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Donnerstag, 23. Februar 2012
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Ferrari FF V12 Endlich einer für die Familie

07.04.2011 ·  Ein Ferrari wie nie zuvor: Allradantrieb, vier vollwertige Sitze und ein Kofferraumvolumen von 450 Liter. Auch auf Schnee und Eis fährt er einfach los, als wäre nichts. Altbekannte Ferrari-Tugenden werden dabei nicht vernachlässigt.

Von Boris Schmidt
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Angeblich hatte Luca di Montezemolo die Idee zu dieser jüngsten Kreation aus Maranello: Der Ferrari-Chef wünschte sich schon länger einen Wagen, mit dem die Freunde des Hauses auch ohne Angst vor glatten Straßen nach St. Moritz oder Cortina d'Ampezzo zum Skilaufen fahren können.

Und den gibt es jetzt, einen Ferrari wie nie zuvor: mit Allradantrieb, vier vollwertigen Sitzen und einem Kofferraumvolumen von 450 Liter. Andere altbekannte Tugenden wurden freilich nicht vernachlässigt: Unter der langen Haube arbeitet ein direkteinspritzender V12-Motor mit 6,3 Liter Hubraum, der 486 kW (660 PS) bei 8000 Umdrehungen in der Minute leistet und ein maximales Drehmoment von 683 Newtonmeter bei 6000/min zur Verfügung stellt. Keine Angst, man kann den Ferrari auch niedertourig fahren, denn mindestens 500 Nm gibt es schon von 1000/min an. Bei diesen Leistungsdaten müssen die Fahrdaten nicht verwundern: In der Spitze sind 335 km/h möglich, der Spurt von 0 auf 100 km/h gelingt in 3,7 Sekunden, und wer auf dem Gas bleibt, ist nach elf Sekunden bei 200 km/h. Für das bestmögliche Umsetzen der Kraft sorgt ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (aus der Formel 1), das direkt an der Hinterachse verbaut ist (Transaxle-Bauweise). So erreicht man eine Gewichtverteilung von 47 zu 53 Prozent.

Bei aller Hochachtung vor der Leistung des V12, dessen Zylinder im Winkel von 65 Grad zueinander stehen und der im Vergleich mit den bisherigen Zwölfzylindern aus Maranello um ein Viertel sparsamer geworden ist (mit Start-Stopp-System, dennoch beträgt der Normverbrauch stattliche 15,4 Liter Super und der CO2-Ausstoß 360 g/km): Das wirklich Besondere am neuen Ferrari ist sein Allradantrieb. Hierbei haben sich die Ingenieure eine intelligente Lösung ausgedacht, die es so noch in keinem anderen 4WD-Fahrzeug gibt: In der Regel ist und bleibt der FF (Four Wheel Drive, four persons) ein Sportwagen, dessen Hinterräder angetrieben werden. Nur wenn die viele Kraft dort verpuffen würde, kommen die Vorderräder ins Spiel. Sie haben keinerlei mechanische Verbindung zu der Hinterachse, das Zusammenspiel der vier regelt die Elektronik.

Skifahrer staunen nicht schlecht

Tatsächlich ist der FF der erste Ferrari, den man auf Schnee und Eis völlig problemlos bewegen kann, davon konnten wir uns bei Probefahrten auf 2300 Meter Höhe in den Dolomiten überzeugen. Die Skifahrer staunten nicht schlecht, als die mit einem Hubschrauber nach oben gebrachten Ferrari direkt neben einer Gipfelstation ihre Runden drehten. Es ist verblüffend, wie der FF selbst am Berg auf Schnee und Eis anfährt, ohne auch nur ein Rad durchdrehen zu lassen. Er fährt einfach los, als wäre gar nichts.

Auch im FF gibt es das sogenannte „Manettino“ direkt am Lenkrad, mit dem der Fahrer die Abstimmung von Federn und Dämpfern sowie des Antriebs beeinflussen kann. „Schnee und Eis“, „Nässe“, „Komfort“, „Sport“ und „Systeme aus“ kann man vorwählen. Wobei es bis auf „Aus“ fast egal ist, was man auf Schnee einstellt, der „intelligente“ Antrieb, der zudem ein elektrisches Sperrdifferential an der Hinterachse hat, wird mit allem fertig. Der Fahrspaß kommt nicht zu kurz, man kann den FF sehr wohl gezielt zum Übersteuern bringen, so stellen sich das die Ferraristi auch vor.

Besser nicht größer als 1,85 Meter

Bislang keine Vorstellung machten sie sich von einem Raumangebot, das beinahe an eine Mittelklasse-Limousine heran kommt. In den Kofferraum unter der Heckklappe passen rein rechnerisch 450 Liter oder, so sagt Ferrari, vier Standard-Trolleys oder zwei Golftaschen. Ein langes Wochenende zu viert sei kein Problem. Tatsächlich kommen selbst Erwachsene auf den zwei Einzelsitzen im Fond relativ bequem unter, aber sie sollten nicht größer als 1,85 Meter sein. Es ist auf den Rücksitzen eindeutig mehr Platz als im Aston Martin Rapide, allerdings erfordert der Einstieg wie bei allen Zweitürern Geschicklichkeit. Zwischen den beiden Passagieren thront ein dicker Mitteltunnel, diesen Bereich kann man dazu nutzen, um zwei Paar Skier von hinten durchzuschieben. Selbstverständlich können die Lehnen umgeklappt werden, es entsteht eine ebene Ladefläche, das Ladevolumen steigt auf 800 Liter, jetzt sind für zwei Personen vier Wochen Urlaub im Ferrari möglich.

Dass so viel Platz im FF ist, kommt nicht von ungefähr. Die von Pininfarina gezeichnete Karosserie, die auf den ersten Blick an das alte BMW Z3 Coupé erinnert, ist stattliche 4,91 Meter lang, der Radstand beträgt fast drei Meter. Der FF kommt im Juni zu den Kunden; wie es heißt, ist die erste Jahresproduktion von 800 Einheiten bereits ausverkauft. Ferrari erwartet wie beim California eine Neukundenquote von mehr als 60 Prozent, wobei man zugibt, dass der FF stark polarisiert. 20 Prozent der potentiellen Kunden könnten sich mit der Form überhaupt nicht anfreunden, dagegen seien 80 Prozent von den neuen Möglichkeiten, die dieser Ferrari biete, mehr als begeistert. Diese Begeisterung sollte ihnen mindestens 258200 Euro wert sein. Denn die Kunden können noch eine Menge zusätzliches Geld bei Ferrari lassen, um den FF weiter aufzurüsten oder zu individualisieren. Nicht im Grundpreis inbegriffen sind zum Beispiel ein Tempomat, Kurvenlicht, eine Rückfahrkamera oder eine aufwendigere Audio-Anlage inklusive Rear-Entertainment-System. Hinsichtlich der Außenfarbe oder der Couleur der Inneneinrichtung ist fast alles möglich. Auch Kindersitze gibt es längst bei Ferrari. Sie haben noch zu keinem Renner aus Maranello besser gepasst als zu diesem.

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