23.10.2008 · Automarken und die Botschaften hinter ihren Zeichen: Die Logos sind Historie und Verbindung in die Zukunft. Wie Adelsfamilien, Fürstenhäuser und Nationen bedienen sich auch die Autohersteller für ihre Wappen an Adlern, Raubkatzen und Löwen.
Von Hans-Roland ZitkaNaturreligionen schworen auf Totems, Völker und Stämme identifizierten sich mit edlen Tieren, beschworen sie förmlich, um ihrer Kampfesstärke teilhaftig zu werden. Den Gedankenkreis schließt der Lorbeerkranz des Siegens.
All das ist nicht nur Inhalt der Wappen von Adelsfamilien, Fürstenhäusern und Nationen - auch Automobilmarken bedienen sich dieser Bilder. Die kraftvollen Schwingen des Adlers sind hier ebenso Allgemeingut wie die Darstellung wilder Pferde, Raubkatzen, Löwen und ähnlich außerordentlichem Getier.
Beispiel Jaguar. Größtes und gefährlichstes Katzenraubtier, behende und schnell - ideal für eine Automarke. Jaguar hat sich nicht nur den Namen des Tieres zu eigen gemacht - der furchterregende Kopf und der schlanke Körper im gestreckten weiten Sprung wurden abwechselnd zum Firmenlogo und blieben es mit kurzer Unterbrechung (Adlerschwingen!) bis in die Gegenwart. Erst der neue XF verzichtet auf diese Tradition, verlässt das typische Markendesign, entsagt der springenden Katze - ihm genügt ihr Kopf im Wagengrill.
Ein schwarzes Ross als Zeichen für Dynamik
Anderswo ist ein sich aufbäumendes schwarzes Ross auf gelbem Grund seit 1947 Symbol für erfolgreichste Rennwagentechnik, für Formel 1-Spannung und Weltmeistertitel: Wie Ferry Porsche baute vor 60 Jahren auch Zeitgenosse Enzo Ferrari seinen ersten eigenen Sportwagen, beide leiteten damit Markengeschichte ohnegleichen ein und behielten deren Symbole unverändert bis in unsere Tage.
Ferry Porsche, Anfang der fünfziger Jahre von US-Importeur Maxi Hoffmann um ein Qualitätssiegel für seine Sportwagen gebeten, beauftragte Konstrukteur Franz Xaver Reimspieß (von ihm soll auch das VW-Logo stammen), ein heraldisch anspruchsvolles Wappen zu entwickeln, „welches gleichermaßen die Wurzeln des Unternehmens als auch die Qualität und Dynamik seiner Produkte“ symbolisieren sollte.
Löwenstark gibt sich Peugeot
In einem goldenen Schild zeigt das Porsche-Logo seither schnelles Getier wie das aufsteigende Pferd des Stuttgarter Stadtsiegels und die Geweihstangen flinker Hirsche aus dem Wappen Württemberg-Hohenzollerns, alles unter dem schützenden Dach des Porsche-Schriftzuges auf Gold neben Schwarz und Rot. Und diese Farben lassen Phantasien Raum, denn Schwarz und Rot waren sowohl die Wappenfarben Württemberg-Hohenzollerns, aber auch jene des Sudetenlandes, aus dem die Porsches bekanntlich stammen. Die Verbundenheit besonders Ferdinand Porsches dorthin ist unbestritten - der sich insgesamt ergebende schwarz-rot-goldene Dreiklang symbolisiert schließlich die Wahlheimat der Porsches in Deutschland.
Löwenstark gibt sich bekanntlich Peugeot. Eiserne Festigkeit und Qualität suggerierend, taucht das königliche Raubtier bei dieser Marke schon Mitte des 19. Jahrhunderts auf, als „les fils de Peugeot Frères“ noch Werkzeuge und Fahrräder herstellten. Seither paradiert der Löwe in allen Facetten, Stellungen und Formen, 1909 hieß die Marke sogar Lion-Peugeot, um sich dann 1949 im Modell 203 dem heute geläufigen, stilisierten Löwen anzunähern, zuerst in Gold, heute eher in Silber und völlig freigestellt. Im Jahrhundert des Automobils trug also ein Löwe Frankreichs erfolgreichste Marke stolz in alle Welt.
