, muss nicht auf morgen warten. In Genf gibt es gute Botschaften.

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Ein Kühlschrank hat eine miserable Beschleunigung von 0 auf 100 km/h. Seine Aerodynamik ist unterirdisch, das Interieur karg, und das beliebteste Modell ist ein Eintürer. Und doch gereicht das Haushaltsutensil in Genf der Automobilindustrie zum Vorbild: An vielen Autos hingen Energiezertifikate, die neben den wichtigsten technischen Daten plakativ auf einer Skala von A für die beste Klasse bis G für die schlechteste klar ausdrücken, wie gut das Auto seinen Energievorrat nutzt und damit auch, wie gering seine Emissionen sind. Und wie beim Kühlschrank ist die Kategorie entsprechend unterlegt mit Farbschattierungen von Grün bis Dunkelrot. Eine gute Idee?

Zumindest eine nicht ganz schlechte. Ein Umweltlabel kann schnelle Orientierung über das Fahrzeugangebot bieten - wenngleich die Klassifizierung darüber auch ihre Schattenseiten hat. Denn prägnant bildet sie nur einen einzigen Aspekt ab. Weitere, nicht minder kaufentscheidende Charakterzüge eines Autos, beispielsweise Komfort und Sicherheit, bleiben außen vor. Doch derzeit treffen sich alle neuen Fahrzeuge und Antriebskonzepte zuvorderst am Punkt Umwelt. Das ist schmerzhaft für manchen Hersteller, weil nicht jedes seiner Autos auf diesem harten Prüfstand Punkte einfährt - und manches sogar wie in Dinosaurier wirkt. Die Realität ist eben unerbittlich. Und der Kunde ist es sowieso.

Starke Verunsicherung bei Umweltfragen

Der gesamte Automobilmarkt ist gerade bei Umweltfragen stark verunsichert, sowohl auf Kunden- wie auf Herstellerseite. Welche Autos werden künftig absetztbar sein? Wie nachhaltig wird sich der Ökologiegedanke wirklich verbreiten? Welche Antriebstechniken werden sich durchsetzen? Viele Fragen werden derzeit geäußert. Der Automobilsalon Genf brachte manche Antwort.

Die erste Antwort lautet: Wer mit einem neuen und umweltfreundlichen Auto liebäugelt, muss nicht auf morgen warten. Er kann jetzt kaufen und erhält bei bedachter Auswahl ein Fahrzeug, das umwelttechnisch auf bestem Niveau ist. Denn was im vergangenen Jahr noch wie Zukunftsmusik klang, ist heute in vielen Fahrzeugen bereits Gegenwart - Start-Stopp-Generatoren etwa oder Bremsenergierückgewinnung.

Es gibt unterschiedliche Konzepte, um ein Auto „grün“ zu machen

Scharfsinnige Überlegungen der Ingenieure haben Mobile auf die Räder gebracht, mit denen man ohne schlechtes Gewissen und zugleich ohne größeren Verzicht fahren kann. Dafür stehen Sortimente wie beispielsweise „Greenline“ (von Skoda) oder „Econetic“ (Ford) - nahezu alle Hersteller haben plakative Bezeichnungen für ihre Anstrengungen gefunden. Aber diese stehen auch hinter neuen Modellen ohne Sonderetikett, zum Beispiel bei der neuen E-Klasse von Mercedes-Benz mit einem laut Hersteller um bis zu 23 Prozent geringeren Treibstoffverbrauch oder beim Bentley Continental Supersports mit einem um 70 (!) Prozent niedrigeren Kohlendioxidausstoß - was in diesem Fall vor allem auf das Konto des Verfeuerns von Ethanol statt Benzin geht. Aber unterschiedliche Treibstoffe werden ohnehin Bewegung in Autos bringen. So nimmt auch das Angebot an Gasfahrzeugen zu - zum Beispiel in Form des VW Passat TSI Ecofuel.

Die zweite Antwort aus Genf betrifft die Technik: Es gibt unterschiedliche Konzepte, um ein Auto „grün“ zu machen - und keins davon wird in absehbarer Zeit allein vorherrschend sein. Es wird ein munteres Nebeneinander verschiedener Technik geben, und der Kunde darf sich die für ihn beste heraussuchen. Autos mit Verbrennungsmotoren werden weiter optimiert, inklusive aller Nebenaggregate.

Nach individueller Mobilität wird der Mensch immer rufen

Das Angebot an Hybridfahrzeugen wird zunehmen - Mitte des Jahres bringt Honda den Insight, in der zweiten Jahreshälfte Toyota die dritte Generation des Prius, Lexus den RX450h mit einem weiterentwickelten Hybridantrieb und BMW den 7er mit zwei Herzen. Spätestens vom Jahr 2010 an wird es ein größeres Angebot an Elektroautos geben, langsam zunächst, aber immerhin. Zum Beispiel Opel steht dazu mit dem Ampera bereit, Mitsubishi mit dem iMiev, Chrysler etwas später mit dem 200C EV. Und auch das Brennstoffzellenfahrzeug mag eines Tages tatsächlich kommen - an dieser Stelle war die Zukunftdoch noch nicht greifbar.

Die dritte Antwort aus Genf ist die Gewissheit, dass Autos auch künftig nicht nur das schiere Bedürfnis nach Mobilität erfüllen, sondern weiterhin unsere Wünsche und Träume abbilden werden. Neben vornehmlich funktionalen Fahrzeugen unterschiedlicher Art wird Raum bleiben für Sportwagen, für Cabriolets, für Tuning und für Luxusmobile. Aber auch für Kleinserienhersteller: Morgan denkt über, einen leichten Roadster mit einem dieser formidablen Dreizylindermotoren nach, die bei Großherstellern ins Serie sind. Fisker tritt mit dem Karma an, der Hybridtechnik unter der Karosserie hat. Die Autowelt wird bunt bleiben - weil die Kunden unterschiedliche Vorstellungen darüber haben.

Was zur vierten und erst einmal letzten Erkenntnis aus Genf führt, die lapidar klingt, jedoch fundamental ist: Das Auto ist nicht tot. Denn nach individueller Mobilität wird der Mensch immer rufen.

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Von Michael Spehr

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