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Veröffentlicht: 20.04.2017, 10:43 Uhr

Gebrauchtwagenmesse in Peking Autos, so weit das Auge reicht

Ortstermin auf dem größten Gebrauchtwagenmarkt der Welt: Rolls-Royce in Reihe, Maserati en masse und Bentley im Dutzend. Nur aus China gibt es hier nichts.

von Tom Debus
© Caro / Sorge Ein ganz anderes Bild: Im Stau vor einer Mautstelle in Peking fehlen die Autos der oberen Mittel- und Oberklasse, die wiederum auf den Gebrauchtwagenmärkten im Mittelpunkt des Interesses stehen.

Groß, größer, China. Wer in der Autowelt nach Rekorden sucht, der landet derzeit fast immer im Reich der Mitte: Die längsten Staus, die neuesten Straßen, die höchsten Zulassungszahlen, die spektakulärsten Händler – die Volksrepublik ist für die PS-Branche ein einziger Superlativ. Kein Wunder, dass auch der größte Gebrauchtwagenmarkt der Welt in Peking zu finden ist: Eine Stunde südwestlich des Zentrums füllt er im Fengtai-Distrikt ein Areal so groß wie eine kleine Stadt und bietet eine Szenerie, die ihresgleichen sucht: Autos, so weit das Auge reicht, stehen hier Spiegel an Spiegel und warten auf neue Kunden.

Nach Marken oder zumindest nach Preissegmenten sortiert, bieten über 500 kleine und große Händler hier fast alles an, was die Hersteller aus Deutschland oder Detroit, aus England und aus Japan auf die Räder stellen: Rund 10.000 Autos parken auf einem Areal, das größer ist als ein Dutzend Fußballplätze. Ob Donnerstag Nachmittag oder am Sonntagmorgen - egal wann man zwischen morgens sieben und abends sechs Uhr durch die kilometerlangen Reihen der Gebrauchten flaniert, man ist nie alleine.

45961053 Und hier stehen die Edelkarossen © Debus Bilderstrecke 

Denn im ganzen Land boomt das Geschäft mit den Second-Hand-Autos. Im vergangenen Jahr gab es schon sieben Millionen Besitzumschreibungen, und bis 2020 erwartet der chinesische Händlerverband einen Gleichstand mit den Neuwagen und damit fast 30 Millionen Gebrauchtwagen-Deals im Jahr. Entsprechend hoch geht es auch auf dem größten Blechbasar der Welt zu: 450.000 Autos werden allein hier pro Jahr umgeschlagen, die Tendenz ist steigend. In Deutschland werden jährlich gut doppelt so viel Gebrauchtwagen umgeschrieben wie Neuwagen verkauft. Nach dem ersten Halbjahr 2016 steht es 3,74 zu 1,73 Millionen.

„Ein bisschen handeln muss schon sein“

Noch vor ein paar Jahren wäre es für die meisten Chinesen undenkbar gewesen, ein gebrauchtes Auto zu kaufen. „Man fuhr lieber ein kleineres als eines, in dem schon mal jemand anderes gesessen hat“, sagt Zhu Zuguang vom Online-Portal Bitauto, der den Markt besser kennt als die meisten anderen. Doch mittlerweile müssen zumindest ein paar von Maos Erben ebenfalls aufs Geld schauen oder haben erkannt, dass sie mit einem Gebrauchten schneller aufsteigen können in der automobilen Hierarchie. Während das wahnwitzige Wachstum bei den Neuwagen gerade ein wenig abkühlt, zieht es bei den Gebrauchten deshalb kräftig an. Die Händler auf dem Beijing Used Vehicle Trading Market können davon ein Lied singen. Denn ihr Umschlag beschleunigt sich immer mehr: „Früher standen die Autos auch mal drei, vier Wochen. Aber heute sind sie oft schon nach ein paar Tagen wieder weg“, sagt einer, vor dessen Bürocontainer so viele Audi A6 parken, dass die Tagelöhner mit den Wascheimern kaum hinterherkommen. Wenn der letzte Wagen in der Reihe halbwegs sauber ist, können sie deshalb vorn gerade wieder anfangen.

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Und bevor er weiter über die Usancen des Geschäfts reden kann, verwickelt ihn schon wieder ein Pärchen in eine Kaufberatung. Den oder den? Und wenn ja, für wie viel? Wie es sich gehört bei Gebrauchtwagen, sind auch hier in Peking die Preise nicht in Granit gemeißelt. „Ein bisschen handeln muss schon sein“, bestätigt der Verkäufer das Klischee. Nur von Probefahrten halten sie hier nichts. Wie auch, bei so einem riesigen Auftrieb im Markt und dem Dauerstau davor?

Feilschen um einen Ferrari?

Während gewöhnliche Massenware - und dazu zählen hier auf dem Gebrauchtwagenmarkt selbst ein BMW-7er mit V12-Motor oder eine Mercedes S-Klasse im AMG-Trimm – draußen im Straßenstaub langsam den Glanz verliert, stehen die wirklich spannenden Autos in den fünf, sechs kaufhausgroßen Hallen in der ersten Reihe: „Zhong Sheng Luxury Car Center“ prangt an den großen Glasscheiben. Wer durch die Tore tritt, steht mittendrin in einem PS-Paradies, gegen das die Tiefgarage eines Grand Hotels in Dubai zu einem Armenhaus wird. Rolls-Royce parken hier in Reihe, es gibt Maserati en masse, die vielen G-Klassen im AMG-Trimm, die Panamera und Cayenne kann man kaum zählen. Dazwischen Ferrari und Lamborghini, Lotus oder McLaren, Bentley im Dutzend, sogar ein BMW i8 steht hier schon zum Verkauf.

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