14.09.2008 · Blechdach-Kabrios gibt es inzwischen reichlich. Wie alle Vertreter dieser Bauart hat auch Ford Mühe, ein veritables Kabrio-Gefühl zu vermitteln. Der Ford Focus kann im Wettbewerb punkten - aber Käufer müssen auch ein paar Augen zudrücken können.
Von Gerold LingnauObwohl der edle Wettstreit zwischen den Stoffverdeck-Kabrios und ihren zeitgeistigen Blechfaltdach-Konkurrenten wieder mehr zugunsten der klassischen Bauart ausgeht, haben die Coupé-Kabrio-Zwitter ihre feste Anhängerschaft gefunden - gewiss mehr aus praktischen denn aus Design-Gründen, denn das feste Dach hat als Winter- und Einbruchvorsorge durchaus seine Meriten. Wenn dann noch ein Angebot wie das Ford Focus Coupé-Cabrio daherkommt, das nicht nur im Rahmen der konstruktiven Möglichkeiten schick aussieht, sondern auch noch preisgünstiger ist als seine unmittelbaren Wettbewerber, dann könnten auch engagierte Freunde des Stoffdachs schwach werden. Das relativ junge Modell - seit 2006 wird es im Ford-Auftrag bei Pininfarina in Italien gebaut - hat sich jetzt dem gleichen Facelift wie seine Limousinen- und Kombipendants unterzogen, das eine gewisse Großmäuligkeit im Mondeo-Stil mit sich brachte, doch im Übrigen ist es ganz das alte geblieben.
Das bedeutet, dass es wie alle Vertreter seiner Bauart Mühe hat, ein veritables Kabrio-Gefühl zu vermitteln. Die weit nach hinten reichende Frontscheibe - sie soll die folgende Dachfläche möglichst kurz halten und so ihr Verpacken im Kofferraum erleichtern - schützt die vorn Sitzenden fast übervorsichtig vor Zugluft. Selbst wenn sie die Seitenscheiben hinunterfahren und auf das unkompliziert einsteckbare Windschott (305 Euro) verzichten, werden ihre Locken allenfalls gekräuselt. Hinten geht es natürlich stürmischer zu: Hier beschränkt sich die Kapazität auf zwei Passagiere, und die sind mangels Sitztiefe und Kniefreiheit mehr schlecht als recht untergebracht. So ist der Focus CC strenggenommen mehr Roadster- als Coupé- oder gar Limousinenersatz, und anders werden ihn die meisten Käufer auch gar nicht sehen wollen.
Großer Kofferraum
Einer seiner Vorzüge ist der verhältnismäßig große Kofferraum, der mit geschlossenem Dach erfreuliche 534 und mit offenem immerhin 248 Liter fasst. Vergrößerbar ist er allerdings wegen der Dachkonstruktion nicht. Nachteilig sind seine zerklüftete Form und die hohe Ladekante sowohl nach außen wie nach innen. In seinem Kellergeschoss hat ein Notersatzrad Platz. Die Vordersitze sind etwas schmal, aber angenehm; das Patchwork aus Echt- und Kunstlederbezug, das bei der gehobenen Ausstattungsversion Titanium (die Basis heißt Trend) serienmäßig ist, sieht so billig aus, wie es vermutlich auch ist. Instrumente und Bedienungselemente sind frei von unnötigen Spielereien, man fühlt sich als Fahrer sofort zu Hause. Der Schalter zum vollautomatischen Betätigen des Dachs muss beim gesamten Vorgang - für Auf wie Zu je 27 Sekunden - gedrückt werden, und das Ganze vollzieht sich nur im Stand. Rechtzeitige Parkplatzsuche ist also bei einem drohenden Gewitterguss ratsam. Unter den drei erhältlichen Motoren, davon ein Diesel, ist der Zweiliter-Benziner nominell der stärkste.
Wir würden trotzdem den Diesel vorziehen, denn die an sich stattlichen 145 PS des Ottos scheinen zum Frust des Fahrers immer mal abwesend zu sein, wenn er sie dringend benötigt. Trotz recht kurzer Übersetzungen braucht dieser Focus CC selbst im 4. Gang mehr als 14 Sekunden, um von 50 auf 100 km/h zu beschleunigen, im obersten 5. gar über 20 Sekunden. Dafür ist der Motor angenehm leise, man kann sehr schön mit ganz niedrigen Drehzahlen dahinbummeln, was für die artgerechte Kabrio-Haltung nicht unwichtig ist, und die 10,6 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h wie die 209 km/h Höchstgeschwindigkeit sind ja auch nicht schlecht. Nicht zuletzt dem hohen Gewicht von mehr als 1450 Kilogramm, aber auch dem beim Offenfahren höheren Verbrauch sind die 8,9 Liter Super je 100 Kilometer zuzuschreiben, für die mit 55 Liter Tankinhalt ausreichend Vorsorge getroffen ist.
Hohe Kurvensicherheit
Das exzellente Fahrwerk des Focus hat natürlich auch der CC, es vereint hohe Kurvensicherheit - das ESP bekommt wenig zu tun, und die Lenkung verdient jedes Lob -, tadellosen Geradeauslauf und angenehmen Federungskomfort. Sehr ordentlich arbeitet auch die Bremsanlage. Seitenwind lässt das Kabrio spüren, lästiger sind aber die Luftgeräusche bei schneller Fahrt. Und ein Potpourri aus Knarzen und Knacken, das auf schlechten Fahrbahnen aus dem Gebälk des Blechdachs dringt, lässt leider leise Zweifel an der italienischen Qualitätsarbeit aufkommen. Mehr als störend ist es freilich nicht.
Mit dem Zweiliter-Benziner kostet der Focus CC 28.075 Euro, wenn man den Titanium wählt. 2500 Euro billiger wäre der Trend, und man sollte genau überlegen, ob das Ausstattungsplus des Teureren im Einzelfall den Mehrpreis wert ist. Vieles Erstrebenswerte muss auch beim Titanium extra bezahlt werden, etwa die wichtige Parkhilfe hinten (400 Euro), die Bi-Xenon-Scheinwerfer (860 Euro) oder jede Art von Audio- und Navigationssystem (ab 805 und 1615 Euro). So kam unser Exemplar auf rund 33 500 Euro. Für den Dieselmotor müsste man noch einmal 2000 Euro draufrechnen: Das dürfte sich trotzdem lohnen.
Hübsches Cabriolet!
Shora Fix (shorafix)
- 15.09.2008, 19:59 Uhr