07.03.2007 · Arbeitet Peugeot-Citroën gegen den Trend? Mitten in der CO2-Diskussion stellt der französische Autokonzern sein erstes Allradauto vor. Für den Vorstandschef kein Widerspruch: Verbrauchsarme Geländewagen sind für ihn die Zukunft.
Von Henning Peitsmeier, GenfDer schwarze Peugeot 4007 ist ständig von Fotografen umlagert. Es ist der erste sportliche Geländewagen des französischen Autoherstellers, und er verspricht laut Werbung in seiner Edelversion „Luxus und Abenteuer.“ Diese Botschaft klingt mitten in der Diskussion um Klimawandel befremdlich. Denn tatsächlich wird auf dem Autosalon in Genf viel über CO2-Emissionen und wenig über Fahrspaß geredet.
Und während bei Peugeot-Citroën der schwarze 4007 enthüllt wird, präsentiert nicht weit entfernt Toyota-Chef Katsuaki Watanabe mit großem Pomp die nächste Generation der Hybrid-Fahrzeuge, redet der Volkswagen-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn von der Verpflichtung der europäischen Nummer eins, auch bei besonders umweltschonenden Autos Marktführer zu sein, preist Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche das einstige Sorgenkind Smart als „CO2-Champion“ und stellt BMW seine leistungsstarken Motoren unter das Öko-Motto „Efficient Dynamics“, das der Vorstandschef Norbert Reithofer als Beitrag der Münchner zum Energiesparen bewertet wissen will.
Wieso stellt Peugeot jetzt ein Sports Utility Vehicle (SUV) vor? Jene Autos, die wegen ihres hohen Kraftstoffverbrauchs von Umweltschützern als „PS-Monster“ diffamiert werden? Ausgerechnet die Franzosen, die vor zwei Jahren die ersten Rußpartikelfilter in ihre Dieselautos eingebaut haben und als Umweltpionier gefeiert wurden, steigen jetzt in dieses Fahrzeugsegment ein. Warum? Die Antwort von Christian Streiff, dem neuen Konzernvorstandsvorsitzenden, kommt prompt und kann es mit den Öko-Aussagen der Konkurrenz aufnehmen: „Unser 4007 ist der erste Schritt in Richtung grüner SUV.“ Der französische Geländewagen ist mit einem 156 PS starken Dieselmotor ausgestattet, der laut Streiff durchschnittlich nur 7 Liter verbraucht.
Restrukturierungsprogramm „Cap 2010“
Für Streiff sind spritsparende SUVs die Zukunft. Schon heute beträgt der SUV-Anteil in der Oberklasse gut 40 Prozent, das Segment ist stark gewachsen. Weder Peugeot noch die Schwestermarke Citroën hatten hier bislang ein Angebot. Weil Streiff an eine weitere Zunahme der SUVs bis 2015 glaubt, wird die Modellpalette nun nach oben abgerundet. Denn im unteren Fahrzeugsegment fühlt sich Streiff bestens aufgestellt: „Zwei Drittel aller Autos, die weniger als 110 Gramm CO2 ausstoßen, stammen von Peugeot und Citroën.“ Streiff ist erst seit Anfang Februar neuer Vorstandsvorsitzender des PSA-Konzerns.
Zuvor war er an der Spitze des Flugzeugherstellers Airbus im Streit ausgeschieden, hatte dort aber noch das Sanierungspaket „Power 8“ geschnürt. Bei Peugeot-Citroën wird in diesen Tagen ebenfalls an einem Restrukturierungsprogramm gearbeitet, das den Titel „Cap 2010“ trägt und den Autokonzern für die kommenden drei Jahre neu ausrichten soll. Details des Plans will Streiff im Mai der Öffentlichkeit präsentieren.
Branchenfachleute haben bei PSA zwei Schwachstellen ausgemacht: Zum einen belasten Überkapazitäten, weil einige neue Modelle wie der 1007, ein Kleinwagen mit extravaganter Schiebetür, zu wenig Käufer finden. Statt der erwarteten 4 Millionen Autos wurden nur 3,4 Millionen Fahrzeuge der beiden Marken Peugeot und Citroën verkauft. Zum anderen ist der PSA-Konzern zu stark abhängig vom hartumkämpften und stagnierenden Markt Westeuropas. Zwei Drittel aller Autos werden hier verkauft.
Billigauto soll Gewinn bringen
Die bisher bekannten Eckdaten des Cap-2010-Programms weisen unverkennbare Gemeinsamkeiten des Drei-Jahresplans von Renault-Nissan auf, den der dortige Konzernchef Carlos Ghosn schon ein Jahr früher aufgelegt hat: Wie Ghosn will auch Streiff trotz der Überkapazitäten Entlassungen in den westeuropäischen Werken vermeiden. Stattdessen wird an der Produktqualität gearbeitet, sollen Kosten gesenkt werden. Nicht zuletzt sollen eine ganze Reihe neuer Modelle für eine Auslastung der Werke sorgen. Anders als Renault-Nissan wurde aber bei PSA noch unter Führung von Streiff-Vorgänger Jean-Martin Folz ein Werk geschlossen: Im britischen Ryton ist im vergangenen Jahr die Produktion des Kleinwagens 206 ausgelaufen. Dass nun noch einmal eine PSA-Fabrik dichtgemacht werden könnte, gilt allerdings als unwahrscheinlich.
Kosten will Streiff vor allem sparen, indem die Zulieferer stärker als bisher in die Arbeit an Modellwechseln einbezogen werden. Die Produktion soll auf einem Kostenniveau laufen, das zum Bau von 3,5 Millionen Autos notwendig ist. Dabei sind sie für 4 Millionen Autos ausgelegt. So viel will Streiff von Peugeot und Citroën auch wieder bauen lassen. Dass Wettbewerber wie Renault-Nissan und Fiat im selben Marktsegment expandieren wollen, stört Streiff nicht. Über Sieg und Niederlage würden die Produkte entscheiden. Für ihn stehe die Qualitätsverbesserung der Autos an oberster Stelle.
Deshalb sollen bis 2010 nicht nur sportliche Geländewagen im Premiumsegment, sondern auch preiswerte Autos unter 10.000 Dollar für Schwellenländer hinzukommen. Mit dem Billigauto, über das Konkurrent Renault mit dem Logan schon verfügt, will Peugeot nicht nur Volumen erzielen, sondern auch Gewinn. Zuletzt war das Jahresergebnis 2006, belastet von Restrukturierungskosten und Wertberichtigungen, auf 63 Millionen Euro (minus 94 Prozent) eingebrochen. Der Betriebsgewinn erreichte immerhin noch 1,12 Milliarden Euro.
CO2 Flottenverbrauch
Stefan Sedlaczek (sedlaczek1)
- 07.03.2007, 09:18 Uhr