Skodas Verhältnis zu Indianern
Es müssen aber nicht immer Tiere sein, die Schnellkraft und Stärke zum Ausdruck bringen. Der geflügelte Pfeil von Skoda soll beispielsweise auf den Kopfschmuck eines Indianers zurückzuführen sein, von dem sich einst der reiselustige Firmenchef Emil Skoda in Amerika begleiten ließ. Die zuerst sein Büro zierende Fotografie des Indianers mauserte sich schließlich über ein Relief zum Markenzeichen. Der blaue Pfeil mit Federbusch zeigte zunächst fünf Indianerfedern, später wegen laufend auftretender Reproduktionsschwierigkeiten deren drei.
Bis 1925 verließen alle in Mladá Boleslav gebauten Fahrzeuge die Fabriktore mit doppelter Firmierung, nämlich mit jener von Laurin & Klement und von Skoda. Heute ist die Farbe Grün beherrschend, sie soll die Verpflichtung zu umweltfreundlicher Produktion darstellen. Der Flügel steht für technischen Fortschritt, der Pfeil für moderne Produktionsmethoden und der augenartige Kreis für Weitblick und Präzision.
Siegerkränze und Rekorde bei Opel
Pfeile und Blitze werden auch anderswo gerne als Ausdrucksmittel für Kraft und Schnelligkeit verwendet - beispielsweise bei Opel. Zeigen die seit 1862 hergestellten Nähmaschinen noch eine zeitgemäße Buchstabenkombination wie A und O (die Initialen des Firmengründers Adam Opel), so taucht schon bei den Ende des Jahrhunderts produzierten Fahrrädern die Bezeichnung „Blitz“ auf. Bei Motorrädern, dann auch bei Motorwagen wurde zuerst der geschwungene alte Opel-Schriftzug verwendet, die Automobile aber trugen bald das seitlich zugespitzte und in kleine Pfeile auslaufende „Opel-Auge“, dessen Andeutung eines Siegerkranzes an Rekorde und Rennerfolge erinnert.
Mitte der dreißiger Jahre schmückt dann ein Zeppelin die Kühler von Olympia, Kapitän und Admiral, er sollte Innovationskraft und technischen Fortschritt symbolisieren. Als mit diesen Luftschiffen kein Furore mehr zu machen war, verschwand er von seinem exponierten Platz, „flog“ aber ab 1937 quer durch ein symbolisiertes Rad, das beispielsweise das Heck des Kapitän Cabriolets zierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg taucht in diesem Rad zuerst ein schlanker geflügelter Körper auf, um 1963 in einen gezackten Blitz überzugehen - auch er durchstößt das Rad und führt zu dem heutigen Symbol, das nun Bug und Heck eines jeden Autos aus Rüsselsheim schmückt. Es ist inzwischen so bekannt, dass der Name Opel als Schriftzug derzeit kaum mehr angebracht wird.
Maserati und Neptuns Dreizack
Aufwärts strebende und zu einem Dreizack vereinte Pfeile zeigt übrigens das Markenzeichen von Maserati. Das lange Zeit nur Rennwagen produzierende Unternehmen mit Siegen bei den 500 Meilen von Indianapolis und dem Gewinn der Formel-1-Weltmeisterschaft durch Juan Manuel Fangio zeigte sich dabei ebenfalls recht ortsverwurzelt und erkor den Dreizack des Neptun-Brunnens von Bologna zum Firmenlogo.
Obwohl Maserati nach mehrfachem Eigentümerwechsel nach Modena zog, wurde das charakteristische Logo beibehalten. Heute ist die Sportwagenschmiede mit dem Dreizack ein eigenständiges Unternehmen innerhalb des Fiat-Konzerns und kooperiert technisch mit Ferrari.