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Ford Focus RS 305-PS-Spektakel zum Discountpreis

 ·  VW Golf GTI war gestern. Der Ford Focus RS macht für 33.900 Euro jede Fahrt zum Erlebnis. Auf der Autobahn trotzt er manchem Porsche. Aber die sehr hohe Motorleistung könnte den einen oder anderen Novizen auch überfordern.

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Nimm wenigstens die Lesebrille ab, wenn du fährst“, mahnt der halbwüchsige Sohn. Ja, schon jenseits der 30 ist man für dieses Auto eigentlich zu alt. Der Ford Focus RS ist der stärkste Serien-Focus aller Zeiten, weil Ford ihm einen Fünfzylinder-Turbomotor unter die Haube gepackt hat, der glatte 224 kW (305 PS) auf die Vorderräder bringt und damit jeden VW Golf GTI zum Statisten auf der Autobahn macht. Mit einer Spitze von sage und schreibe 263 km/h kann man es sogar mit manchen Porsches aufnehmen, schwächeren Boxstern oder älteren Elfern zum Beispiel. Doch das überlassen wir den jungen Heißspornen.

Damit man auch sieht, dass man ein schnelles Auto fährt, wurde dem seit Januar angebotenen RS reichlich Kriegsbemalung - oder genauer -ausrüstung - zuteil. Die Front ist schärfer geschnitten, ein großer Kühler, Lufteinlässe auf der Motorhaube, andere Scheinwerfer und natürlich ein dicker Spoiler sollen Vorausfahrenden im Rückspiegel klarmachen, dass da kein Schmalhans unterwegs ist. (Klappt nur nicht so recht.) Seitenschweller sind selbstverständlich, der riesige Flügel am Dach samt Diffusor ist eigentlich eine Zumutung für eher zurückhaltende Menschen. Heckschürze und zwei armdicke Auspuffrohre fehlen nicht. Für 1350 Euro gibt es dazu noch eine Lackierung in Neongrün, die beinahe in den Augen schmerzt. Blaumetallic kostet 480 Euro Aufpreis, wer nur weiß RS fährt, zahlt für die Farbe nichts. Wer ihn dann fährt, muss sich oft einiges anhören. „Fliegst du jetzt nach Hause?“ und „Fährst du jetzt Rennen?“ waren noch die einfallsreichsten Sprüche, die uns zuteilwurden.

Er soll den Wagen auf der Straße halten

Der Flügel ist selbstredend nicht nur Show, er soll den Wagen auf der Straße halten. Was gelungen ist, wir sind nicht einmal abgeflogen, haben es aber auch nicht darauf angelegt. Im Alltag bietet der RS - den man durchaus als Sportwagen verstehen kann - zunächst die Vorteile des relativ guten Platzangebotes. Vier Personen können kommod mitfahren, der Kofferraum hat ein anständiges Maß (350 Liter) und kann durch Umlegen der Rückbank erweitert werden. In diesem Sinne ist der RS ein ganz biederes 4,40-Meter-Kompaktauto - sieht man von den Recaro-Sportsitzen und einer etwas aufgepeppten Innenausstattung ab.

Aber wehe, wenn er losgelassen. Sofort nach dem Start brabbelt der Motor los und teilt Insassen wie Außenstehenden mit, dass hier kein 08/15-Triebwerk unter der Haube sitzt, sondern mehr als 300 Pferde losgelassen werden wollen. Die übrigen Eckdaten sind 2,5 Liter Hubraum und ein Drehmoment von 440 Newtonmeter bei 2300 Umdrehungen. Ursprünglich stammt das Triebwerk von Volvo.

Obwohl Ford mit dem sogenannten „RevoKnuckle“ an der Vorderachse Antriebseinflüsse aus der Lenkung nehmen und mit einem automatischen Sperrdifferential die Traktion erhöhen will, zerren die 305 PS kräftig an den Rädern, was einem den Spaß mit dem Wagen aber kaum verdirbt. Gewöhnen muss man sich an das brettharte Fahrwerk. Komfort wird in diesem Auto ganz klein geschrieben. Leistung dafür umso größer. In sechs Sekunden kann von 0 auf 100 km/h gespurtet werden, wobei der Turbolader für einen heftigen Zusatzschub sorgt, der aber schon sehr früh einsetzt. Ein Turboloch gibt es kaum. Auch die Elastizität kann sich sehen lassen: Von 50 auf 100 km/h beschleunigt der RS in nur 6,7 Sekunden, im 5. dauert diese Prozedur kaum länger: 9,5 Sekunden. Die sechs Gänge sind im Alltag in Windeseile durchgeschaltet - oder man dreht die Maschine aus. Der 2. Gang reicht bis 110, der 3. bis 150 km/h. Beim Weg vom 5. in den 6. kann man mitunter im 4. landen, da muss man aufpassen.

Auf der kurvigen Landstraße die Pferde laufen lassen

Aufpassen heißt es auch, wenn man auf der kurvigen Landstraße die Pferde laufen lässt. Zwar ist der RS (steht für Rallye Sport) nicht tückisch, er untersteuert beherrschbar, und ESP ist wie ABS oder sechs Airbags Serienausstattung, aber die sehr hohe Motorleistung könnte den einen oder anderen Novizen überfordern.

So gesehen ist es kein Fehler, sich als eher gereifte Person mit dem RS bekannt zu machen. Obwohl das Preis-Leistungs-Verhältnis fast schon unverschämt (und einmalig) ist - für 111,14 Euro bekommt man ein PS und ein Auto, das schneller als 250 fährt -, bleibt der Power-Focus ein Außenseiter.

Er tritt einfach zu prollig auf, und unbequem ist er dazu. Vom hohen Benzinverbrauch haben wir auch noch nicht gesprochen. Wer ihn richtig scheucht, benötigt gewiss mehr als 15 Liter Superbenzin auf 100 km/h. Wir kamen auf einen Schnitt von 12,4 Liter. Ein VW Golf GTI hat zwar den zahmeren Auftritt, nur dass dieser bei 210 PS auch schon 26.650 Euro kostet. Vom RS gibt es nur 1000 Einheiten für Deutschland, wer noch einen als Neuwagen will, sollte sich beeilen.

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Jahrgang 1959, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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