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Veröffentlicht: 18.06.2015, 16:15 Uhr

Flugzeugklassiker Der Himmel voller Oldies

Am südbadischen Flugplatz Bremgarten ist ein Paradies für Liebhaber fliegender Oldtimer entstanden. Bei Meier Motors werden seltene Flugzeugklassiker restauriert, gewartet und geflogen.

von Jürgen Schelling
© W. Birkholz Eine klassische Schönheit: De Havilland D.H. 104 Dove. Dieser Eindecker fungierte als Zubringerflugzeug für Luftfahrtgesellschaften.

Ein bisschen fühlt man sich beim Betreten der Halle wie ein Entdecker in einer Oldtimer-Schatztruhe. Nur, dass hier statt Flügeltürer, Porsche 911 oder Ferrari 246 eine Jungmann, eine Stearman oder eine Tiger Moth für leuchtende Augen des Veteranenfreunds sorgen. Was das für Typennamen sind?

Es handelt sich um fliegende Klassiker, also eine Jungmann des ehemaligen deutschen Flugzeugbauers Bücker, die Stearman aus der Frühzeit des amerikanischen Giganten Boeing oder eine Tiger Moth des britischen Traditionsherstellers deHavilland. Diese drei Doppeldecker und etliche weitere Oldies stehen verteilt in zwei großen Hangars am südbadischen Flugplatz Bremgarten, ungefähr 30 Kilometer südlich von Freiburg. Und überall wird an den Klassikern geschraubt, repariert oder restauriert.

Wie aber kommt es zu der ungewöhnlichen Ansammlung fliegender Pretiosen hier an einem ehemaligen Militärflugplatz? Dazu bedarf es einer Zeitreise. Ende der 1970er Jahre nimmt Adolf Meier, Landwirt aus einem Dorf bei Freiburg, seine beiden Jungs Elmar und Achim gern mal mit auf einen Rundflug im eigenen Flugzeug. Das ist aber keine übliche Cessna oder Piper, sondern ein selbstrestaurierter Fieseler Storch. Also eines der berühmtesten Flugzeuge in Deutschland aus den 1940er Jahren mit legendären Kurzstarteigenschaften. Die Geschichte, wie er zu dem Flugzeug kam, ist fast unglaublich.

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Eigentlich sollte er im Auftrag seiner Mutter einen Traktor für das familieneigene Weingut bei einer Auktion der französischen Armee erwerben. Stattdessen kommt er mit dem Fieseler Storch in Teilen von der Versteigerung zurück nach Hause. Die perplexe Mutter wird damals mit der Ausrede beruhigt, dass man mit dem Storch in Zukunft die eigenen Reben aus der Luft besprühen könne. Der Klassiker wird in den nächsten Jahren in Eigenregie restauriert, und erst im Anschluss daran macht Adolf Meier seine Pilotenlizenz. Seine Söhne werden also früh im Umgang mit einem Oldtimer geprägt. Kein Wunder, dass seine beiden Jungs später auch beruflich etwas mit Technik machen: Achim als Fluglehrer am Flugplatz in Freiburg, der jüngere Bruder Elmar als Kraftfahrzeug-Mechanikermeister.

34851708 © Uwe Stohrer Vergrößern Passend bis ins Detail: Arbeiter an Tragflächenreparatur.

Die Initialzündung für die Brüder, ihr Hobby zum Beruf zu machen, kommt im Jahr 1992, mit dem Kauf des ersten Doppeldeckers vom Typ Boeing Stearman, Baujahr 1943. Dieser muss von ihnen umfangreich restauriert werden. Es klappt hervorragend, und nach zwei Jahren harter Arbeit erstrahlt der Klassiker wie neu. Das ist quasi die Infizierung mit dem Oldtimer-Virus.

Besonders wichtig: Etwas Nachhaltiges entstehen lassen

Ende der Neunziger gelingt es ihnen zusammen mit einem Bekannten, ein Propellerflugzeug vom Typ North American T-6 aus den 1940er Jahren aufzutreiben. Ein Sternmotor mit 450 PS und die gute Kunstflugfähigkeit dieses amerikanischen Klassikers sorgen für Begeisterung. Durch Zufall wird in dieser Zeit für den jungen Familienvater Elmar Meier die Stelle eines Flugzeugmechanikers für kleine Propellermaschinen am Freiburger Flugplatz frei, eine glückliche Fügung.

Die Werft gehört zur Flugschule, bei der auch Bruder Achim angestellt ist. Von einem routinierten alten Hasen in der Flugzeugwartung bekommt Elmar Meier viel gezeigt, zudem bildet er sich zum Luftfahrtprüfer weiter. Zusammen mit Bruder Achim verkauft er anfangs des neuen Jahrtausends die T-6 wieder. Dann wird als Steigerung eine russische Yak-11 angeschafft: 700 PS, Siebenzylinder-Sternmotor, fast 500 km/h - im Vergleich zur T-6 ein Unterschied wie ein Porsche zum Käfer. Das Oldtimer-Virus bekommt neue Nahrung.

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